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MANDERLAY

MANDERLAY

Regie Lars von Trier
Kinostart 10.11.2005

Kritiken • MANDERLAY

18. August 2011 | MANDERLAY • Kritik • negativ-film.de Partner von film-zeit

Sarina Lacaf sagt's deutlich. "In den von Manderlay gleichzeitig aufgeworfenen Thesen, dass der unabänderlich unmündige Mensch besser aufgehoben sei in einem direkten Herrschaftsverhältnis, das ihn knechtet und einsperrt, dass demokratische Bestrebungen falscher Idealismus seien, und dass für die Schwarzen in den USA die Sklaverei als das "kleinere von zwei Übeln" gelten könne, verkommt von Triers unbedingter Wille zum provokanten Aufzeigen alternativer Sichtweisen allerdings zu purem und (vor allem im letztem Falle) auch äußerst geschmacklosem Schwachsinn."

11. November 2005 | MANDERLAY • Kritik • Der Freitag

Laut Matthias Dell ist MANDERLAY "eine eigentümliche Mischung aus Experiment und Lehrstück. Der Laborcharakter des offenen Raumes wird durch den Bericht des onkelhaften Off-Erzählers kontrastiert. Was von Trier damit gewinnt, ist die Vergegenwärtigung eines historischen Prozesses, bei dem - obwohl das Ende feststeht - der Betrachter den Eindruck haben muss, alles sei möglich, der Ausgang offen. ... Triers zweite Folge seiner Amerika-Retrospektion lässt den idealistischen Zug der Gerechtigkeit mit leichter Hand vor den Prellbock der Dialektik rasen. Kritik äußert das Experiment MANDERLAY nicht im arroganten Ton scheinbaren europäischen Besserwissens. Kritik ist hier, wie auch in Dogville, die möglicherweise produktive Ratlosigkeit, die übrig bleibt, wenn man ins Getriebe der (amerikanischen) Geschichte geschaut hat."

10. November 2005 | MANDERLAY • Kritik • Der Spiegel

Der Film ist für Andreas Borcholte mehr als eine boshafte Parabel auf den unüberwundenen Rassismus in den USA; auch die Gutmenschen Europas werden kritisiert in dem angestrengt didaktischen Werk. "Didaktisch, plakativ und mit fiebriger Intensität übermittelt [der Regisseur] seine Botschaft an den Zuschauer, ohne sich jedoch um dessen emotionale Verstrickung in den Stoff zu bemühen. Dadurch wird MANDERLAY, wiewohl kürzer als DOGVILLE, zur anstrengenden Kino-Sitzung. Ob das sein muss, ist die Frage. Auch Kino, das zum Denken anregen will, darf unterhalten, ohne dabei Anspruch einzubüßen. Hier jedoch will der Regisseur auch Lehrmeister sein."

10. November 2005 | MANDERLAY • Kritik • Berliner Zeitung

Es geht hier laut Anke Westphal um nicht mehr und nicht weniger als die Freiheit der Entscheidung für ein bestimmtes Verhalten. "MANDERLAY wiederholt das Kreuzungsexperiment von theatralischen und filmischen Mitteln, das DOGVILLE so avantgardistisch erscheinen ließ. Und auch wenn das Modell nun nicht mehr sensationell wirkt, wird man kaum behaupten wollen, dass es weniger interessant wäre und einen nichts anginge. Die große, alles entscheidende Frage ist ja, wie sich eine Gesellschaft in ihren unzähligen und unausrottbaren Subsystemen von Unterdrückung (Chef und Angestellter, Mann und Frau usw.) intern reguliert. Im besten Fall bedeutet Demokratie, dass man seine Form der Unterdrückung wählen darf."

10. November 2005 | MANDERLAY • Kritik • Die Tageszeitung

Gertrud Koch nimmt an, "dass es nicht wirklich ein politischer Skandal ist, der an MANDERLAY die Gemüter erhitzt - es ist vielleicht doch mehr die enorme Suggestivkraft, mit der wir in das Spiel selbst hineingezogen werden, in der Schritt für Schritt die sexuelle Komponente des Masochismus entrollt wird, in der rassistische Phantasmen über die schwarze Sexualität und sexistische Phantasmen über die masochistischen Begabungen der Frauen in die ausführliche Inszenierung eines Sexualakts münden, der die kongeniale Allianz zweier Stereotypen vorführt. Aber man soll sich da nicht aufs Glatteis führen lassen. MANDERLAY lässt sich nicht festlegen."

