| Regie | Ron Howard |
| Kinostart | 08.09.2005 |
Der Film macht die Hauptfigur für Martin Krauß uninteressanter, als sie es tatsächlich war. Der Kritiker schreibt einiges über historische Unwahrheiten. "So wird er aber als vermeintlicher Überboxer und Champion des amerikanischen Volkes inszeniert, der sich mit scheinbar nicht ganz so amerikanischen Gegnern wie Max Baer rumprügeln muss, und so der Nation einen Halt in schwerer Zeit gibt. Was soll man also letztlich über diesen Film mit einem überragenden Russel Crowe sagen? Vielleicht dies: Der Film ist historisch falsch, ideologisch bedenklich und auch sonst sehr gut."
Bert Rebhandl sah einen milden Stier. "Ron Howard und sein Hauptdarsteller Russell Crowe aber zeichnen Braddock, wie schon die Hauptfigur in ihrem ersten gemeinsamen Erfolg, als schöne Seele, als "beautiful mind", während Harry Baer, der eine interessante Figur war, in Howards Darstellung zur Karikatur des Sozialdarwinismus verkommt. Die Wirtschaftskrise wurde nicht behoben, weil alle sich durchgeboxt haben, sondern weil der Staat sich nicht aus der Verantwortung stehlen wollte. Diesen Widerspruch versucht Howard auch gar nicht zu lösen. Er hält ihn offen, indem er die Konkurrenzenergien, die er während der sehr spannenden Boxkämpfe erzeugt, in kollektives Pathos überführt - und damit gleich wieder verdrängt."
Klischees erster Klasse, nichts als sentimentaler Käse hat Sebastian Frenzel wahrgenommen. Der Film dümpelt "ziemlich trostlos dahin. Dann aber kommt der erste Fight - der Beginn von Braddocks Comeback - und diese Boxszene ist schlichtweg grandios. Schnell wie die Fäuste fliegt die Kamera von einer Ecke in die nächste, aus immer neuen Winkeln sieht man den Kampf und wird in die Intimität des Boxduells hineingezogen. Das hat nichts von der Leichtigkeit und Eleganz der Martial Arts, sondern zielt direkt auf den Körper. Die Kamera ist so atemberaubend nah dran am Geschehen, dass man die Wucht der Punches zu spüren meint."
Sascha Westphal vermisst das Gesamtgesellschaftliche an dem Film. "Dafür interessiert sich Regisseur Ron Howard nicht wirklich. Ihm reicht in DAS COMEBACK, seiner Version der außergewöhnlichen Lebensgeschichte James Braddocks, ein einziger, quälend langsamer Kameraschwenk, um diese fünf Jahre zu überbrücken. ... So wird aus James Braddocks Kampf ums Überleben und seinem sagenhaften Comeback als Boxer, der am Ende sogar in einem über 15 Runden gehenden Fight gegen den gefürchteten Max Baer den Weltmeistertitel erringt, nur ein weiteres Außenseiter-Märchen, das sich durch nichts von den unzähligen anderen Hymnen auf den amerikanischen Traum unterscheidet. Howard stilisiert den Boxer zum Volkshelden, zu einer wahren Lichtgestalt, die den von Not und Hunger geplagten Massen wieder Hoffnung gegeben hat."
Der Film badet genüsslich im Kitsch, meint Volker Mazassek. "Howard erzählt die Geschichte als amerikanischen Traum: ideologisch, pathetisch, steril. Die Braddocks sind in dieser Version eine Familie aus dem Märchenbuch. Edel, gut und stark. Der Vater opfert sich auf, die Mutter hält zu Hause den Laden zusammen, die Kinder sind goldig. Die Liebe der Eheleute ist so rein, dass man sich fragt, wie ihre Kinder auf die Welt gekommen sind. Man muss wohl unbefleckte Empfängnis in Erwägung ziehen."
Der Regisseur schnürt zwei Genres zusammen, mit denen er sein Publikum zu emotionalisieren hofft, entdeckt Julian Hanich: "Den Sportfilm als das Melodram des harten Mannes und das Familienmelodram, dem traditionellen weepie für weibliche Zuschauer. Dazu mischt sich, wie so oft bei Ron Howard, ein Hang zur Nostalgie, die weitere Gefühlsstimulanzien injiziert. Howards Vergangenheitssehnsucht bezieht sich diesmal auf die Filme des Hollywoodkinos der Dreißiger- und Vierzigerjahre. Vor allem aber gilt sie einer Zeit, in der die amerikanischen Werte noch selbstbewusst wie ein Weltmeistergürtel zur Schau getragen wurden. Howard praktiziert das auf eine Art, die man wegen ihrer verwegenen Gutherzigkeit beinahe bewundern könnte, wäre die Ideologie des Films nur einen Hauch verschleierter."
Die ganze Aufmerksamkeit des Regisseurs gilt einer Art proletarischen Heiligenfigur, schreibt Franz Everschor. "Ron Howard gibt sich nicht einmal ansatzweise Mühe, über die Ursachen dieser gesellschaftlichen Krise zu reflektieren, geschweige denn, sie für heutige (historisch weniger informierte) Zuschauer in einen nachvollziehbaren politischen Zusammenhang zu stellen. DAS COMEBACK repetiert die Geisteshaltung durchschnittlicher MGM-Gesellschaftsstücke der 1930er-Jahre, was ihm die einzige historische Relevanz verleiht, die sich in dieser schlicht und einfältig erzählten Boxer-Story entdecken lässt. ... Nun hat Ron Howard engagierteren Regietalenten immerhin eines voraus: Er versteht es, mit Schauspielern umzugehen."
Neben MILLION DOLLAR ist auch COMEBACK für Margret Köhler ein beachtlicher Film aus dem Boxermilieu, der über das Sportliche hinausgeht und ein Kapitel amerikanischer Geschichte anreisst. "Armut, Verzweiflung und Existenzangst schildert Regisseur Ron Howard in diesem unter die Haut gehenden Drama und zeichnet nach dem tiefen Fall den Aufstieg Braddocks zum Volkshelden, der seinen Mitbürgern Mut macht und Vorbildfunktion übernimmt, zahlt er doch sogar stolz die Sozialhilfe wieder zurück, als es ihm besser geht. Die Lebensbedingungen sind nach historischen Fakten realistisch dargestellt und ohne sozialromantische Schnörkel. ... Russell Crowe verkörpert überzeugend die Hauptfigur als Fighter und Familienvater und sorgt mit seiner Präsenz dafür, dass die Glaubwürdigkeit der Geschichte trotz einer Prise amerikanischem Pathos nicht leidet. Auch Renée Zellweger nimmt sich an seiner Seite zurück, wirkt ernsthaft und seriös."
Nichts anderes als Heldengeschichten wollen laut Philipp Bühler Regisseur und Hauptdarsteller erzählen. "Eine solch ungebrochene Charakterfestigkeit ist selbst für einen Boxfilm ungewöhnlich und wäre bei jedem anderen als Russell Crowe schwer zu ertragen. Aber Howard braucht diesen sympathischen Helden, um seine zentrale Botschaft loszuwerden: Nicht jeder, der die Unterstützung der Gesellschaft benötigt, ist an seiner Armut selbst schuld. Mit dieser liberalen Haltung rüttelt er an amerikanischen Grundwerten - oder hält sich zumindest an die Regel, dass es in einem Boxfilm stets um mehr geht als nur Boxen."