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MONDOVINO

MONDOVINO

Regie Jonathan Nossiter
Kinostart 28.04.2005

Kritiken • MONDOVINO

29. April 2005 | MONDOVINO • Kritik • Der Spiegel

Hier und da ist Werner Theurich diese opulente Argumentationshilfe etwas aufgestossen. "Nossiter - Filmemacher, Kameramann und Cutter in Personalunion - verführte sie alle zum Plaudern und hielt sich selbst im Interview zurück. Auswahl und Montage der Sequenzen zeigen jedoch eindeutig, wo seine Sympathien liegen. ... Was Nossiter gelingt, ist, dass sich alle ein wenig entblößen: Ob clevere kalifornische Wein-Schlaumeier herablassend über ihre mexikanischen Farmarbeiter schwadronieren oder italienische Winzer-Aristokraten dem Faschismus nachweinen. Im Wein liegt eben manchmal eine ganz bittere Wahrheit."

28. April 2005 | MONDOVINO • Kritik • Die Tageszeitung

Als heillos-chaotische Weinreportage bezeichnet Andreas Busche MONDOVINO. "In Cannes hat "Mondovino" im letzten Jahr bei der Kritik nur wenig Begeisterung ausgelöst, nicht zuletzt wegen Nossiters stark verkürzter Polemik. Trotzdem fällt es schwer, sich dem Charme dieses kruden Machwerks zu entziehen. Wie ein blutiger Anfänger folgt Nossiter den Spuren einer transglobalen Weinverschwörung, stapft in die Büros der Weinlobbyisten und irritiert den Zuschauer mit halsbrecherischen Reißschwenks im Kriegsreporterstil. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren: Nossiter, selbst ein Liebhaber guten europäischen Weines, befindet sich im Kriegszustand. Die Plansequenz ist seine gefährlichste Waffe."

28. April 2005 | MONDOVINO • Kritik • Frankfurter Rundschau

Der Film hat Sascha Westphal desillusioniert. "Nossiter ist sich seiner Nähe zu einem globalen Trend durchaus bewusst und nimmt sie sogar willentlich in Kauf. Durch sie erhält Mondovino einen doppelten Boden. Selbst wenn man den Zeichen der Zeit kritisch gegenüber steht und versucht, eigene Markierungen zu setzen, ist eine gewisse Komplizenschaft unvermeidlich. So wandert Nossiter auf vorgezeichneten Pfaden, ist aber immer auf der Suche nach Seitenwegen. Sein abschweifender Blick, der seinen Gesprächspartnern oft weniger Aufmerksamkeit widmet als deren Hunden oder auch dem Wetter, hat - anders als bei Moore - nichts Denunziatorisches, er zeugt vielmehr von einer überwältigenden Neugier. Nossiter gestattet sich die Freiheit, sich vor allem von seinen Impulsen leiten zu lassen, und bewahrt so selbst im Kontext einer globalisierten Ästhetik seine Individualität."

28. April 2005 | MONDOVINO • Kritik • Neues Deutschland

Ein spannendes Gesellschaftspanorama hat Marion Pietrzok gesehen. "Mit jedem Ortswechsel zeigt Nossiter neue Facetten im Funkeln des Weins, diesem besonderen Saft, den man sich einverleibt wie die Liebe, nicht nur, weil er durch den Magen geht. Immer mehr Dramatik bekommt der Film. ... Man lässt sich nicht beirren. Nossiter handhabt seine Digitalkamera teils recht verwegen wackelnd. Seine Haltung aber ist immer klar. ... Nossiter kommt - auch das macht den Film angenehm - immer ohne Didaktik aus, selbst Weinkenner genoss er offenbar Vertrauen bei seinen Gesprächspartnern und wusste klug nachzufragen. Manchmal kann der Zuschauer - die Augen schwelgen gerade in den herrlichen, strahlenden Landschaften - Gänsehaut bekommen. Die alte wie neue Philosophie: Es geht immer ums Geschäft."

28. April 2005 | MONDOVINO • Kritik • Die Zeit

Birgit Glombitza hat eine ungemein informative Reportage eines leidenschaftlichen Aufklärers gesehen. "Der Regisseur, selbst ein diplomierter Sommelier, erweist sich nicht nur als engagierter Verbraucherschützer, der hinter all den Ettiketten eine bloß vorgetäuschte Vielfalt und Exklusivität ausmacht. Nossiter ist einer großen Verschwörung auf der Spur. Einem Komplott, in dem das hoch geschätzte Genuss- und Kulturgut Wein auf ein profitables, aber seelenloses Massenprodukt heruntergewirtschaftet wird. ... MONDOVINO ist eine aufrichtig kulturpessimistische Recherche über die tragischen Effekte eines globalisierten Weinkulturimperialismus. ... Nur leider geht Mondovino bei seiner bienenfleißigen Recherche jede erzählerische Leichtigkeit ab. Zu viel hat Nossiter auf dem Zettel, zu viele Erzeuger und Mitmischer gibt es zu besuchen, zu viele Seilschaften und Verflechtungen zu erklären."

