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LAST DAYS

LAST DAYS

Regie Gus Van Sant
Kinostart 11.01.2007

Kritiken • LAST DAYS

12. Januar 2007 | LAST DAYS • Kritik • Berliner Zeitung

Ein Heiligenfilm über Kurt Cobain sah Jens Balzer. "Am Ende klettert der einsame Rockstar, dessen Körper nun erschossen und nackt auf dem schmutzigen Boden einer kleinen Gewächshaus liegt, als stofflose Seele in den Himmel hinein: dargestellt in Form einer einfachen Doppelbelichtung, dem ältesten Spezialeffekt der Kinogeschichte, so alt wie die Filme von Georges Méliès, und doch so unmittelbar zart und erhaben, dass der Betrachter - und das ist das Wunder, das Gus Van Sant in diesem Film für uns vollbringt - selbst mit diesem sinn- und erkenntnislos dahinsi echenden Nichtsnutz tief mitzuleiden beginnt."

11. Januar 2007 | LAST DAYS • Kritik • Die Tageszeitung

Alles, bloß kein Biopic sah Andreas Busche. Der Film "stellt nicht einmal den Anspruch, biografisch zu sein. Seinen Film hat er Cobain zwar gewidmet, im Abspann stellt Van Sant aber auch klar, dass er lediglich von dessen Leben inspiriert ist. ... Wo Van Sant aber durch seine nichtlineare Erzählweise die Konkretion isolierter Eindrücke beschwört, oft ohne Sinnzusammenhang, gelingt es Savides mit seinen minimalistischen Bildkompositionen, eine innere Geschlossenheit herzustellen. Im Grunde besteht LAST DAYS aus einer Ansammlung von konzentrierten Tableaus, die Savides mit einer Engelsgeduld durchmisst. So ist Van Sants Film immer dann am besten, wenn er sich den Zwängen des Erzählens völlig entzieht."

11. Januar 2007 | LAST DAYS • Kritik • Der Tagesspiegel

Jan Schulz-Ojala ist begeistert: Der Film "kriecht hinein in die Einsamkeit eines Todgeweihten, zieht sie sich wie ein Leichentuch über, und die Kamera, die geduldige, fängt junge, müde Körper in einer fernen Nähe ein, Körper wie Schemen ... Eine Meditation, dieser Film. Sie verlangt nach Wahrnehmungstrance und Überwachheit zugleich, sie legt Zeitschleifen aus wie sanfte Fallen, in denen du dich willig verfängst, bis die Zeit keine Rolle mehr spielt, nur noch der Raum und die Räume."

11. Januar 2007 | LAST DAYS • Kritik • Frankfurter Rundschau

Jeder Moment ist exakt bemessen, lobt Daniel Kothenschulte. "Dass es anderthalb Jahre dauerte, Last Days in die deutschen Kinos zu bringen, legt nahe, dass dies kein einfacher Film ist. Dennoch ist er auf erstaunliche Weise eingängig und setzt beim Zuschauer nicht das Geringste voraus. Wie nur wenige Kunstwerke öffnet sich dieser Film jedem Zuschauer ohne Vorbehalt und wirkt länger als das meiste nach, was man sonst im Kino erleben kann. Es wäre zu schade gewesen, ihn auf den Bestenlisten des Jahres 2005 begraben zu sehen."

11. Januar 2007 | LAST DAYS • Kritik • Neues Deutschland

Meisterhaft nennt Knut Elstermann LAST DAYS. "Gus van Sant beteiligt sich nicht an den endlosen Spekulationen, an den Verschwörungsdebatten um den mysteriösen Selbstmord. Er filmt das Ende aus großer Entfernung und lässt die Seele des Verstorbenen nackt nach oben klettern, wie auf der "Stairway to Heaven", die Led Zeppelin einst besangen: ein Bild der Erlösung. Was immer an diesem 5. April 1994 geschehen sein mag, Gus van Sant belässt die Wahrheit bei dem Toten, der sie als einziger kennt."

11. Januar 2007 | LAST DAYS • Kritik • Die Zeit

Ein Verschwörungstheoretiker ist Gus Van Sant nicht, wohl aber ein Spezialist fürs Mysteriöse und Unabgegoltene, seine Regiearbeit setzt dort erst an, wo andere mit ihrem Latein am Ende sind, schreibt Thomas Groß. "Man nähert sich diesem Wagnis von Film am besten über das, was er nicht ist: Er ist kein lebenssattes Biopic, keine Recherche der Todesumstände, kein Stationendrama, das die Geschichte eines Getriebenen entlang biografischer Schlüsselsituationen konstruiert. Nirvana-Fans werden Schwierigkeiten haben, ihr Idol überhaupt wiederzuerkennen, so strikt wurde die Figur auf einige Erkennungszeichen heruntergekürzt. ... Erklärende Rückblenden, ein donnernder Soundtrack, alles, womit das Mainstream-Kino sich seine Gegenstände auf einen Spannungsbogen von 90 Minuten hin zuschneidet, fehlt. Stattdessen: rauschende Blätter, gespenstische Begegnungen auf leeren Fluren, in die selten ein Strahl Tageslicht fällt."

