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WILLENBROCK

WILLENBROCK

Regie Andreas Dresen
Kinostart 17.03.2005

Kritiken • WILLENBROCK

Juli 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Begründung der Jury zum Deutschen Kamerapreis

"Zwischenmenschliche Befindlichkeiten im Osten Deutschlands, eingefangen als nüchtern beobachtendes, emotional intensives Stimmungsbild in Cinemascope. Die konsequente Stilsetzung mit bleichen Farben und klar strukturierten Räumen sichert dem Film atmosphärische Erdung und verdichtet Milieu- und Charakterzeichnung zur einfühlsamen Beobachtung menschlicher Sehnsüchte und Abgründe."

19. März 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Die Tageszeitung

Für Dietrich Kuhlbrodt schlägt leider die Anstrengung durch, Kunst zu machen. "Der Film lähmt. Wir haben jetzt das 35-mm-Format, Cinemascope, und Michael Hammon, der sich als "Bildgestalter" versteht, an der Kamera. ... Wenn Autorenfilmer Andreas Dresen vorhatte, Heins WILLENBROCK für die Kinoreihe "Film und Literatur" zu konzipieren, ist das ja nichts Schlimmes. Auch nicht, dass alles im Film über die Dialoge läuft. Aber genau das funktioniert nicht. Das Wort wird theatralisch abgefeiert, und der souveräne Frauenheld hat Mühe, seine Schüchternheit zu verbergen. Weil das, was gesagt wird, platt ist, wird das Gestelzte peinlich. Hier hätte nur Dresens berühmte Ironie helfen können."

17. März 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Berliner Zeitung

Frank Junghänel schreibt ein Porträt über den Schauspieler Axel Prahl,

17. März 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Der Tagesspiegel

Zum Glück gibts Axel Prahl, er rettet für Christiane Peitz den Film. "Aufmerksam registriert Dresen, wie das gewaltsame Eindringen in die Privatzone, die Missachtung dieser so wichtigen Grenze, eine Existenz nachhaltig erschüttert. Leider bleibt Dresens Regie unentschieden. Was ähnlich wie sein ErfolgsLowbudgetfilm HALBE TREPPE als Sittengemälde vom verbrauchten Leben beginnt, als leicht ironische, aber solidarische Annäherung an den unspektakulären ostdeutschen Alltag, spitzt sich momentweise zum Krimi zu. Aber Dresen verdichtet die Szenen kaum, zeigt zu viele Schauplätze, zu viele Nebendarsteller. Tumbe Polizisten, ignorante Nachbarn, bisschen Studentenmilieu, bisschen Russenmafia. Und der Osten ist einmal mehr gesichtsloses Neuland."

17. März 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Frankfurter Rundschau

Der Film übertrifft die literarische Vorlage noch an Lebendigkeit und flirrender Ironie, lobt Heike Kühn. "Was begonnen hat wie eine heitere Farce, endet als bitteres Gleichnis. Es gibt keine Rechtssicherheit, es gibt keine Regeln, die den Westen vor dem Hunger des Ostens schützen. Mit Willenbrock ist Andreas Dresen ein Film gelungen, der die kapitalistische Ökonomie der Liebe mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Weltordnung verklammert. Wenn Willenbrock sich betrügerisch Sex und Wohlstand ergaunert, denkt sich der Westen das als Erfolgsmodell. ... Bislang überwogen in Andreas Dresens Filmen Mitleid mit den Verlierern und Ausgegrenzten, Hoffnung auf die anarchischen Reserven ihrer Phantasie, Bewunderung für ihre Überlebenskünste. Nun stellt sich die Frage nach dem Sein und Haben schärfer und bedrohlicher."

