| Regie | Shane Black |
| Kinostart | 20.10.2005 |
David Kleingers sieht in der vergnüglichen Film-Noir-Kolportage mehr als nur kalauernde Killer mit Machoallüren. Der Film ist "Shane Blacks Versuch eines Comebacks nach seiner vieldiskutierten Schreibkrise und zugleich die höchst amüsante Abrechnung mit jenen Erfolgsformeln, die ihn einst zum hoch bezahlten Blockbuster-Belletristen machten. Diese halsbrecherische Krimi-Kolportage schickt den weißen Mann in den größten nur denkbaren Schlamassel und demontiert dabei munter die Heldenbilder Hollywoods."
Sehr komisch findet Bert Rebhandl diesen famosen Thriller. "Shane Black bietet nun in "Kiss Kiss, Bang Bang" nicht nur viele Anspielungen auf die berühmtem Kriminalfilme (der Autor Raymond Chandler ist auch für ihn die oberste Autorität), sondern steigert die kühlen Posen der Vorbilder um den einen Faktor, den Hollywood hinzugelernt hat: Gewalt. In diesem Fall ist es durchweg groteske Gewalt. Wo viel geschossen wird, gibt es viele Querschläger. In dem Pulp-Fiction-Universum, zu dem auch KISS, KISS, BANG, BANG gehört, sind abgetrennte Körperteile die erste Materie. Und doch geht Shane Black in eine deutlich andere Richtung als zum Beispiel Quentin Tarantino. Das klassische Kino ist für ihn nicht nur Spielmasse. Er liebt die Vorbilder."
Volker Mazassek ist begeistert: KISS, KISS, BANG, BANG "ist eine Krimi-basierte Hochgeschwindigkeitskomödie mit Film-Noir-Turbo, [mit} einem Wunderwerk aus schnoddrigem Humor und beiläufiger Action, einem Brummkreisel, dessen zahllose Drehmomente den Zuschauer schwindlig spielen. So etwas Gutes hat es schon lange nicht mehr auf die Leinwand geschafft. ... Der Zuschauer schafft es kaum hinterherzuhecheln. Gerade noch war man Zeuge, wie Harry - aus Versehen natürlich - auf eine Leiche pinkelt, schon findet man sich in einer Bar wieder, wo die Farben leuchten wie das pure Glück. Gelegentlich bleiben die Bilder auch stehen und Figuren werden entfernt. Ein Film übers Filmemachen ist der Film nebenbei nämlich auch noch."
Hollywood huldigt sich selbst, behauptet Thomas Winkler. KISS, KISS, BANG, BANG "ein schreiend komisches, selbstironisches Stück Kino, das schlau genug ist, sich gar nicht erst an seinen Vorbildern messen zu wollen, sondern ihnen lieber demütig huldigt. Das Ergebnis ist postmodern, aber extrem unterhaltsam. KISS, KISS, BANG, BANG, das ist der Rülpser, der dem Kino entfleucht, wenn es sich mal wieder an sich selber überfressen hat. Das riecht nicht gut - aber tot ist das Hollywood-Kino so lange nicht, wie es sich noch so souverän selbst recyclen kann."
Für Florian Kummert ist diese irrwitzige Mischung aus Thriller, Komödie und Film Noir mit Hochgeschwindigkeits-Dialogen und intelligentem Humor der Highlight dieses Kino-Herbstes. Der Film "spielt mit den Konventionen. Er ist ebenso Krimi wie eine Satire der selbstverliebten Filmindustrie wie ein Film übers Filmemachen. Harry führt sich selbst als Erzähler ein, verscheucht Figuren, die das Kamerabild verschandeln, und entschuldigt sich bei konservativen Zuschauern über die viele Flucherei. ... Er ist pulp fiction im besten Sinne und wandert den schmalen Grat zwischen Spannung und Humor ohne jemals die Balance zu verlieren. Eine cineastische Wundertüte voller Überraschungen. Unbedingt ansehen."
Michael Kohler sah eine bunte Persiflage auf die Klassiker der Schwarzen Serie. Der Film "ist nicht allein eine Hommage an den Detektivfilm der 1940er-Jahre; er ist zugleich ein ironisches Loblied auf das Strickmuster des Erfolgs, eine hinterlistige Abrechnung mit einer Industrie, die besser von Mord und Totschlag lebt als jedes Verbrechersyndikat, und nicht zuletzt auch eine autobiografische Skizze des ehemals bestbezahltesten Drehbuchautors von Hollywood. ... Ohne recht zu wissen, wie ihm geschieht, macht Lockhart das Beste aus einer Geschichte, die ihn beinahe in einem Sumpf aus Geld, Ehrgeiz und Macht versinken lässt. Das ist keine nette Umschreibung für die Industrie, die Shane Black lange Zeit so gut ernährt hat. Doch letzten Endes fällt seine Abrechnung versöhnlich aus."
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Wolfgang Höbel hat es sofort gemerkt: "Hier wird gealbert bis zum Abwinken - und die meisten Filmjournalisten in Cannes bogen sich in der Pressevorführung vor Lachen. Kann sein, dass Shane Blacks Film letztlich die Eleganz fehlt oder auch nur eine halbwegs vernünftige Erzählökonomie. Aber einen einzigen deutschen Regisseur möchte ich erleben, der den pubertären und zugleich absolut smarten Überschwang dieses 43-jährigen Filmemachers besitzt."