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GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS

GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS

Regie Patrice Chereau
Kinostart 12.01.2006

Kritiken • GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS

14. Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • Frankfurter Rundschau

Für Heike Kühn ist GABRIELLE die Bestandsaufnahme eines geheimen emotionalen Bürgerkriegs. "Die formalen Aspekte des Films sind auratisch. Sie verraten wenig über die Gefühllosen und darin viel über ein zeitgeschichtlich und gesellschaftlich reglementiertes Gefühl. Der Film wechselt zwischen Schwarz-Weiß und Farbe. Bisweilen kommentiert er das Geschehen durch Zwischentitel, die an die Tafeln eines Stummfilms erinnern. Wer darauf vertraut, dass die Farbe einen Gefühlsausbruch begleitet, wird getäuscht. ... GABRIELLE trifft punktgenau die gesellschaftliche Übereinkunft von Herrschaft und Dienerschaft, die auf verquere Art und Weise nach beiderseitigem Verzicht verlangt. Jenseits dieser Verzichtserklärung wird der Mensch selbstverantwortlich für seine Stellung, seinen Körper, sein Gefühl."

12. Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • Die Tageszeitung

Körperlichkeit bzw. deren völlige Abwesenheit ist das Thema des Films für Anke Leweke. "Ein wenig zu offensichtlich demonstriert Chéreau, dass hier eine Ehe erstickt wird oder auch nie atmen konnte. Sie verschwindet unter Reichtum und Konventionen oder verflüchtigt sich in den nicht enden wollenden Zimmerfluchten. Spätestens wenn die Kunstsammlung von Monsieur ins Bild gerückt wird, weiß man, dass er auch seine Frau nur wie einen kostbaren Besitz betrachtet. ... icht eine einzige Sekunde gelingt es Cheréau, über dieses Paar und die Zeit der Belle Epoque hinausweisen. Sein Goldener Käfig ist hermetisch verriegelt. Die Körper, die darin gefangen sind, bleiben Marionetten. Dekorativ in Szene gesetzt vom einem Regiezampano, für den auch ihr Innenleben nur Schauwert ist."

12. Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • Der Tagesspiegel

Hier befinden sich Seelen im Ausnahmezustand, meint Kerstin Decker. "GABRIELLE ist Hochpräzisionskino in jedem Augenblick. Jeder Kamerawinkel, jeder Schnitt scheint die sprachlich-psychologische Meisterschaft Conrads autonom nachzuvollziehen. Die Änderungen also sind minimal - auch jene, die am Ende eine um alles ist. Chéreau musste nur eine Nuance verschieben, um die Problematik einer Ehe des 19. Jahrhunderts ins zeitlos Heutige zu übersetzen. ... GABRIELLE, marternd und klaustrophobisch wie ein Bergman-Film und zugleich weltergreifend wie die große Oper, ist tatsächlich die Fortsetzung von INTIMACY - mit Isabelle Huppert und Pascal Greggory als abgründigem Paar, dessen gemeinsame Lebensbundvoraussetzung hieß: Wir heiraten, aber keine Intimität bitte!"

12. Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • Neues Deutschland

Ein psychologisch tiefdringendes Kammerspiel sah Marion Pietrzok. "Es fließen Elemente des Sprechtheaters in die Inszenierung ein, man denkt an Strindberg, Ibsen. Ganz außerordentlich die Kamera als Schreiber eines Psychogramms in ihrer Ruhelosigkeit, den Zooms, ihrem Umkreisen, Annähern, Abtasten. Distanz, Ratlosigkeit stellen sich ein mit dem abrupten Ausblenden aus Szenen. Und über allem fahlflackerndes Licht der Verstörung. Pascal Greggory und Isabelle Huppert bieten darstellerische Hochleistungen. Fragil in der Verwirrung, undurchdringlich in der Suche, sanft und hart in der Entschiedenheit."

12. Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • Junge Welt

Peer Schmitt hat sich von dem Zwei-Personen-Bürgerkrieg überzeugen lassen. "Es geht darum, dem Kino die literarische Erfahrung wieder grundsätzlich zugänglich zu machen, indem man Stummfilmtechniken verwendet, obwohl quasi ununterbrochen geredet wird. Über den Ehebruch. ... Ein Bürgerkrieg, in dem die Beteiligten sich nicht ganz im klaren darüber sind, daß sie von Beginn an in einem Grab gelegen haben müssen (und niemand auf der Welt hat eine so schöne Grabesmiene wie Isabelle Huppert), in dem selbst der heftigste Aufruhr nie etwas verändert."

12. Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • Die Zeit

Durchkalkuliert und eisig findet Birgit Glombitza den Film. "Dieses Szenario von großbürgerlicher Selbstherrlichkeit und Verklemmung inszeniert Patrice Chéreau wie mit dem Rechenschieber. Gabrielle ist so durchkalkuliert, kopflastig und eisig wie die Ehe, um die es geht. In seinen besten Momenten gleicht der Film einer Geisterbahn toter Gefühle. Dann lässt Chéreau seine Protagonisten von ihren Zofen mit vernehmbarer Anstrengung ins Korsett der Konventionen schnüren. Dann spuken Jean und Gabrielle als erbarmungswürdige Geschöpfe, die ihren Körper längst vergessen haben, durch das eigene Leben."

11. Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • Berliner Zeitung

Gerhard Midding spricht mit dem französischen Regisseur Patrice Chéreau.

11. Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • Der Spiegel

Für Wolfgang Höbel ist GABRIELLE eine peinigende Beziehungsschlacht. "Man sieht elegante Kostüme, eifrige Hausangestellte, die Pracht des Salons, in dem das Ehepaar Jean und Gabrielle jeden Donnerstag Gäste aus der besseren Gesellschaft empfängt; man sieht edle Karaffen, schöne Möbel, bedeutungsvolle Augenaufschläge. Den Verdacht, Chéreaus Film sei eine schwelgerische Huldigung an ferne Zeiten, nährt nicht nur der vollständige deutsche Titel des Films ... GABRIELLE besteht zu einem großen Teil aus Gerede, poetischem, seelentiefem, auch lächerlich schmerzverzücktem Gerede. Manchmal scheint es selbst Chéreau, der als Theater- und Opernregisseur berühmt geworden ist und sich immer zum Glauben an das Wort bekannt hat, zu viel zu werden. Dann zeigt er einfach wie im Stummfilm eine Schrifttafel, auf der ein besonders markanter Dialogsatz zu lesen ist."

11. Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • fluter.de

Als Kriegsdrama bezeichnet Stefanie Zobl den Film. "Auch wenn die Geschichte der Herveys zu Anfang des 20. Jahrhunderts spielt, ist sie von ihrer Substanz her universell und zeitlos. ... Chéreau verrennt sich in seinem Film in visuellen Spielereien: Der häufige Wechsel zwischen Schwarz-Weiß und Farbe, der Einsatz von Zeitlupe oder die Einblendung von Zwischentiteln sind nicht wirklich nachvollziehbar. Zusammen mit dem dissonanten, orchestralen Score machen die Effekte aus dem Film eine etwas anstrengende Angelegenheit."

02. Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • film-dienst 01/2006

Laut Michael Kohler hätte der Regisseur keine besseren Hauptdarsteller finden können. "Wenn die Herveysche Ehe ein für das Gegenüber inszeniertes Schauspiel ist, wer könnte dann besser in die Rollen schlüpfen als zwei einander ebenbürtige Meister des Artifiziellen? Ihr Regisseur steht dabei freilich nicht zurück. Wenn der Theater- und Filmregisseur Patrice Chéreau die Grenzen seiner beiden Metiers verwischt, geht es ihm um nichts Geringeres als das Beste zweier Welten, Körperlichkeit und Montage, Emotion und Reflexion, zu vereinen. Unmögliche Nähen haben es ihm angetan, auch wenn er sie wie diesmal etwas distanziert betrachtet."

Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • filmz.de

Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.

Januar 2006 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • br-online.de

Das Seelenporträt hat Thilo Wydra nicht ganz überzeugt. "Nur, dass dieser literarischen Adaption die Kraft, die Wucht fehlt, um wirklich zu berühren, um wirklich nahe gehen zu können. Um aufzurütteln. Alles bleibt auf Distanz, alles mutet kalt und steif und steril an - ein Film wie in ein Korsett geschnürt, formal-visuell (Kamera: Eric Gautier) wie inhaltlich. Korsettierte Seelen. Auf Eis gelegte Emotionalität. Allzu oft schon wurde das gezeigt. Chéreau, der es gerne radikal mag, lässt es hieran nun fehlen, und so siegt die Konvention letztendlich doch über die Revolte. Das ist freilich schade."

07. September 2005 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • Berliner Zeitung

Ermüdend perfekt wirkt der Film auf Anke Westphal. GABRIELLE "wird in ästhetischer Hinsicht gewiss der ehrgeizigste dieser Mostra bleiben. All seinen Lieben hat der Regisseur hier die Referenz erwiesen: dem Film und der Oper natürlich, und dabei kann man nicht einmal behaupten, dass Malerei und Theater zu kurz kämen. ... muss den Film als eine Art Torte angesehen haben, die in seinen Augen immer mehr Zutaten brauchte: überhitzte Kamerarundfahrten, Ent- und Wiedereinfärbungen der Szenerie, Verweise auf die Anfänge atonaler Musik, schwarzweiße Zwischentitel, Tableaus nach Art der Impressionisten, aber auch intime Großaufnahmen."

07. September 2005 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • Der Tagesspiegel

Ein packendes Ehe-Kammerspiel sah Jan Schulz-Ojala. "Chéreau inszeniert die folgenden Tage der Abrechnung als vibrierende Seelenpein: eine Suite aus panischen Monologen und düsterem Verstummen in Fin-de-Siècle-Ambiente, und hinter halb geöffneten Türen schauen die Dienstmägde zu. Doch GABRIELLE, ein kalter Blick in die Ehehölle, macht nur kurz schaudern. Zu sehr beschränkt sich Chéreau, Regisseur von IMTIMACY, dem Berlinale-Sieger 2001, diesmal auf die psychologische Skizze. Als Liebeserklärung an die grandiose Isabelle Huppert aber funktioniert der Film ganz wunderbar."

07. September 2005 | GABRIELLE - LIEBE MEINES LEBENS • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Opernhaftes, welches wie eine Fingerübung wirkt, hat Marli Feldvoss wahrgenommen. Allerdings verhilft der Film einmal mehr der Schauspielerin Isabelle Huppert in der Rolle der unglücklichen Protagonistin zu einem erneuten kleinen Triumph.

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