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STADT ALS BEUTE

STADT ALS BEUTE

Regie Irene von Alberti
Miriam Dehne
Esther Gronenborn
Kinostart 23.06.2005

Kritiken • STADT ALS BEUTE

23. Juni 2005 | STADT ALS BEUTE • Kritik • Berliner Zeitung

STADT ALS BEUTE ist der jüngste und vielleicht auch letzte in einer kleinen Tradition von Berlin-Filmen, die dem Leben in dieser Stadt eine elegische Leichtigkeit abgewinnen wollten, schreibt Bert Rebhandl. Die Filmemacher "suchen den Einzelnen im Gewimmel, den Fußgänger in den Schluchten, den flüchtigen Gruß der Passantin. Die Totale als Gegenteil der Großaufnahme erst macht die Stadt wieder zum Abenteuerraum, und wenn Lizzy in Zeitlupe einen todschicken Modeladen betritt, dann gibt Miriam Dehne sogar eine kleine Ahnung davon, wohin sich das politische Aufbegehren verflüchtigt hat: in die Pose. Das Theater von René Pollesch radikalisiert die Pose, weil die Figuren sich an Texten abmühen, die ihnen viel zu groß sind. Die Filmemacherinnen in STADT ALS BEUTE aber machen Berlin wieder zum behaglichen Raum der Melancholie, in dem die Gesetze der Ökonomie, von denen Pollesch handelt, suspendiert sind."

23. Juni 2005 | STADT ALS BEUTE • Kritik • Die Tageszeitung

Die Form ist für die Bühne geschaffen und läßt sich so nicht auf einen Film übertragen, meint Madeleine Bernsdorff. "Doch wenn der Film STADT ALS BEUTE, der aus drei Episoden von drei Regisseurinnen um drei ProtagonistInnen zwischenzeitlich einen beeindruckenden "Backstage"-Plot zeigt, ist er noch am nächsten an diesen Fragen dran. Manchmal sprechen sich die Texte eher durch die Schauspielenden hindurch als umgekehrt. Auf verhaltene Weise geht es hier auch um das ästhetische Programm Polleschs: "Versuch gar nicht uns ein Gefühl unterzujubeln, du musst hier nicht zeigen, dass du das mit Emotionen füttern kannst." Das ist zu viel von dem ganzen Klimbim, Brimborium und zu wenig von "Was hat das mit dir zu tun?". "Gesteuerte Improvisation" nennt sich die Methode."

23. Juni 2005 | STADT ALS BEUTE • Kritik • Der Tagesspiegel

Laut Peter Laudenbach funktioniert der Film wie die Raubkopie einer Raubkopie. "Die schlampig aufgenommenen Theaterproben, Dauergequatsche im Volksbühnen-Prater, beweisen vor allem, dass Theaterproben für Außenstehende unendlich ermüdend sind. Die Härte, Wahrhaftigkeit und ungeschützte Brutalität, mit der Fassbinder (PORTRÄT EINER HEILIGEN HURE) oder Cassavetes (OPENING NIGHT) die Komplikationen der Kunstproduktion seziert haben, erreichen diese unbedarften Szenen nie. ... Bedient sich Pollesch für seine rasanten Textmontagen bei Architektur-Kritik und Soziologie, benutzen die Filmemacherinnen die Theaterproben als Hip-Accessoires, auf dass Polleschs Szene-Ruhm an ihren Episoden kleben bleibe. Jenseits des geschickt angesteuerten Image-Transfers bleibt die Verbindung zwischen Film und Polleschs Agit-Prop äußerst vage."

23. Juni 2005 | STADT ALS BEUTE • Kritik • Frankfurter Rundschau

Michael Kohler hat einen klassischen Omnibusfilm gesehen. "Ein wenig erstaunlich ist es schon, wie sehr sich die inhaltlich recht verschiedenen Geschichten stilistisch gleichen. Offenbar haben sich die Regisseurinnen stärker von der Theaterästhetik René Polleschs inspirieren lassen, als es für einen Backstage-Film notwendig gewesen wäre. Stadt als Beute ist eine Mixtur aus Selbsterfahrungskurs und Textarbeit, Großstadt-Pose und Hommage ans Theaterleben, wobei die Episoden weniger einen eigenen Rhythmus entwickeln als den der Pollesch-Stücke aufnehmen. Sie wirken wie die kleinen Zwischenspiele, die dieser in seine Inszenierungen einzubauen pflegt und in denen seine aus der Rolle fallenden Schauspieler für einige Augenblicke wie Menschendarsteller erscheinen - leicht derangiert zwar, aber immerhin."