10. Januar 2007 | LAST DAYS • Kritik • Jungle World

Laut Esther Buss hat der Regisseur "erneut einen Film über das Sterben gemacht, über die Einsamkeit, die dem Tod vorausgeht. ... Das Tempo des Films ist langsam, dem minimalistischen, naturalistischen Stil entspricht, dass die Szenen jeweils nur aus einer Perspektive aufgenommen wurden. Die Kamera folgt den Figuren in sehr, sehr langen Einstellungen, ohne Schnitte. Sie fängt zunächst den Raum ein, in dem sich die Figuren dann wie in einem abgegrenzten, tableauartigen Rahmen bewegen. Wie schon in ELEPHANT gibt es Ellipsen und zeitliche Verschiebungen, eine Szene wird aus mehreren Perspektiven erzählt, Ton und Bild stimmen oft nicht überein. ... Es könnte immer so weitergehen, es könnten fünf Tage sein, fünfzig oder auch nur ein paar Stunden."

12. Januar 2006 | LAST DAYS • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Einen unerhörten Film-Tribut an Kurt Cobain sah Andreas Maurer. "Seit dem Anbruch des neuen Millenniums experimentiert Gus Van Sant mit den unterschiedlichen Vibes von Bild und Ton, um das Lebensgefühl einer Jugend heraufzubeschwören, die nicht mehr im Einklang mit ihrer Umwelt ist. ... In Kurt Cobains Abschiedsbrief fand sich ein Zitat von Neil Young: "It's better to burn out than to fade away." Hier offenbart sich Van Sants Ironie: Wohl verlässt der Märtyrer Blake am Ende kraft der Magie der Doppelbelichtung seinen Körper und steigt die Himmelsleiter empor - jedoch nicht, ohne dabei zusehends zu verglimmen. Wie jeder Star."

17. Mai 2005 | LAST DAYS • Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte ist begeistert. LAST DAY "ist ein Meisterwerk, wie es kaum ein Kinojahr, erst recht kein Festivaljahrgang, leicht übertreffen wird. In langen Einstellungen, die ihr Geheimnis in ihrer Klarheit hüten, führt der Filmemacher in ein einsames Waldhaus, wo ein offensichtlich verwirrter junger Mann von ein paar Freunden besucht wird. Sie durchdringen seine vollkommene Abgeschlossenheit zu keinem Augenblick. ... Gus van Sant, dessen klaren, fotografisch geschulten Blick man gern für naturalistisch halten möchte, ist tatsächlich der letzte Vertreter der Hochromantik, der hier nach GERRY und ELEPHANT seinen hochemotionalen Todeszyklus abschließt."

14. Mai 2005 | LAST DAYS • Kritik • Der Spiegel

Wolfgang Höbel nennt LAST DAYS eine leidenschaftliche Geisterbeschwörung und reines Stimmungskino. Sein Held "darf übrigens nicht Kurt Cobain heißen, sondern hört auf den Namen Blake. Und weil dem Regisseur neben den Rechten an der Lebensgeschichte Cobains auch die an dessen Musik verweigert wurden, muss LAST DAYS ohne einen einzigen Originalsong auskommen. Van Sant macht aus diesem Manko das Beste."

14. Mai 2005 | LAST DAYS • Kritik • Berliner Zeitung

Für Anke Westphal hat der Regisseur einen der tollsten Filme über Pop'n Rock gedreht, die je gab - die Seltsamkeit des Seelenbilds eingeschlossen. "Die letzten Tage im Leben des Nirvana-Frontmanns zeigt der Regisseur als Fließen eines Bewusstseins- oder vielmehr Bewusstseinsstörungsstroms. In einer anderthalb Stunden langen hypnotischen Kameraschleife überblendet Van Sant Naturalismus, Spiritualität und Kreatürlichkeit, also die Wälder Oregons, Kirchenglocken und Gebete, die psychedelischen Wurzeln des Grunge und das reduzierte Mitteilungsvermögen seines Junkie-Helden ... Was Gus Van Sants Pop-ikonografischen Film so besonders macht, ist weniger die Abwesenheit von Moral - der Drogengebrauch etwa wird nicht gezeigt und auch der Suizid nicht -, sondern das Vermögen einer Einfühlung ohne jede Psychologisierung. Rebel without a Cause - Gus Van Sant hat diese Phrase nicht nur verstanden, sondern auch ins Bild geholt."

14. Mai 2005 | LAST DAYS • Kritik • Der Tagesspiegel

Als radikal weg vom Mainstream empfindet Jan Schulz-Ojala den Film. Er "ist ein Hammer, der wie in Zeitlupe und fast ohne Ton niedersaust. Er trifft, ohne dafür eine einzige Note von Nirvana zu benötigen. Er trifft, ohne einen Tropfen Blut, ohne Waffe neben dem Kopf der Leiche. Er benutzt die längst wieder vage Erinnerung an den genialen Musiker, der sich 1994 erst 27-jährig nach der Flucht aus der Entzugsklinik das Leben nahm - und erzählt zugleich in wenigen Strichen, die die Fantasie des Zuschauers anstrengungslos frei machen, eine gänzlich eigene Geschichte. LAST DAYS ist ein geflüstertes Requiem, eine Elegie auf die Einsamkeit, wie wir sie ruhiger und herzzerreißender wohl noch nie im Kino gesehen haben."

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