17. März 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Neues Deutschland

Für Gunnar Decker "wird WILLENBROCK zum Befund über den Nachwende-Osten, ein Zeitstück als Sittenbild. Das ist gut. Gleichzeitig aber wird hier auch Dresens Wille zur großen Literaturverfilmung allzu deutlich, das ist nicht so gut. Denn es nimmt WILLENBROCK etwas von jener Unberechenbarkeit, jener grobkörnigen Bildkraft, die seine vorigen Filme so ansehenswert machte. Hier wird eine fertige Geschichte (das furchtbare Wort vom Plot steht im Raum!) abgefilmt, der Film bebildert Handlung - und das ist mir von Dresen einfach zu wenig. Um nicht missverstanden zu werden: WILLENBROCK ist ansehenswert, aber bleibt filmisch im konventionellen Rahmen und damit unter den Möglichkeiten Dresens."

17. März 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Junge Welt

Jürgen Karl Klauß faßt zusammen, was Andreas Dresen kann: "fein beobachten, Nebensächliches urplötzlich zum Dringlichsten, Feinheiten zu Komplexitäten werden lassen, sicher Geglaubtes in größte Untiefen stürzen, und alles mit dem Charme der Mitmenschlichkeit." Diesmal ist es anders: "Filmische Einfälle hatte er keine, aber auch in punkto schauspielerischer Inszenierungen blieb er hinter sich selbst zurück. »Willenbrock« hätte bei der Entwicklung von Filmen den Auftakt machen können, die nicht spekulativ, nicht aus dem BMW-Cabrio gedreht, sondern dem Realismus verpflichtet sind. Die Voraussetzungen waren gegeben, sie wurden verschenkt. Alles mißt sich an den Möglichkeiten."

17. März 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Die Zeit

Als ungemein präzise Charakterstudie bezeichnet Birgit Glombitza WILLENBROCK. Hier entstehen "die für Dresen so typischen Momente großer Unmittelbarkeit, aus denen er seine tragikomischen Funken schlagen kann. ... Der Kameramann Michael Hammon beweist im Nebenbei ein glücklicheres Händchen. Melancholisch misst er die quadrierte Natur der Vorgärten ab, fotografiert die trostlos im Nieselwetter baumelnden Wimpel über dem Autohof fotografiert und lässt die Elbe schwarz und leblos durchs Bild ziehen. Wunderbar subtile Erschütterungen holt die Kamera ins Bild, wenn sie schließlich kaum merklich das Stativ ablegt und für eine leise Unruhe sorgt, die Willenbrocks hochgetunter Existenz zentimeterweise den Boden wegzieht."

16. März 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Berliner Zeitung

Für Christina Bylow ist Andreas Dresen in der Inszenierung von Beziehungen und ihren Zerfallsstadien er einer der besten deutschen Regisseure. "Dresen wollte neue Wege gehen mit WILLENBROCK. Cinemascope-Format, satte Ausstattung, ein ausgeschriebenes Drehbuch ohne Improvisation. Es wäre unangemessen, ihm vorzuwerfen, er hätte für bessere Voraussetzungen seine Seele verkauft. Er hat sie ein wenig abgeschliffen dafür - im Dienst einer Geschmeidigkeit, die vermutlich den produzierenden Fernsehsendern geschuldet ist ... Es wäre aufregend gewesen, Willenbrock beim Zerfall seines Bausatz-Lebens zuzusehen. Doch Andreas Dresen geht dafür zu behäbig und zu vorsichtig ans Werk. Er kann nicht anders, als seinen Helden lieben. Er zeigt ihn als zärtlichen Liebhaber und raffinierten Verführer."

16. März 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Spiegel

Urs Jenny findet WILLENBROCK etwas zu brav, um richtig gut zu sein. "Dresen lässt seinen Geschichten gern etwas Holpriges, um nicht als glatt und elegant zu gelten, doch diesmal verzettelt er sich in Nebenumständlichkeiten und "literarischen" Randfiguren, die wie Zitate etwas verlegen daherkommen und sich wieder verdrücken. ... Doch wo es darum ginge, mit größerem Schwung den stets beutegierigen Frauen- und Kundenfänger Willenbrock über seine Mittelmäßigkeit hinaus auch in einer gewissen Mittelprächtigkeit auftrumpfen zu lassen, bleiben Dresen und sein treuer Lieblingsprotagonist Prahl so ernüchternd redlich, so bieder, als wollten sie diesen Kerl nur ja nicht attraktiver machen, als er nun einmal ist - und das tut ihm und dem Film nicht gut."

