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IN DEN SÜDEN

IN DEN SÜDEN

Regie Laurent Cantet
Kinostart 21.09.2006

Kritiken • IN DEN SÜDEN

23. September 2006 | IN DEN SÜDEN • Kritik • Die Tageszeitung

Der Film wertet seine Figuren nicht, sondern versucht ihre Motive auf diskrete Weise zu ergründen, schreibt Dominik Kamalzadeh. "In Interviewszenen, die den Fluss der Handlung unterbrechen, geben die Frauen Einblicke in ihr Inneres und Auskunft über ihre Frustrationen, die sie nach Haiti geführt haben. Was sich plakativ als Sextourismus bezeichnen ließe, wird so auch zum Mittel, von unerfüllten Sehnsüchten von Frauen in fortgeschrittenem Alter zu erzählen. Cantet interessiert sich dabei weniger für eine Ökonomie, an der das Gefälle zwischen Erster und Dritter Welt ablesbar wird, als für wechselseitige Projektionen."

21. September 2006 | IN DEN SÜDEN • Kritik • Berliner Zeitung

Für Sabine Vogel blendet der Regisseur "die politische Wirklichkeit Haitis nicht aus, im Gegenteil, sie ist der faulig-tropische Grund, auf dem das illusorische Glück der Urlauberinnen seine Blüten treibt. Und doch ist das Glück nicht falsch, nicht verlogen, nur weil es sich aus der materiellen Dominanz der Liebestouristinnen und der Abhängigkeit ihrer Bumsters speist. ... Diese erwachsenen Frauen, die vielleicht einmal junge Mütter waren, sie lieben voller Verzweiflung und Hingabe. Sie lieben als Frauen mit ihren gepflegten Körpern und reifen Gesichtern vielleicht das letzte Mal. Sie lieben wie Ertrinkende."

21. September 2006 | IN DEN SÜDEN • Kritik • Die W

Peter Claus ist fasziniert von Charlotte Rampling. Der Regisseur "zeichnet Laurent Cantet ein scharfes Sittengemälde. Doch - und das irritiert aufs angenehmste - er verurteilt nicht. Charlotte Rampling fesselt dabei als Lady mit Knacks. Distinguiert, stets die Contenance wahrend, gibt sich Ellen als Frau, die nichts erschüttern kann. Die Schauspielerin zeigt das mit strengen Posen. Zugleich offenbart sie, etwa durch ein Flackern in den Augen, dass all die straffe Haltung nur Fassade ist, mühsam errichtet, um ja nicht in die eigenen Abgründe blicken zu müssen."

21. September 2006 | IN DEN SÜDEN • Kritik • Die Tageszeitung

Der Regisseur hat seinen Film dramaturgisch so stringent und logisch aufgebaut, dass dies manchmal schon auf die Kosten des Spannungsbogens geht, kritisiert Wilfried Hippen. Er "wechselt immer wieder die Perspektive. Zum Teil halten die Protagonistinnen Monologe, die die Erzählung unterbrechen, und auch so wieder Distanz schafft. ... Auch wenn der Film auf eine dramatische Zuspitzung am Ende zuläuft, also wirkungsvoll inszeniertes Erzählkino bietet, ist er in erster Linie eine scharfsinnige und detailreiche Analyse des Sextourismus. Trotz all der Szenen am heißen Strand kommt einem da das Frösteln."

21. September 2006 | IN DEN SÜDEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Christiane Peitz sagt es unumwunden: IN DEN SÜDEN "ist Houellebecq mit Herz. Keine kühle Abrechnung mit dem Massenphänomen Sextourismus, sondern eine Erkundung: die etwas andere Möglichkeit einer Insel. ... [Der Regisseur beobachtet] in unspektakulären, aber eindrücklichen Bildern, wie das Soziale, das Ökonomische jeder Bewegung und Berührung eingeprägt ist. Eine Zärtlichkeit kostet einen Tequila Sunrise. Und wie das zwanglose Fußballspiel der jungen Männer auf dem Marktplatz grundiert ist von der Angst vor polizeilicher Willkür, wollen sich die in den US-Großstädten domestizierten Frauen umgekehrt von ihren Zwängen befreien. Aber sie etablieren neue Besitzverhältnisse: einen Kolonialismus der Gefühle."

