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JESUS, DU WEIßT

JESUS, DU WEIßT

Regie Ulrich Seidl
Kinostart 25.08.2005

Kritiken • JESUS, DU WEIßT

29. August 2005 | JESUS, DU WEIßT • Kritik • Neues Deutschland

Dieser Regisseur dreht so lange an der Schraube menschlicher Komödie bis es schmerzt, meint Gunnar Decker. "Eine einzige Zumutung, eine Folter geradezu. Aber gerade das hebt Seidl heraus aus der Masse derer, die ein Thema mal kurz antippen und dann wieder fallen lassen. Seidl ist ein Besessener, der ein Thema so lange hin- und herbewegt, bis wir beginnen, unterhalb der Bewusstseinsschwelle zu reagieren. Mit Abwehr natürlich, aber auch mit einer aufsteigenden Ahnung davon, wie lächerlich Passionen sein können - und trotzdem echte Passionen. Menschen leiden an etwas, das für andere überhaupt kein Thema ist, was sie gar nicht ernst nehmen."

27. August 2005 | JESUS, DU WEIßT • Kritik • Die Tageszeitung

Zwischen Gott und Mensch steht die Kamera in dieser Dokumentation, schreibt Bert Rebhandl. "Seidls Reduktion der filmischen Mittel suggeriert, tatsächlich der Intimität des religiösen Gefühls beizuwohnen. Nie war Voyeurismus so innig und das Kino so nahe einer religiösen Ersatzbefriedigung ... Er macht ästhetisch, was sonst vielleicht nur pathetisch (oder peinlich) wäre. Er erzeugt durch die Wahl seiner Einstellungen eine Form von Würde in Situationen, in denen sich durch sein Eingreifen mit der Kamera erst die Frage nach Würde stellt. In JESUS, DU WEIßT geht es auf der ersten Ebene um Glauben, auf der zweiten Ebene um Ersatzbefriedigung für unerhörte Gebete."

26. August 2005 | JESUS, DU WEIßT • Kritik • Der Tagesspiegel

Eine nicht unbedingt spektakuläre Versuchsanordnung ist die ganze Sache - Menschen in der Kirche - für Kerstin Decker. "Der Österreicher Ulrich Seidl hat das Talent, Menschen bis in ihr Intimstes zu verfolgen, und sie geben es vor seiner Kamera preis. Das ist quälend und komisch zugleich. Es ist blanker Voyeurismus - und ist doch kein Voyeurismus. ... Vor allem aber wundert man sich. Man wundert sich darüber, dass Erwachsene die Seelen von Kindern in sich tragen und nicht die Spur eines Zweifels daran hegen, dass sich der Weltgrund persönlich für alle Details ihres Alltags interessiert."

25. August 2005 | JESUS, DU WEIßT • Kritik • Berliner Zeitung

Das Leise ist die Stärke dieses Films, meint Jan Brachmann. "Ulrich Seidl sagt, es wäre ein Leichtes gewesen, die katholische Kirche mit diesem Film in Misskredit zu bringen, aber das Leichte hat ihn nicht interessiert. Er weiß zwischen der legitimen Kritik an einer Institution und dem eigenen Recht des Glaubens zu unterscheiden. ... Ein Glaubensbekenntnis legt er nicht ab, er macht das der anderen aber auch nicht lächerlich. Nachdem es Ulrich Seidl in den vergangenen Jahren gelungen ist, sich als Autorenfilmer zu exponieren, hat er sich mit JESUS, DU WEIßT fast zum Verschwinden gebracht. Man kann auch sagen: Er hat sich durch Strenge selbst überboten."

25. August 2005 | JESUS, DU WEIßT • Kritik • Frankfurter Rundschau

Die Kamera ersetzt das Kruzifix entdeckt Michael Kohler. "Wenn es die Aufgabe des Dokumentarfilms ist, auch das Geheime zu enthüllen, dann zeigt JESUS, DU WEIßT, wie es in Wahrheit um die Heiligkeit des Gebets bestellt ist. Die intime Zwiesprache mit Gott erscheint hier nicht als Überschreiten des Selbst im Angesicht des ewigen Mysteriums, sondern als Sorgentelefon eines vom kleinbürgerlichen Leben deformierten Personals. Ein bösartiger Mensch würde die frappierende Leere der als Drehorte ausgewählten Kirchen vielleicht in direkte Relation zum religiösen Gehalt der aufgezeichneten Gebete setzen. Doch tut man Ulrich Seidl Unrecht, wenn man seine filmische Konzeption als Mittel der Denunziation versteht."

24. August 2005 | JESUS, DU WEIßT • Kritik • Jungle World

Als eigenwillig schätzt Andreas Hartmann die Dokumentation ein. "Der Zuschauer tritt durch die subjektive Kamera unerhörterweise selbst an die Stelle Jesu und kann endlich einmal Mäuschen unter betenden österreichischen Katholiken spielen. Und was er da teilweise in Seidls Film zu hören bekommt, ist schon ziemlich hart. Wenn man endlich einmal mitbekommt, mit welchen Problemen sich Betende den lieben langen Tag an den Allerhöchsten wenden, bekommt man regelrecht Mitleid mit ihm. Gott kriegt bekanntlich alles mit und hört auch alles, und um diese Gabe ist er, so muss man als Zuschauer irgendwann feststellen, wirklich nicht zu beneiden. ... Doch meist entfaltet dieser Film, der extrem karg inszeniert ist und die Kirche beinahe nie verlässt, eher eine ungemeine Tristesse, die so gar nicht zum Schenkelklopfen einladen mag."

23. August 2005 | JESUS, DU WEIßT • Kritik • fluter.de

Für Andreas Busche spielt Seidl "das Auge Gottes". "Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sind längst verschwommen. Seidls strenge Inszenierung, eine Art religiöse Konfrontation, ist nicht "verité", sondern hoch stilisiert. Diese Widersprüchlichkeit, das Mehrdeutige Seidls macht auch den Reiz seiner Filme aus. ... Seine Kamera blickt frontal und leicht überhöht auf die Beichtenden, die durch die extreme Perspektive etwas Karnickelartiges annehmen. Sie reden und reden und reden - vielleicht ist genau das Seidls Vorstellung von Hölle. Es schmerzt, ihnen zuhören zu müssen bei ihren peinigenden Monologen - das typische "Seidl-Feeling" stellt sich schnell ein. Aber gleichzeitig hat Seidls Versuchsaufbau etwas Ergreifendes."

August 2005 | JESUS, DU WEIßT • Kritik • filmz.de

Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.

August 2005 | JESUS, DU WEIßT • Kritik • film-dienst 17/2005

Hans Messias hat das Thema der Ulrich Seidl-Dokumentationen ausgemacht: Die ungeheuere gesellschaftliche Kälte, die der Dokumentarist ohne Kommentar seziert. "Seidl kommentiert nicht, sondern konzentriert sich ganz auf die Aussagen seiner Protagonisten, die dem visuell kargem Film ihren Stempel aufdrücken. Jede Einstellung beginnt mit den betenden Gläubigen, dann Folgen Schuss und Gegenschuss auf Kruxifixe und Jesus-Abbildungen. ... Dabei ist Seidl weniger an klassischer Glaubenskritik oder gar Blasphemie interessiert, sondern er stellt mit den starren, statischen Einstellungen vielmehr eine devote Gläubigkeit vor, der alles Weltliche fremd geworden ist und die sich voller Inbrunst auf sich selber konzentriert."

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