März 2005 | WILLENBROCK • Kritik • film-dienst 06/2005

Mit WILLENBROCK schreibt Andreas Dresen "seine Chronik der vereinigten Bundesrepublik aus ostdeutscher Perspektive fort", bemerkt Michael Kohler. "Man kann diese Art, auf die gesellschaftliche Metapher in der Midlife-Krise zu schielen, für vordergründig halten und doch eine Menge Wahrheit in ihr finden. Denn Dresens Ensemble ist nicht nur das politische Sprachrohr seines Regisseurs, sondern auch eine Ansammlung von Figuren aus Fleisch und Blut. Wie sein Held versucht Dresen dabei, nicht mehr zu scheinen als er ist: Der soziale Realismus steht seinen Schauspielern ins Gesicht geschrieben, aber es ist ein Realismus mit humoristischen Zügen. Ein wenig kommt Dresen damit natürlich dem ethnologischen Interesse entgegen, das der Westen immer noch für den Osten hegt. Doch auch das ist eine Einsicht dieses Films: Mit Bernd Willenbrock sind die neuen Länder wieder ein Stück näher an die alten herangerückt."

17. Februar 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Spiegel

Der karge Stil von HALBE TREPPE wird fortgesetzt, meint Daniel Haas. "Wieder spielt Axel Prahl den kleinen Mann, der in eine große Krise schlittert. Wieder wird dokumentarisch nüchtern eine bürgerliche Existenz so lange von Lebenslügen ausgehöhlt, bis sie zusammenbricht. ... Wenn Willenbrock am Ende alles verloren hat - Frau, Freundin, Geliebte - hat Dresen dem Besitzbürgertum die Quittung präsentiert. Schön ist sie nicht, diese Bilanz, rund eineinhalb Jahrzehnte nach der Wende."

16. Februar 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Der Tagesspiegel

Daß WILLENBROCK im Panorama gelandet ist, findet Jan Schulz-Ojala ganz okay. "Andreas Dresen hat das von Christoph Hein streng angelegte Psychogramm eines Aufsteigers, der die neuen Freiheiten des Kapitalismus genießt und bald am laxen Rechtsstaat zu verzweifeln beginnt, ordentlich berücksichtigt und doch sachte ins Heitere entsorgt. Dennoch krankt auch der Film, wenn man ihn seiner Unterhaltsamkeit entkleidet, am Ressentiment. Denn die Gesellschaft ist weder an allem schuld noch ist sie in der Lage, alles zu heilen: unsere eigene Blödheit am allerwenigsten."

16. Februar 2005 | WILLENBROCK • Kritik • Die Tageszeitung

Barbara Schweizerhof weist mehrfach daraufhin: Andreas Dresen ist Realist. "Die Filme von Andreas Dresen haben diesen besonderen Authentizitäts-Touch, ein Lokalkolorit im besten Sinne: Schwerin, Frankfurt (Oder), Ostberlin - selten sieht man Städte so konkret wie bei ihm. Mit den Figuren verhält es sich ähnlich: Herkunft, Familienstand, Beruf, Innenleben. Ohne dass es im Einzelnen ausgesprochen würde, wirken sie bis in die Nebenrollen hinein geradezu merkwürdig komplett. Man kann aus so viel Gegenwart und Realitätsnähe auf der Leinwand einen eigenen Genuss ziehen, manchmal ist es als Übermaß an Wirklichkeit ein bisschen lästig. Sie verleiht den Filmen jedenfalls eine charakteristische Schwerfälligkeit. Das alles ist auch bei WILLENBROCK wieder so."

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