| Regie | Southan Morris |
| Kinostart | 12.01.2006 |
In der Dokumentation erzählt George Michael, eines der berühmtesten Pop-Idole seiner Generation, die Geschichte seiner Karriere. Gezeigt wird auch der kleine Vorort nördlich von London, in dem er aufwuchs. Erstmals spricht er über seine Mutter, die ihn lange unterstützte und viel zu früh starb. George Michael kommentiert die Zeit und seine Auftritte mit Wham, und für viele Fans ist das Zusammentreffen mit seinem ehemaligen "Wham"-Partner Andrew Ridgeley, den George Michael seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat, der bewegendste Augenblick. Wer könnte seinen Auftritt beim Freddie Mercury Tribute Concert vergessen, bei dem er auf der Bühne stand, während sein an AIDS infizierter Freund Anselmo im Sterben lag. Und natürlich von dem Skandal 1999, als er wegen Exhibitionismus in einer öffentlichen Toilette in Los Angeles angeklagt wurde.
In einem Interview mit Katja Hofmann bekennt Pop-Star George Michael, naiv gewesen zu sein.
Die interessanten Fragen lässt der Film aus, ein Blick unter die Oberfläche gelingt ihm nicht, kritisiert Sebastian Frenzel. "Michaels ursprüngliche Entscheidung gegen die Proud-to-be-gay-Öffentlichkeit, die viele seiner Kollegen wählen und sein eher erzwungenes Coming-out - das wären interessante Themen gewesen, um wirklich eine "andere Geschichte" zu erzählen, doch der Film lässt sie ungenutzt. Auch sonst verläuft dieser Porträtfilm mitunter etwas sehr glatt, was daran liegen mag, dass die Idee zum Film von George Michael selbst kam und der Ausführende Produzent zugleich sein Manager ist."
Erklärungsansätze für die Orientierungslosigkeit und den Karriereknick liefert die Dokumentation laut Gunnar Mergner. "Ein Film, der alle Fans schon deswegen erfreuen dürfte, weil der Star selbst hier ohne spürbare Tabus seine eigene Geschichte kommentiert. ... Die Frage ist: Warum diese Lebensbeichte vor laufender Kamera? George Michael selbst lieferte die Idee für den Film. Da liegt die Vermutung nahe, dass hier ein Popstar, über den von Medienseite in den letzten Jahren kübelweise Spott und Häme ausgekippt wurden, auch einmal seine Sicht der Dinge darlegen will. So ist die Dokumentation denn auch angelegt."
Peter Unfried verabschiedet sich von George Michael. Der Film ist "ein Muss für Oberflächenkratzer. Markiert Michaels Abschied vom Pop. Da sieht man, dass neben dem Badboy-Quatsch und dem Schwulen auch Ironie ein Teil des Proll-Pakets Wham war."
Für Holger Kreitling preist sich der Popstar selbst. Die Dokumentation ist "eine Helden-Biographie, mehr noch, eine Hagiographie. ... Über weite Strecken des Films ist die Melodramatik des George Michael sehenswert, der im vollen Scheinwerferlicht nicht stehen mag, aber doch nur da sich ganz auszuleben scheint. In der Rückschau erscheinen die modischen Geschmacksverirrungen der achtziger Jahre als enorm dekuvrierend, Michaels jahrelange Rolle als heterosexuelles Glamour-Symbol ("I want your sex") wirkt einfach unglaubwürdig. ... Am Ende mündet der Film in eine Werbeveranstaltung für Michaels letztes Album "Patience" von 2004. Da verspielt "A different Story" seinen Kredit. So verschieden ist die Geschichte nicht: Pop muß verkauft werden."
Für Kai Müller bietet der Film Innenansichten einer männlichen Diva. "Michael kaufte den Machern das Material ab. Seine Geschichte könne von niemandem besser erzählt werden als von ihm selbst, befand er. Umso verwunderlicher ist, dass keine Heiligenlegende entstanden ist. Zwar orientiert sich das Porträt am genreüblichen Spannungsverlauf einer Künstlerexistenz. Darüber hinaus aber erzählt der Film vom Ende einer Ära. George Michael ist der letzte große Selfmademan des Pop. Er sagt: 'Pop ist ein schmutziges Wort geworden.'"
Besonders tief blickt der Film für Harald Fricke nicht. "Das ist die Routine von Popstars, die man sonst auf VH-1 oder MTV werbeblockhäppchenweise zu sehen kriegt. Morris hat eine ansehnliche Homestory mit inniger Eigenheimkaminfeuer-Atmosphäre geliefert, und Michaels Entenarsch sieht auch klasse aus."
In Zukunft werden wieder Michael George-Platten in Amerika gekauft werden, prophezeit Jens Balzer. Der Film rekonstruiert den künstlerischen Werdegang. "Tatsächlich ist A DIFFERENT STORY so etwas ein Nachruf zu Lebzeiten ... Zwei Aspekte sind an A DIFFERENT STORY besonders interessant. Zum einen, dass der Film weit weniger interessant ist als es die dazugehörige Pressekonferenz war. Zum anderen, dass er nach all den Vorwürfen des Anti-Amerikanismus, die George Michael anlässlich seiner Anti-Irak-Kriegs-Singles und -Videos gemacht wurden, in auffälliger Weise amerikanisch wirkt."
Matthias Oloew berichtet von der Pressekonferenz.
Eine konventionelle biografische Annäherung hat Kai Müller gesehen. "Freunde und Mitarbeiter kommen zu Wort, Elton John, Boy George oder Michaels Lebensgefährte Kenny Goss. Ein Mosaik aus Ansichten und Anekdoten, rasant montiert, streckenweise in Form einer Huldigung. ... Man lernt einen überraschend weltklugen Künstler kennen, der offen und uneitel über seine Homosexualität redet."
Daniel Haas hat die Dokumentation gefallen. Dem Regisseur ist "eine Dokumentation gelungen, die mit viel Humor und Tempo einen Pop-Mythos menschlich werden lässt, ohne seinen Glamour einzuebnen. George Michael tritt hier als gefallener und wieder auferstandener Engel der Popindustrie in Erscheinung, ein mehrfach tot gesagter Megastar, der als kreativer David gegen den Industrie-Goliath Sony kämpfte. ... [Der Film ab und an] unterbrochen von mal selbstironischen, mal ernsten Reflexionen eines Superstars, der seinen Ruhm erst mit den Jahren verkraften und verwalten gelernt hat."