23. Juni 2005 | STADT ALS BEUTE • Kritik • Frankfurter Rundschau

Volker Mazassek bescheinigt den Regisseurinnen, weise Entscheidungen getroffen zu haben. "In den hochenergetischen, schnellen Szenen erscheint die Stadt als Kampfplatz, in der jeder sich durchbeißen muss und Gefahr läuft, zur Beute zu werden - verschluckt in Berlin, das für nonkonforme Existenzen ein hartes Pflaster geworden ist. Inszenierung und Selbstinszenierung sind hier Überlebensstrategien. Aber auch Theaterhasser dürfen sich amüsieren - bei der Beobachtung, wie Schauspieler sich abmühen, seltsamen Texten Leben einzuhauchen."

22. Juni 2005 | STADT ALS BEUTE • Kritik • fluter.de

Ingrid Arnold hatte viel zu denken nach dem Film. "Die drei Regisseurinnen des Films aber setzen ganz unterschiedlich ihre unterhaltsamen Stories um: Irene von Alberti geht erst mal auf Nummer sicher, Miriam Dehne (99EURO-FILMS) bleibt ihrem Rotlicht-Faible treu und Esther Gronenborn (ALASKA.DE, 2000) sucht Sozialkritik im Authentischen. Normalerweise lässt Pollesch keine anderen Regisseure an seine Stücke. Vielleicht hat er diesmal eine Ausnahme gemacht, weil er wusste, dass die filmische Entführung in die reale Welt seinen abstrakten Texten nichts anhaben, sondern sie nur bereichern kann."

Juni 2005 | STADT ALS BEUTE • Kritik • filmz.de

Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.

Juni 2005 | STADT ALS BEUTE • Kritik • film-dienst 13/2005

Horst Peter Koll hat politisches Kino gesehen, aber kein agitierendes Thesenpapier, sondern eine höchst rhythmische, subtile und sogar humorvolle Städtetour. "STADT ALS BEUTE ist ein faszinierender, höchst anregender Low-Low-Budget-Film, der souverän mit seinen (monetär begrenzten) Mitteln und Möglichkeiten operiert und dabei wie aus einem Guss wirkt - trotz dreier unterschiedlicher Regisseurinnen, die einen sehr kreativen Weg gefunden haben, ihre Kräfte zu bündeln und auf diversen Ebenen spielerisch zu verknüpfen, wobei kaum der Eindruck des Episodischen entsteht. Flott und erstaunlich leicht ist bereits der Einstieg, der jede 'Angst' vor der Komplexität des Theatersujets nimmt und geschickt dessen Emotionalität erschließt."

15. Februar 2005 | STADT ALS BEUTE • Kritik • Berliner Zeitung

Doris Meierhenrich schätzt den Film als lakonischen, leicht volkshochschulhaften Versuch ein, das selbstreflexive Pollesch-Theater noch einmal zurück zu blenden auf seine Herkunft. Im Grunde wiederholen die drei Regisseurinnen "damit nur das, was das Theaterstück in jedem zweiten Satz fragt. Und die Kamera hängt an den Lippen des Regisseurs, als läge nur dort die Antwort. Sie findet aber nur das Offensichtliche, denn ihr fehlt der eigene Blick. Polleschs Theater ist Schnipselfeuerwerk, es will das Denken aufsprengen. Der Film aber liest brav diese Schnipsel auf und versucht sie in Reih und Glied zu bringen."

15. Februar 2005 | STADT ALS BEUTE • Kritik • Der Tagesspiegel

Christina Tilmann ist patriotisch: STADT ALS BEUTE hätte man nie in München drehen können. Was die drei Regisseurinnen "in Polleschs Stücken gefunden haben, ist ein Gefühl unserer Zeit. Ein Gefühl der Hilflosigkeit, der Verlorenheit. 'Es ist ein bisschen wie in einem Monopoly-Spiel, aber man bekommt die Schlossstraße nicht', meint Miriam Dehne. Nur einmal lässt der Film sich auf die glänzende Seite der Hauptstadt ein."

14. Februar 2005 | STADT ALS BEUTE • Kritik • Die Tageszeitung

Für Margareth Obexer umkreisen die drei Regisseurinnen das Thema, dass es ein Leben außerhalb künstlicher Reproduktions- und Verwertungszusammenhänge nicht gibt. Sie "spielen damit, scheren aus, gehen manchmal einen Schritt zurück, um es dann mithilfe einer geschickten Konstruktion zu vervielfältigen. ... Das Theater, das sich sonst als jenseitiger Reflexionsort über das Leben draußen darstellt, wird im Film selbst zu einem Glied in einer Kette von Verwertungszusammenhängen, vielmehr: zum Ausgangspunkt und Anfang einer unendlichen und vampiresken Abfolge von Verwertungen, die den Film als zusätzlichen Verwerter einschließt."

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