21. September 2006 | IN DEN SÜDEN • Kritik • Frankfurter Rundschau

"Man mag es pessimistisch finden, wenn In den Süden zeigt, dass es hier keine unschuldigen Verhältnisse gibt. Dass ökonomische, sexuelle, kulturelle Ausbeutung Lebensbedingung ist - auch unter den Haitianern.", schreibt Rüdiger Suchsland. "'Tourists never die', sagt ein Haitianer am Ende dieser impressionistischen, mörderischen Kino-Reise. Mit seinen einfachen, klar kadrierten Bildern, seinem Erzählen ohne große Mätzchen und Manierismen sowie einer gewohnt glänzenden Charlotte Rampling in der Hauptrolle ist In den Süden ein kleines Meisterwerk nüchterner Beobachtung."

26. August 2006 | IN DEN SÜDEN • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Alexandra Stäheli hat eine eindrückliche und beklemmende Analyse vom Zusammenspiel zwischen schillernd-begehrender Wunsch-Oberfläche und kulturell-trennendem Untergrund gesehen. Dem Regisseur "gelingt es in bestürzender Weise, ein Mosaik von Begehrensstrukturen zwischen West und Süd offen zu legen, ohne dadurch für eine Seite Partei zu ergreifen. ... So seziert denn Cantet das Gewirr an Projektionen, an verschiedenen Hoffnungen und ihren (vermeintlichen) Erfüllungen mit seinem scharfen, aber verständnisvollen Skalpell und dokumentiert zugleich den verzweifelten Kampf westlicher Frauen gegen die gesellschaftlich aufgedrückten Verfallsdaten des Körpers."

09. September 2005 | IN DEN SÜDEN • Kritik • Berliner Zeitung

Für Anke Westphal ist der Film gescheitert. "In L'EMPLOI DU TEMPS und RESSOURCES HUMAINES hat Cantet rückhaltlos genau vom ökonomischen Primat aller Verhältnisse gesprochen. Sein nobles Scheitern in VERS LE SUD zeigt nun, dass Rückhaltlosigkeit ohne eine gewisse Rücksichtslosigkeit nicht zu haben ist. Ehrenwert verteidigt der französische Regisseur auch die Bedürfnisse der Frauen."

08. September 2005 | IN DEN SÜDEN • Kritik • Der Spiegel

Mit ungeheurer Ruhe erforscht der Regisseur die Seelenlandschaften seiner Akteure, schreibt Wolfgang Höbel, ohne schnell über die Frauen und ihre bezahlten Liebhaber zu urteilen. "Ein bisschen nervig ist es allerdings schon, wenn man eineinhalb Stunden lang in maximaler Langsamkeit das Unheil heraufziehen spürt. Die Eifersüchteleien der Frauen, aber auch ihre Komplizenschaft, den gefährlichen Alltag des schwarzen Lovers Legba, den Luxus des Strandhotels und das gefährliche Leben in der Stadt: all das führt Cantet fast wie ein Dokumentarfilmer vor. Die am Ende überlebenden Helden sprechen in einigen Szenen sogar direkt in die Kamera. VERS LE SUD ist die exakte, peinigende, aber auch großartige Rekonstruktion eines Verbrechens."

08. September 2005 | IN DEN SÜDEN • Kritik • Die Tageszeitung

Für Christina Nord scheitert der Regisseur an der Reichweite des Themas. "Den verschiedenen Formen des Rassismus, der Repression in dem karibischen Land, den Vorstellungen von romantischer Liebe bei gleichzeitiger sexueller Ausbeutung kommt VERS LE SUD nur nahe, solange die Protagonisten Thesen formulieren."

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