THE WOODSMAN

film-zeit Film: THE WOODSMAN
Regie Nicole Kassell
Kinostart 05.05.2005

Inhalt • THE WOODSMAN

Nach zwölf Jahren Gefängnis wird Walter, verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, in eine Welt entlassen, die er kaum noch kennt und die ihn nicht kennen will. Walter versucht ein normales, unauffälliges Leben zu führen. Er zieht in ein kleines Apartment und findet einen Job im Sägewerk. Doch seine Umwelt begegnet ihm mit Misstrauen, Ablehnung und Hass. Allein seine Arbeitskollegin Vicki versucht ihn nicht nach dem zu beurteilen, was er vor Jahren getan hat. Zwischen den beiden könnte eine Liebe entstehen, aber Walter lebt in ständiger Angst vor Repressalien, vor allem aber der Angst vor seinen eigenen Impulsen und Gefühlen, die durch die Bekanntschaft mit einem jungen Mädchen wieder auszubrechen drohen.

Kritiken • THE WOODSMAN

10. Mai 2005 | Kritik •

Für Andreas Busche wehrt sich THE WOODSMAN gegen reflexhafte Affekte, gerät aber in Erklärungsnöte. "Nicole Kassells Regiedebüt "The Woodsman" bremst solche Reflexe allein schon durch eine seltene formale Strenge aus. Dramatische Überzeichnungen durch penetranten Musikeinsatz hat die Regisseurin ebenso vermieden wie unnötige Schnitte oder aufdringliche Close-ups. Oft ist Bacon nur in der Halbtotalen oder angeschnitten zu sehen; es ist eine respektvolle Distanz. Kein Ekel drückt sich in den Bildern aus, aus denen jede Farbe gewichen zu sein scheint. ... Argumentativ derart in die Beweispflicht genommen, gerät der Film spätestens ab der Hälfte in arge Erklärungsnöte. Je weiter sich die Fallstudien ausdifferenzieren, desto mehr entpuppt sich THE WOODSMAN als wackelige Konstruktion von Missbrauchsverhältnissen."

05. Mai 2005 | Kritik •

Wiebke Brauer hat ein ebenso sehenswertes wie strittiges Drama über einen Pädophilen, der versucht, ein normales Leben zu führen, gesehen. Die Kritikerin fragt: "Darf man mit einem verurteilten und bestraften Pädophilen mitfiebern, ob er es schafft, nicht wieder rückfällig zu werden? ... In THE WOODSMAN ist dies möglich - dank der Glaubwürdigkeit Kevin Bacons als Walter. Steinern ist seine Miene im Umgang mit seinen Mitmenschen, sie bietet Schutz vor Verletzungen und hält seinen inneren Aufruhr im Zaum. Allein, als er ein kleines Mädchen im Park anspricht, werden seine Züge weich und gesellschaftsfähig - und damit für den Zuschauer widerlich. Doch damit es nicht zu heikel wird, bleibt der Täter in seinen pädophilen Absichten physisch gewaltfrei."

05. Mai 2005 | Kritik •

"Die junge Regisseurin Nicole Kassel ist dabei nicht abgestürzt, und das ist schon eine ganze Menge angesichts des heiklen Sujets. Zu verdanken ist das einem klugen Drehbuch und einem überzeugenden Hauptdarsteller. Der ausgewiesene Charakterdarsteller Kevin Bacon schafft es, die Figur so anzulegen, dass sie Neugier weckt, die aber stets von Misstrauen begleitet wird - so als ob sich jederzeit ein Abgrund auftun könnte. ... Die Menschen, die sich hier begegnen, haben eines gemeinsam, nämlich Missbrauch als Täter oder Opfer erlebt - deswegen ziehen sie sich gegenseitig an. Der Film wertet das nicht, er zeigt es nur. Ob Walter seine Impulse verliert, bleibt offen. Es gibt keine Antworten. Spürbar ist nur die Spannung, mit der Walter leben muss."

