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ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT

ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT

Regie Tamara Milosevic
Kinostart 16.03.2006

Kritiken • ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT

16. März 2006 | ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT • Kritik • Berliner Zeitung

Worüber man nicht reden kann, das muss man zeigen, meint Jan Brachmann. Die Katastrophe von Polzow "braucht keinen Kommentar mehr. Es ist erstaunlich, dass Tamara Milosevic diese Gewaltspiele so ungeschützt filmen konnte. Dass sie es konnte, zeigt nur, dass die Menschen offenbar kein Bewusstsein von ihrer Art zu leben haben. Aber sie haben es doch - dumpf, jenseits der Sprache: "Nachdenken macht Kopfschmerzen", sagt einer der Trinker. So fliehen sie aus dem Schmerz in die Betäubung und leben immer im Kreis. Das Schlimme ist, dass einem beim Zusehen manchmal das Mitleid abhanden kommt."

16. März 2006 | ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT • Kritik • Der Tagesspiegel

"Das Befremden der Regisseurin ist auch ohne Kommentar gut zu spüren. Mancher mag es als unhöflich empfinden, Menschen so hässlich zu zeigen. Wer solche Orte durchlitten hat, dürfte das allerdings anders sehen. Tamara Milosevics Film ist ein düsteres Sittenbild aus dem Innern eines gerne verdrängten ländlichen Deutschland. Stärker aber ist er als Porträt eines grenzenlos einsamen Kindes zu lesen: Die Heimeinweisung am Ende ist wohl die erste gute Wendung in Matthias Leben."

15. März 2006 | ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT • Kritik • Jungle World

Laut Tjark Kunstreich wagt die Regisseurin "einen Blick auf die Potzlower Zustände, wie er radikaler nicht sein könnte. ... Der Film kommt ohne Kommentare aus, die einzigen beiden Off-Kommentare sind Zitate aus der Anklageschrift und aus einem ärztlichen Gutachten über Matthias. ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT erinnert in der Filmsprache, in der Dialektik von Nähe, wie sie die Kamera schafft, und Distanz, wie sie die Montage herstellt, an das Werk von Claude Lanzmann. Ein großer Vergleich - aber die gelungene Gegenüberstellung der Realität des Täterumfelds, in dem es keine Rückkehr zur Normalität gibt, weil die Normalität gar nicht durchbrochen wurde, mit der Realität des Opferumfelds, in der das Trauma die biografische Kontinuität zerstört hat, ist eine herausragende Dokumentation deutscher Zustände."

15. März 2006 | ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT • Kritik • fluter.de

Was die Regisseurin beobachtet, ist für Martin Maaß beklemmend. "ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT ist ein Dokument der Depression in Deutschland, die viele Ausdrucksformen findet: Alkoholismus, Orientierungslosigkeit, Selbstaufgabe, Traumatisierung, Gefühlsabstumpfung. Der Film zeigt Menschen, die allein gelassen sind, ob sie jung sind oder alt, klug oder weniger klug, eher fähig, mit den neuen Verhältnissen umzugehen, oder nicht. Er zeigt, wie verbreitet und akzeptiert es ist, Schwächere zu quälen, sogar bei den Opfern. Für das, was diese Menschen bräuchten, ist einfach niemals Geld da und keine Zeit."

13. März 2006 | ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT • Kritik • film-dienst 06/2006

Die Regisseurin hat ihren Film dramaturgisch klug durchdacht, lobt Ralf Schenk. "Tamara Milosevic interessiert sich nämlich nicht zuerst für den Krankheitsfall eines Einzelnen, sondern für den einer ganzen Gemeinschaft, für ihre moralischen Defizite und geistigen Leerstellen, die provinzielle Enge und die knappen Möglichkeiten, ihr zu entfliehen. Es geht um den Schlaf der Vernunft und die daraus entstehenden Ungeheuer. Das Tier im Menschen und die Bedingungen, die es braucht, um aus ihm herauszubrechen. Dass der Film dabei keine flotten Erklärungen anbietet, spricht für ihn und seine Regisseurin."

09. Oktober 2005 | ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT • Kritik • Erklärung der Jury des DokFilms Leipzig

"Auf der Spur eines schrecklichen Verbrechens fiel eine Armee von Zeitungs-, Fernseh- und Rundfunkreportern in ein kleines Dorf in der Uckermark ein, ohne dass die Tat für die Nation verständlicher geworden wäre. Tamara Milosevic ging geduldig und vorurteilslos unter die Menschen des Dorfes, um näher und tiefer beobachten zu können, warum ein solches Verbrechen geschehen konnte. Der Film lässt erahnen, wohin die Abwesenheit von Liebe und Achtung führen kann. Das Elend existiert eben nicht nur in Schreckensnachrichten aus fernen Ländern. Der Blick dieses Films zeigt uns, was wir nicht sehen wollen: Die menschlichen Katastrophen in unserer nächsten Umgebung."

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