10. November 2005 | MANDERLAY • Kritik • Junge Welt

Peer Schmitt deckt es auf: "In MANDERLAY geht es also gar nicht so sehr um irgendein 'Amerika', weder um die konkrete USA noch um ein literarisches Amerika, das größer ist als das Leben, 'das Amerika in uns', wie es Andreas Kilb in der FASoZ (6.11.05) pathologisierte, sondern um die verfehlten abstrakten Konstruktionen der 'schönen Seele'. Die Geschichte eines Versagens. Es ist auch von Triers Versagen."

10. November 2005 | MANDERLAY • Kritik • Die Zeit

Katja Nicodemus führt ein ausführliches Interview mit dem dänische Filmemacher Lars von Trier über sexuelle Fantasien, den Papst, die Sklaverei in den USA und seinen neuen Film.

09. November 2005 | MANDERLAY • Kritik • br-online.de

Laut Margret Köhler greift der Regisseur vor allem die Geisteshaltung an, für andere zu handeln und alles besser zu wissen. "Eine Verbindung zum Irak-Krieg und dem Projekt des "Nation-Building" der Supermacht USA ist offensichtlich. ... Die Stimme des Erzählers (John Hurt) wirkt in ihrem unüberhörbaren Sarkasmus sehr britisch. Der Film endet mit David Bowies "Young Americans" und einer Fotomontage über das böse und rassistische Amerika - vom Ku-Klux-Klan über Rodney King, Martin Luther King als Freiheits-Ikone und George Bush als bigotten Beter bis hin zu GIs im Vietnam- und Golfkrieg. Da wird die anfänglich feine Parabel zum platten Pamphlet."

08. November 2005 | MANDERLAY • Kritik • Der Tagesspiegel

Durch New Orleans hat MANDERLAY eine bestürzende Aktualität erfahren, schreibt Christiane Peitz. "Lars von Trier stellt sich vor allem den eigenen Dämonen, beschwört die eigene Skepsis, die Selbstzweifel und das moralische Dilemma eines ernüchterten, europäischen Idealisten. ... Howard verleiht ihrer Figur eine atemberaubende Mischung aus Kindlichkeit und Stolz, Idealismus und Pragmatismus, ätherischer Anmut und Bodenständigkeit. Eine bislang kaum bekannte Darstellerin, eine Entdeckung. Ahnungsvoller Engel, du: Wie eine Schlafwandlerin bewegt sie sich über die Bühne, staunend, mit leicht geöffnetem Mund will sie die Welt retten, begreift nichts, wird hinters Licht geführt."

08. November 2005 | MANDERLAY • Kritik • Der Spiegel

Lars-Olav Beier und Martin Wolf sprechen mit dem dänischen Regisseur Lars von Trier über seine Hassliebe zu den USA, seinen neuen Film, seine Begeisterung für Donald Duck und sein Scheitern am Bayreuther "Ring".

08. November 2005 | MANDERLAY • Kritik • film-dienst 23/2005

Als ästhetische Entrümpelung bezeichnet Michael Kohler MANDERLAY. Der Film "ist erfüllt von dieser geradezu zwanghaften Experimentierlust, die in ihrer Konsequenz etwas Faszinierendes hat; eine Faszination allerdings, die sich im Fortgang der Amerika-Trilogie immer stärker abzunutzen scheint. Was an DOGVILLE noch aufregend war, ist diesmal schon Gewohnheit, und die Geschichte wirkt gerade in ihrer berechneten Frivolität ermüdend. Dass Graces Aufklärung alsbald in Totalitarismus umschlägt und an der Korrumpierbarkeit der Menschen zu Grunde geht, ist so sicher wie das Amen in der Kirche und bringt nichts Neues in die Passion der Grace - auch wenn die Schlusspointe schon beinahe Shyamalansche Dimensionen hat."

08. November 2005 | MANDERLAY • Kritik • fluter.de

Zum ersten Mal sieht Stefanie Zobl beim Regisseur keine filmischen Überraschungen. "Glücklicherweise hat sich der Regisseur nicht dem unreflektierten, "positiven" Rassismus seiner Hauptfigur angeschlossen. So lässt von Trier die schwarzen Protagonisten/innen einfach Menschen sein, wie sie in der Sklaverei heranwachsen, mit all ihren Unannehmlichkeiten und Makeln. Es ist immer wieder ein anregendes Kino-Erlebnis, dem eigenwilligen Dänen bei der unverblümten Verbreitung seiner Weltsicht zu folgen."

November 2005 | MANDERLAY • Kritik • filmz.de

Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.