04. Mai 2005 | Kritik •

Einen bemerkenswerten Debütfilm hat Martin Schwickert gesehen. "Mit sanfter und sicherer Hand zwingt WOODSMAN sein Publikum in eine Auseinandersetzung mit der Täterseite. Hierfür wählt Nicole Kassell einen klugen Erzählmodus, der alles Sensationelle und Spekulative meidet. Bilder und Töne werden in einen leichten Schwebezustand versetzt. Sogar die Musik scheint von Ferne durch die Lautsprecher in den Kinosaal zu dringen. Kassell blickt auf ihre Hauptfigur mit einer Mischung aus Nähe und Distanz, die nach psychologischer Genauigkeit sucht. Kevin Bacon erweist sich dafür als idealer Hauptdarsteller."

04. Mai 2005 | Kritik •

Matthias Heine findet den Film besser als seine eigenen Metaphern, die er gefunden hat. "Die junge Regisseurin Nicole Kassel hat sich bei ihrem Debüt für einen unaufdringlichen mit etwas grobkörnigem Material gedrehten Alltagsrealismus im Stile des New Hollywood entschieden. Sie wollte, daß Walter wirkt wie die einzelgängerischen nicht immer ganz zu Ende erklärten Helden aus den großen amerikanischen Filmen jener Epoche. Und in der Zusammenarbeit mit Bacon hat sie ihr Ziel erreicht. Denn dessen Spiel ist auf grandiose Weise "hölzern". Denn Bacon stellt einen Mann dar, der sich im Bemühen um Selbstkontrolle fast bewegungslos gemacht hat."

04. Mai 2005 | Kritik •

Für Annette Kilzer ist THE WOODSMAN kein leicht zu verdauender, auf jeden Fall aber ein ausgesprochen mutiger und wichtiger Film. Er "ist ganz sicher kein Plädoyer für Pädopholie, aber der Film wagt den Blick ins verborgene Seelenleben eines Menschen, der sexuell auf Minderjährige fixiert ist. ... Wir Zuschauenden werden hautnah Zeuge dieses Kampfes der zwei Seelen in einer Brust. Ein Kampf, der dank des vielschichtigen Drehbuchs, der wunderbar unprätentiösen Inszenierung und vor allem der beinahe Gänsehaut erzeugenden darstellerischen Leistung von Kevin Bacon einem selbst unter die Haut geht ..."

04. Mai 2005 | Kritik •

Als hervorragend und subtil schätzt Florian Kummert den Film ein. "Kevin Bacon liefert in THE WOODSMAN eine brillante Schauspielleistung. Mit zurückhaltenden Gesten zeichnet er einen Menschen, der am liebsten völlig verschwinden würde. Der extrem kontaktscheu ist, einerseits um den ständigen Anfeindungen zu entkommen, aber andererseits um einen etwaigen Rückfall zu vermeiden. ... THE WOODSMAN ist ein schwieriger Film. Schwierig für Kevin Bacon, der seine Rolle meisterhaft spielt. Schwierig für die Regie. Nicole Kassell macht aber auch hier alles richtig und erzählt ihren Erstlingsfilm nüchtern, fast dokumentarisch. Aber vor allem ist der Film schwierig für das Publikum."

Mai 2005 | Kritik •

Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.

April 2005 | Kritik •

THE WOODSMAN stellt - legitim für Holger Römers - die Täterfigur in den Mittelpunkt. Die Regisseurin "beweist in dieser Hinsicht sicheres Taktgefühl und verzichtet darauf, die Erzählperspektive auszuschlachten. Selbst wenn sich die Kamera nicht dem Blickwinkel des Protagonisten annähert, schlägt sich die Erzählperspektive in den Bildern des Films nieder. Die meisten Szenen beginnen mit Nahaufnahmen, und der Blick der Kamera öffnet sich auch im Anschluss nur selten zur Totalen; weil zudem Schärfeverlagerungen darauf aufmerksam machen, dass die engen Bildausschnitte in der Tiefe ebenfalls beschränkt sind, suggeriert die Bildsprache unaufdringlich die Abkapselung der Hauptfigur. ... Ohnehin ließe sich kritisieren, dass Kassell vor der schwierigsten Konsequenz ihres Stoffs zurückweicht, weil Walters einstige Tat ausgespart bleibt."

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