27. April 2005 | MONDOVINO • Kritik • Berliner Zeitung

Für Bert Rebhandl weiß der Regisseur, daß Filme besser funktionieren, wenn sie Helden und Schurken haben. "Die zentrale Frage ist für den Film dann auch unerreichbar: Die Ausbildung des Geschmacks, das Verständnis für die Nuancen von Wein, das Spiel auf der Zunge und im Abgang - dafür gibt es keine Kamera. Deswegen muss sich der Filmemacher da ganz darauf verlassen, was der Wein - über viele Lebensjahre genossen - aus den Menschen gemacht hat: Einen verschmitzten, eigensinnigen Patriarchen wie Hubert de Montille im Burgund, oder einen korrupten Berlusconisten wie den amerikanischen Fachjournalisten James Suckling vom 'Wine Spectator'."

27. April 2005 | MONDOVINO • Kritik • Der Tagesspiegel

Bernd Matthies findet die Dokumentation skurril. Der Film zeichnet "ein antimodernes, man könnte sagen: reaktionäres Zerrbild. Es besagt, dass ein Geheimbund kalifornischer Multis, verrückter Wissenschaftler, bestechlicher Journalisten und spätfaschistischer italienischer Adliger dabei sei, den (Rot-)Wein kaputt zu machen zum Nutzen des Profits. ... In MONDOVINO arbeitet [der Regisseur] ausschließlich mit Szenen und Originaltönen, die er mit einer hyperaktiv herumirrenden digitalen Handkamera eingefangen und auf eine Länge von immer noch über zwei Stunden zusammengeschnitten hat. Das ist hochinteressantes Material - ärgerlich wird es durch die Art der Montage. Nossiter kommentiert nicht selbst, lässt aber nie unklar, wo seine Sympathien liegen. Seine Weinwelt zerfällt in Helden und Schurken, wobei die Schurken unweigerlich in den USA sitzen."

27. April 2005 | MONDOVINO • Kritik • fluter.de

In dem Film spielt sich ein Krieg der Welten ab, meint Frank Geissler. "Weil Nossiter sich auch den Winzern in Italien, Argentinien und Brasilien widmet, dauert seine hochinteressante, in flimmernder DV-Optik gefilmte Weinenzyklopädie mit integrierter Globalisierungskritik weit über zwei Stunden - und damit reichlich lang für einen Dokumentarfilm. Mit Weinen kennt Nossiter sich zweifellos bestens aus, aber über die Kunst des Destillierens kann er noch einiges lernen."

27. April 2005 | MONDOVINO • Kritik • br-online.de

All das wollte Margret Köhler schon immer über Wein wissen. "In einer Art Familien-Hopping mit manchmal irritierend wackeliger Handkamera und einigen Längen trifft Nossiter die Granden des Geschäfts und stellt sie vor ... Nossiter betont zwar immer wieder die Funktion von Wein als Teil unserer Zivilisation und Genussmittel, zeigt aber auch die Zerstörung von Anbaugebieten, die Auseinandersetzung mit harten Bandagen um Qualität und Quantität, die quer durch alle Ebenen geht, vom einfachen Winzer bis hinauf zum Industrieboss. Da kämpft jeder gegen jeden, die Kleinen und Großen unter- und gegeneinander, herrscht "Dallas" bei den Dynastien."

21. April 2005 | MONDOVINO • Kritik • Die Zeit

Gero von Randow hatte nach einer halben Stunde das Verlangen nach einem schönen Wein. "Wer immer Freude am Wein hat und sich darüber hinaus für die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Bedingungen seines Entstehens interessiert, sollte sich den Streifen ansehen. ... Mondovino ist Agitation und verficht die These, dass die Globalisierung der Weinwelt ein Komplott amerikanischer Kapitalisten und Arrogantniks, skrupelloser weißbekittelter Wissenschaftler aus Frankreich, imperialistischer oder bestechlicher Weinkritiker sowie faschistenfreundlicher Adelsgeschlechter aus der Toskana sei. Ziel des Komplotts: Die Homogenisierung der Weinstile, optimiert auf schnelle Adelsgeschlechter aus der Toskana sei. ... So schön dieser Film, so plakativ ist seine Botschaft - und so manipulativ trägt er sie vor."

April 2005 | MONDOVINO • Kritik • filmz.de

Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.

April 2005 | MONDOVINO • Kritik • film-dienst 09/2005

Der Regisseur hat sich auf eine ausgedehnten Abenteuerreise durch die Welt des Weins begeben, meint Reinhard Lüke. "Dabei geht es zwar sehr explizit, über weite Strecken aber doch nur vordergründig um edlen Rebensaft. Vielmehr gestaltet sich der Disput zwischen alter und neuer Welt, Tradition und Moderne fast schon als eine Art Kultur- und Glaubenskrieg, wobei die Risse nahezu durch alle Weinbaugebiete der Welt verlaufen und selbst vor alteingesessenen Familien nicht halt machen. ... Jonathan Nossiter verkneift sich dazu eine explizite Stellungnahme, wie sein Film überhaupt ohne jeden Off-Kommentar auskommt. Ganz auf die schlichte Dramaturgie von Spieler und Gegenspieler vertrauend, lässt er seine Akteure ihre Sicht der Dinge darlegen. Dennoch ist klar, dass die Sympathien des Filmemachers den Winzern vom alten Schlag gehören."

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