10. Oktober 2005 | MANDERLAY • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Einen primär politisch-Moralischen Film sah Christoph Egger. "Können die so lange Unterdrückten gar nicht in ihrem eigenen Interesse handeln, weil sie es nie gelernt haben? Muss ihnen, zu ihrem eigenen Besten, das Glück verordnet werden - zur Not mit Gewalt durchgesetzt? Der Film stellt die Fragen, indem er sie in einprägsam schlichte, parabelhaft elementare Situationen fasst. Inszenatorisch weniger elaboriert, rund vierzig Minuten kürzer als DOGVILLE, besitzt er den Vorzug der eingängigeren Argumentation, der meist unmittelbar sinnfälligen Darstellung. ... Wirkten die Bilder aus dem Armenhaus Amerikas am Schluss von DOGVILLE inkongruent, so stehen diejenigen von Segregation, Gewalt und blutig niedergeschlagenem Protest hier auf stimmige Weise in Bezug zum Film."

19. Mai 2005 | MANDERLAY • Kritik • Die Zeit

Für Katja Nicodemus nimmt sich Lars von Trier auf komplizierte Weise die amerikanischen Mythen und Selbstbilder vor. "In Manderlay setzt von Trier die zeichenhafte, fast gänzlich auf Dekor verzichtende Theaterästhetik von Dogville fort. Wieder schwebt der Regisseur wie ein hohnlachender Gottvater über den stümperhaften Weltverbesserungsversuchen seiner Helden. Wieder führt er den Menschen als von egoistischen Impulsen und zerstörerischen Leidenschaften geleitetes Wesen vor. ... In seiner ideologischen Arroganz ist Manderlay ein ungerechter, zynischer Film, ein Pamphlet gegen den selbstgefälligen amerikanischen Demokratiebegriff."

17. Mai 2005 | MANDERLAY • Kritik • Berliner Zeitung

Schuld- und Gewaltfragen werden bei Lars von Trier für Anke Westphal ganz anders erörtert. "In der erneut theaterhaften Versuchsanordnung erörtert von Trier, wie sich Unterdrückung unendlich fortschreibt, weil sie sich in unendlich vielen Subsystemen potenziert: Ist sie - scheinbar - im politischen, ökonomischen, privaten Zusammenhang beseitigt, wird sie doch immer in einem anderen weiterexistieren. Schwarz und Weiß, Arm und Reich, Frau und Mann sind in der Gesellschaftstheorie des Lars von Trier unauflöslich verschränkt."

17. Mai 2005 | MANDERLAY • Kritik • Der Tagesspiegel

Für Jan Schulz-Ojala bleibt der Fundamentalpessimist Lars von Trier seinem postidealistischen Publikum nichts schuldig. "Aber wie es schief geht! Mit Bryce Dallas Howard als Grace, dem geradezu peinigend blassen Schatten von Nicole Kidman, die ursprünglich für die Trilogie verpflichtet war und vorletztes Jahr weise das Weite suchte; mit einer fahrig entwickelten Story, die ein allwissender Erzähler immer wieder geschwätzig überdröhnt; mit ein bisschen Sandsturm und ein bisschen Sex, mit lax improvisiert erscheinenden und ebenso disziplin- wie ruhelos abgefilmten Szenen."

17. Mai 2005 | MANDERLAY • Kritik • Frankfurter Rundschau

Von Triers Giftspritze verfehlt ihre Wirkung auch auf Daniel Kothenschulte nicht. "Besser als die USA, die er nie besucht hat, kennt Lars von Trier ein anderes Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Es liegt im Dunkeln der Kinosäle. Und in der vermuteten Leere in den tausend Köpfen, die sich schon einen Reim auf allen smarten Unsinn machen werden, den die hungrigen Augen so fressen. ... Anders als der bei aller Kritik bemerkenswert gut erzählte und vom Reiz seiner innovativen Form getragene DOGVILLE taugt MANDERLAY nicht als Diskussionsvorlage über das eigentümliche Gefüge aus angewandter Moraltheologie und politischer Ethik, nach dem Amerika so tickt. Die Geschichte, die hier noch einmal, wenn auch weit konventioneller, in der Anmutung Brecht'scher Lehrstücke erzählt wird, stammt aus dem selben Märchenreich, dem dieser Filmemacher einmal die Geister seiner früheren, viel besseren Filme entlockt hat."

17. Mai 2005 | MANDERLAY • Kritik • Der Spiegel

Für Andreas Borcholte ist der Regisseur "grandios scheitert. Leider dauert es fast fünf der acht Kapitel, bis der Film richtig in Fahrt kommt und seine ganze Bösartigkeit richtig entfaltet. ... Zu viel darf jedoch hier nicht verraten werden, sonst wird der spätere Genuss dieses bitter-sarkastischen Kammerspiels wirklich anstrengend. Fazit nach zwei Stunden und 19 Minuten jedenfalls: Die Sklaverei hat in Amerika immer noch nicht aufgehört, die Schwarzen werden noch genauso unterdrückt wie eh und je - und das Schlimmste ist, man kann noch nicht einmal etwas dagegen machen, weil der Fehler im Erbe der ganzen Nation begraben liegt. "

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