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L'ENFANT - DAS KIND

L'ENFANT - DAS KIND

Regie Luc Dardenne
Jean-Pierre Dardenne
Kinostart 17.11.2005

Kritiken • L'ENFANT - DAS KIND

24. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Der Spiegel

Gerhard Midding spricht mit den politischen Filmemachern Luc und Jean-Pierre Dardenne über die Ursachen der Unruhen in Frankreich und den dokumentarischen Stil ihres neuen Films "L'Enfant".

18. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Der Freitag

Die Regisseure zeigen sich laut Andreas Busche als Meister sowohl der einfachen Filmsprache als auch des unsentimentalen Mitgefühls. "Die Kamera baut eine respektvolle Distanz auf und ist doch immer dran an den Menschen, in ihrem Schmerz und ihrer Hilflosigkeit. Der Respekt gegenüber ihren Figuren zeigt sich in der Geduldigkeit des Abbildens und dem Gefühl der Echtzeit, das die Filme der Dardenne-Brüder entwickeln. Jeder unnötige Schnitt, jede Bildmontage, die Partialisierung der erlebten Zeit, würde die innere Einheit des Erlebnis-/Erfahrungsraumes, wie sie die Filmemacher des Cinema Direct in den sechziger Jahren gepredigt haben, kompromittieren."

17. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Berliner Zeitung

Für Christina Bylow schaffen es die Regisseure, "ihre Figur nicht zu verraten. Das gelingt ihnen, indem sie ihr jedes weichzeichnende Verständnis verweigern. Bruno bekommt die Aufmerksamkeit, die er als treibende Kraft der Handlung verdient. Ohne allzu großen Abstand zu halten, folgt ihm die Kamera auf seinen Geschäftswegen durch die postindustriellen Wüsten der belgischen Kleinstadt Seraing. Die Dardennes haben einmal gesagt, sie spielten nicht Gott, sie dominierten nicht alles. Genauso wenig sind sie Sozialarbeiter, die über die Abgründe ihrer Klientel hinwegsehen oder sie für therapierbar halten. Ihre Figuren sind in jedem Moment frei in ihren Entscheidungen. Sie verfügen über eine Autonomie, die den Personen des britischen Sozialrealisten Ken Loach, mit dem die Dardennes oft verglichen wurden, vollkommen fehlt."

17. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Berliner Zeitung

Knut Elstermann spricht mit den Gebrüder Dardenne über die Freiheit der Entscheidung.

17. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Die Tageszeitung

Herausragend nennt Cristina Nord die Sozialstudie. "L'ENFANT sperrt seine Protagonisten nicht in ihrem Elend ein, er lässt ihnen die kleinen Fluchten. Das ist außergewöhnlich im gegenwärtigen Kino. Denn wer sich randständiger Figuren annimmt - was ohnehin nicht viele Regisseure tun -, legt dabei bisweilen eine fast sadistischen Lust an den Tag, diesen Figuren jeden Ausweg zu nehmen. ... Je mehr Leute verarmen, umso häufiger wird die Rhetorik von der Verantwortung des Einzelnen bemüht, umso lauter ist die Rede von Sozialschmarotzern. Dass es zur Strukturlogik des Neoliberalismus gehört, wenn ein bestimmter Teil der Gesellschaft aussortiert wird, gerät dabei aus dem Blick. Den Dardennes gebührt das Verdienst, Bilder genau hierfür zu finden."

17. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Frankfurter Rundschau

Die Regisseure haben sich laut Daniel Kothenschulte mit diesem realistischen Melodram selbst übertroffen. Was geschieht, "die bittere Not des Protagonisten, seine innere Reifung, die Sehnsucht nach dem Glück - es teilt sich allein in der Beobachtung mit, wirkt nie forciert, braucht keinen Effekt und keine Musik, ja nicht einmal den Rückhalt einer klaren Form. Das ist die eigentliche Größe der Dardennes: Auch wenn nichts überflüssig ist in ihrem Realismus, so vermeiden sie auch den Eindruck jeder formalen Strenge. Sie wäre eine Äußerlichkeit in ihrem reinen Kino. Man wird sich die auf die Form bezogenen Fragen während der Vorführung kaum stellen, so mitreißend ist der Film erzählt."

17. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Frankfurter Rundschau

Die genaue Beobachtung hat Ulrike Rechel fasziniert. "Der Film lässt nicht viel Zeit verstreichen, sondern begibt sich direkt hinein in die Lebenswelt seiner Protagonisten und deren Daseinskampf am Sockel der Leistungsgesellschaft, der sich zwischen Sozialamt und den brüchigen Idyllen einer abgewirtschafteten Industriestadt abspielt ... Ihr Vertrauen gehört dem kleinen, beeindruckend natürlichen Ensemble um Jérémie Rénier als kindlich skrupellosem Spieler, der mit naiv anmutender Fassungslosigkeit zusieht, wie sein Leben dominoartig zusammenbricht. Die Brüder Dardenne erzählen das nüchtern und unvoreingenommen. Nur so kann die Wärme entstehen, die ihre harsche Geschichte durchzieht."

16. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte unterhält sich mit den Regisseuren Jean-Pierre Dardenne und Luc Dardenne über Schrecken des Stils und die Unruhen in Frankreich.

16. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Jungle World

Eine beeindruckende Sozialstudie und ein heftiges Liebesdrama sah Andreas Hartmann. Der Film "hat zu Recht die goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen. Die jungen Schauspieler und ihre pralle Lust auf Leben, ein mitreißender Jérémie Rénier als ein Bruno, der einem trotz seiner Schwächen immer sympathisch ist, und ein Sozialdrama, das spannend und niemals rührselig erzählt wird, fesseln einen von Anfang an. Die Kapitalismuskritik der Dardenne-Brüder erinnert weniger an das typische englische Kampf-der-Deklassierten-Kino, dem sein politisches Anliegen immer gerne zu arg in den Vordergrund gerät, sondern wird lakonisch wie etwa in Pier Paolo Pasolinis ACCATONE ausgebreitet."

16. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • fluter.de

Die Hauptfigur ist laut Andreas Busche gar nicht mal unsympathisch, es mangelt ihr bloß an einem moralischen Werteverständnis. "Man muss die Filme der Dardennes als Angebot an die Zuschauenden verstehen: Wir sollen diese Menschen nicht verstehen, nur sehr genau beobachten. Im schmerzvollen Moment der Erkenntnis lassen Jean-Pierre und Luc Dardenne die Zuschauenden schließlich mit Sonia und Bruno allein zurück. In einer letzten, unendlich langen Einstellung."

16. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • br-online.de

Laut Thilo Wydra legen die Dardenne-Brüder die Geschichte "unprätentiös an, wie stets ist ihr Drama ohne jegliche Schnörkel, ist narrativ und visuell alles in völliger Reduktion gehalten. Filmischer Minimalismus aus Belgien. Doch obgleich L'ENFANT an der Croisette preisgekrönt wurde, so sind Filme wie LA PROMESSE oder DER SOHN doch die stärkeren, vermag es dieser hier nicht ganz so, zu bewegen, zu berühren. Man bleibt auf Distanz zu diesem Paar, zu diesem Bruno vor allem. Manchmal, da geht er auf die Nerven, da mag man ihm nicht mehr zusehen in seiner unentwegten Malaise."

15. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Der Tagesspiegel

Julian Hanich spricht mit den Regisseuren Jean-Pierre Dardenne und Luc Dardenne über Realismus, Gesellschaft und Verantwortung.

15. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Der Tagesspiegel

Die Hauptfigur ist für Christina Tilmann nicht einmal unsympathisch. Die Regisseure bewerten nicht, "steuern nicht auf eine Lösung zu, bei der man am Ende weiß, das war schlecht und das gut, und so verläuft der Weg dahin. Sie gehen nur eine Zeit lang mit, mit Sonia und Bruno - als wohlwollende Beobachter. Und doch gibt es ein Kontinuum, einen Weg der Dardennes: Konsequent halten sie an ihrem Thema fest und an ihrem Ort. Seraing, eine kleine Industriestadt bei Lüttich, ist Schauplatz aller ihrer Filme, ein dreckiger Fluss, rostige Werften, stillgelegte Industrieanlagen, trostlose Wohnblocks, ein Ort für Außenseiter, für Einsamkeit. Auch das Personal bleibt gleich, die Anwohner als Laiendarsteller, dazu Schauspieler."

