| Regie | Abel Ferrara |
Als richtig mißglückt bezeichnet Wolfgang Höbel den Film. "Alles ist so wirr und fromm (Beten hilft!), dass man sich immer wieder Sorgen macht, ob Ferrara, inzwischen auch Mitte 50, in seinem bekanntermaßen ausschweifenden Leben nicht ein paar üble Drogen zuviel genommen hat. Und dann gibt's eben doch auch hier ein Schock-Tableau, das haften bleibt: Das Feuer und den Lärm eines Raketeneinschlags in Jerusalem schneidet Ferrara zusammen mit einem Alarm auf der New Yorker Intensivstation, die zappelnden Baby-Gliedmaßen im Brutkasten stellt er als Kontrast gegen brennende Hausfassaden. Echt die Härte."
Ungewöhnlich eindeutig findet Daniel Kothenschulte die eine oder andere Szene des Films. "Wenn ein Film derart ungebrochen im Wohlklang der eigenen Botschaft endet, noch dazu einer von Abel Ferrara, kann das kaum mit rechten Dingen zugehen. ... Den theologischen Subtext seiner früheren Filme kehrt er plötzlich nach außen, die Fußnoten stehen jetzt im Haupttext und der eigentliche Handlungsverlauf rangiert unter "ferner liefen". Wie er das tut und dennoch sein Werk glaubhaft als Spielfilm ausgibt und in den Wettbewerb von Venedig schickt, ist allerdings ausgesprochen verwegen. ... Der naiven Reise in die Absolution, die Mary auf der inhaltlichen Ebene predigt, steht die Absolutheit einer Filmsprache entgegen, wie sie bei diesem Festival ihres Gleichen sucht."
Auf ambitionierte Weise ist der Regisseur für Anke Westphal gescheitert. Der Film "verbindet Reflexionen über Gewalt, Religion und die modernen Medien mit der Schuldgeschichte eines schwarzen New Yorker TV-Moderators, der für seine Show über das wahre Leben von Jesus einer ehemaligen Marien-Darstellerin hinterher telefoniert: Mary lebt jetzt in Jerusalem; Theodore (Gottes Geschenk!) sieht die Bilder der Terroranschläge in Nahost im Fernsehen."
Zunächst war der Film laut Christina Nord sehr komplex, "später leider zu eng geführte Reflexion über Glauben, Gott, Verfehlung und Vergebung. Der Film vermischt Heterogenes, apokryphe Evangelien, den Nahostkonflikt, Gibsons und Scorseses Jesus-Filme und den Geschlechterkampf vor 2.000 Jahren. Ferrara interessieren weder visuelle Komposition noch handwerkliche Virtuosität, dafür strahlt MARY aber die dem Regisseur eigene Unbedingtheit aus."
Der Regisseur fackelt nicht lange, meint Jan Schulz-Ojala: Seine Hauptfigur geht gleich durchs Fegefeuer. Der Kritiker hat nicht viel übrig für dieses Katholiken-Drama: "Ferraras MARY, eine amerikanisch-italienische Koproduktion, ist ein Film, der Mel Gibson gefallen dürfte, und George W. Bush noch dazu."