10. November 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • film-dienst 23/2005

Für Hans Messias ist dies eine zeitlose Geschichte. "Die ausgebleichten Farben des Films verstärken die Tristesse der Erzählung, und wann immer die meist halbnah operierende Kamera, die das Geschehen distanziert einfängt, die Privatsphäre ihrer Protagonisten zu akzeptieren scheint und den Gesichtern der Hauptdarsteller auf die Pelle rückt, vermitteln sich Ratlosigkeit und Verzweiflung. ... Den Dardennes ist ein Film gelungen, der der Gesellschaft einen Spiegel vorhält und der nichts beschönigt. Er zeigt das Bild einer zunehmend infantileren Gesellschaft, deren Kinder absurder Weise immer früher in die Rolle von Erwachsenen gezwungen werden; und er zeigt die Abwesenheit einer gesellschaftlichen Kontrollinstanz, die die jungen und alten Kinder sich selbst überlässt - scheinbar liegt das Heil im Bekenntnis zur eigenen Liebesfähigkeit."

19. Mai 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Der Tagesspiegel

Für Jan Schulz-Ojala ist dem Regie-Paar wieder "ein Film gelungen, der eine beliebige Jugendamtsakte in gesehen-gelebte Erfahrung verwandelt." Einen Ausweg lässt der kühl ausbelichtete, gewissermaßen neon-realistische Film aber zu.

19. Mai 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Frankfurter Rundschau

die Regisseure schneiden mit ihren messerscharfen Lebensbilder dicke Stücke aus der Luft der Wirklichkeit und bauen daraus heimliche Melodramen, schreibt Daniel Kothenschulte. "Was anschließend geschieht, der harte Überlebenskampf des Protagonisten, seine innere Reifung, die Sehnsucht nach dem Glück - es teilt sich allein mit in der Beobachtung, wirkt nie forciert, braucht keinen Effekt und keine Musik, ja nicht einmal den Rückhalt einer klaren Form. Das ist die eigentliche Größe der Dardennes: Auch wenn nichts überflüssig ist in ihrem Realismus, so vermeiden sie auch den Eindruck jeder formalen Strenge. Sie wäre eine Äußerlichkeit in ihrem reinen Kino."

18. Mai 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Der Spiegel

Als eher trist schätzt Lars-Olav Beier die Werke der Regie-Brüder ein. Im Grunde die Hauptfigur schon im ersten Moment "beim Zuschauer verloren - und doch gelingt es den Dardennes, das Porträt eines jungen Mannes zu zeichnen, der alles, was er in die Hände kriegt, zu Geld macht und dabei zwar unfassbar beschränkt, aber unschuldig wirkt. Wie er schließlich lernt, den Unterschied zwischen Menschen und Dingen zu erkennen, erzählt der Film dann fast mit naivem Optimismus."

18. Mai 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Berliner Zeitung

Anke Westphal hat einen außergewöhnlichen Film gesehen, der nicht beim neorealistischen Sozialarbeiterkino landet. "Wie einer ohne große innere Grenzen begreift, dass er unwiderruflich eine letzte Grenze verletzt hat - das zeigen die Dardennes ohne viel Worte und in jener zweckfrei nervösen Bewegung, die jeder Art von Heimatlosigkeit eignet, sei es nun geistige oder geografische. Jérémie Renier und Déborah François, die beiden Hauptdarsteller, wurden mit den Dardennes in Cannes gefeiert."

18. Mai 2005 | L'ENFANT - DAS KIND • Kritik • Die Tageszeitung

Der Film über Vaterschaft bereichert für Christina Nord das Festival. Die Dardennes inszenieren die Geschichte, "ohne dass sie ihr Publikum zu einer Emotion zwängen; sie zeigen, was geschieht, und verzichten auf zusätzliche Emphase. Dabei bleiben sie der dynamischen Kameraarbeit der Vorgängerfilme treu, die Figuren sind fast immer in Bewegung, auf der Flucht, sie gehen stets eine Spur zu eilig durch die Straßen. Dass sie nur entkommen können, indem sie innehalten, müssen sie in einer schmerzreichen Prozess begreifen lernen."

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