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DEAR WENDY

DEAR WENDY

Regie Thomas Vinterberg
Kinostart 06.10.2005

Kritiken • DEAR WENDY

07. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Die Tageszeitung

Streckenweise nimmt sich DEAR WENDY wie ein apokrypher Teil der Amerikatrilogie von Trier aus, meint Dietmar Kammerer. "Im Originaldrehbuch waren die "Dandies" erwachsene Mittdreißiger, Vinterberg verjüngte die Figuren zu Heranwachsenden, um den Film, wie er erklärt, "auf Augenhöhe und durch die Augen junger Menschen" emotional erlebbar zu machen. Vermutlich liegt es am Konflikt dieser beiden Perspektiven - von Triers mitleidloser Schachspielerblick von oben, Vinterbergs Einfühlungsversuche in die jugendliche Rebellion -, dass der Film lauter gute Karten besitzt, sich letzten Endes aber selbst dabei im Weg steht, wenn es darum geht, sie auszuspielen."

07. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Der Freitag

Für Barbara Schweizerhof ist der Film nicht das, was sie erwartet hat. "Dabei geht es in DEAR WENDY weniger um die uramerikanischen Konflikte des Rassismus und Waffenwahns, sondern mehr um das zarte Gleichgewicht von Schwäche und Stärke und wie das Eine in das Andere umschlagen kann. Und darum, dass es nicht nur die Gewalt ist, die Gewalt sät, sondern dass auch die Empfindsamkeit eine produktive Quelle von Gewalt sein kann. ... Wer DEAR WENDY als Satire auf den amerikanischen Waffenfetischismus sieht, ist wahrscheinlich schnell genervt von der Überdeutlichkeit der Parabel. Wer sich jedoch bei den Amerika-Klischees nicht aufhalten will, wird einen Film entdecken, der trotz Parabelhaftigkeit keine fertigen Antworten bietet und über das Strickmuster der "Gewaltspirale" hinausweist."

06. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Berliner Zeitung

Daniela Pogade fiel es schwer, an dem Film eine Haltung abzulesen. "Will diese Produktion also nicht ernsthaft einen Beitrag zur Diskussion um Waffengewalt und Selbstjustiz leisten, so mag sie ein großer Jux der großen Spaßmacher von Trier und Vinterberg sein, vielleicht sogar ein ironischer Abgesang auf das Projekt "Dogma 95". Die Regeln zu idolisieren und sie dann mit Macht über den Haufen zu werfen - ist es nicht das, was die Filmemacher in den letzten zehn Jahren getrieben haben? Wissen wie es geht, aber es nicht zu tun, macht uns stärker und besser: Nach diesem Grundsatz verfuhren Dogma-Filmer einst, wenn es um die Tricks ging, mit denen die filmische Illusion verfertigt wird."

06. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Frankfurter Rundschau

Der Film beweist Volker Mazassek, daß "man auch mit all den verpönten dramaturgischen und filmtechnischen Kniffen das erreicht, was als Idee "Dogma" zugrunde lag: Wahrhaftigkeit. ... Ein wenig krankt DEAR WENDY dann aber doch an der Zusammenarbeit der einstigen "Dogma"-Brüder. Das Drehbuch atmet den streng reduzierten Geist der Amerika-Trilogie von Triers, vielleicht hatte er das Thema mal als dritten Teil ins Auge gefasst. Vinterberg versuchte nach eigenem Bekunden, "gegen die stark stilisierte Geschichte zu arbeiten". Beides zusammen führt zu Schwankungen im Erzählton und angreifbaren Gewichtungen. Ein größerer Einblick in das Innenleben der Jugendlichen wäre zum Beispiel schön gewesen. Der Seele des Films hätte das gut getan."

06. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Frankfurter Rundschau

DEAR WENDY ist für Sascha Westphal mehr als nur ein Nebenprodukt der Arbeit an der Amerika-Trilogie Lars von Triers. Der Film "präsentiert sich als rauere, dreckigere und mit ihren Genre-Anklängen zugleich auch gefälligere Variation auf die in DOGVILLE und MANDERLAY aufgegriffenen Themen. ... Das Gleichnis gipfelt in einem brutalen Showdown voller stilistischer Spielereien, auf das wir, die dem Götzen Amerika verfallen sind, unseren Irrtum erkennen und reumütig auf den richtigen Weg zurückkehren. Nur geht in dem Kugelhagel nichts außer der Botschaft des Propheten von Trier unter. Der Moloch Amerika bleibt unberührt und hat nichts von seinem Reiz verloren."

06. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Der Tagesspiegel

Julian Hanich spricht mit Regisseur Thomas Vinterberg über den plötzlichen Erfolg, herbe Enttäuschungen - und die dänische Ironie.

06. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Der Tagesspiegel

Für Jan Schulz-Ojala stecken die DOGMA-Protagonisten im Thesenkino fest; der Kritiker nennt Thomas Vinterberg zudem einen ausführenden Regisseur. "Manches in DEAR WENDY ... ist gewiss satirisch gemeint. Nur: Ins Komische fügt sich das nicht, vom Tragischen ganz zu schweigen. Die Helden dieses Films sind bloß Spielfiguren, Marionetten einer schnell schockgefrorenen Idee. Doch es gibt Hoffnung für das Kino des Thomas Vinterberg, abseits von Klaustrophobie und Paranoia. Manchmal scheint, anders als zuletzt in Lars von Triers Hallen-Dramen, eine echte Sonne in DEAR WENDY."

06. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Neues Deutschland

Laut Alexandra Exter setzt sich der Regisseur zwischen alle Stühle. "DEAR WENDY, vom Amerika-Skeptiker von Trier als beißende Satire auf den aus Pionierzeiten herrührenden amerikanischen Waffen-Fetischismus gedacht, ist für Europäer viel zu milde ausgefallen, für ein amerikanisches Publikum aber ein schockierender Angriff auf traditionelle Werte, deren Hinterfragen auch ungezählte Straßenschießereien und Schulattentate à la Columbine später immer noch politisch unliebsam ist."

06. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Junge Welt

Johanna Scholz und Jochen Hung sind erbost, daß der Film erst an 18 Jahre freigegeben ist. "DEAR WENDY geht mit dem Thema Schußwaffen und deren Wirkung unendlich reflektierter um als Filme wie MATRIX - und der war ab 16 Jahren freigegeben. Vinterberg und von Trier feiern ihre Außenseiter. Aber nicht den Gebrauch von Feuerwaffen."

06. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Der Spiegel

Daniel Haas versteht die FSK und die Kritiker des Films nicht. Der Kritiker bringt eine neue Interpretation ins Spiel: Den Dandy als Statthalter der künstlerischen Existenz. "Sieht man sie als verwirrte Kids, die ihre Libido an Waffen heften, um sich schließlich in einer Bleiorgie zu entladen, so ist DEAR WENDY tatsächlich bestenfalls ein filmisch erhobener Zeigefinger, schlimmstenfalls eine plumpe Sanktionierung jugendlicher Gewalt. Was aber, wenn hier noch einmal der Dandy als Statthalter der künstlerischen Existenz ins Spiel gebracht wäre? Als Sonderling, der sich vom praktischen, gesellschaftlich akzeptierten Leben entfremdet? Denn das waren sie ja, die Oscar Wildes, Lord Byrons und Beau Brummels: Ästheten, die die Sachzwänge der bürgerlichen Welt mit aristokratischem Stilwillen parierten."

05. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Jungle World

Tim Stüttgen interviewt den Regisseur Thomas Vinterberg über das Jungsein, die Aggression und das Amerika-Bild in seinem neuen Film.

05. Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • fluter.de

Von Naturalismus und Dogma ist das alles weit entfernt ist dieser Film weit entfernt, meint Andreas Busche. "Die gestelzte Sprache der "Dandies", das überzogene Pathos, der Kulissen-artige Aufbau des Ortes, der lediglich um einen staubigen Straßenzug angelegt ist - alles verweist doppelt und dreifach auf die ausgestellte Künstlichkeit von Vinterbergs Inszenierung. ... Vinterberg hat die richtigen Bilder gefunden, um die Mär von der amerikanischen Waffen- und Angstkultur ins Hysterische zu brechen. Man sollte hier keine tieferen sozialkritischen Analysen erwarten. Den Amerika-Spötter gibt Vinterberg ebenso selbstverständlich, wie er später im grandiosen Showdown den Afficionado des "Bloody Sam" Peckinpah raushängen lässt. Diese Ambivalenz zieht sich auf allen Ebenen durch den Film."

Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • filmz.de

Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.

Oktober 2005 | DEAR WENDY • Kritik • br-online

Viel Ironie und schwarzen Humor hat Kirsten Liese wahrgenommen. "Gewiss nimmt DEAR WENDY wie Michael Moores Dokumentation BOWLING FOR COLUMBINE die amerikanische Gesellschaft in Bezug auf ihren Waffenwahn kritisch ins Visier. Überall herrscht Angst, jeder fühlt sich sicherer mit einem Colt in der Tasche, selbst Minderjährige. So stark wie jedoch Vinterberg die Faszination von 6 und 7mm-Kalibern herausstellt, ist fraglich, ob ein jugendliches Publikum die Erkenntnis dieses Films erreicht: dass Waffenliebe früher oder später immer in Gewalt mündet. Dabei spielt der Regisseur durchaus gekonnt mit dem Genre des Westerns, in dem landläufig alle Probleme mit der Flinte gelöst werden. Reizvoll auch die visuelle Gestaltung: Vinterberg arbeitet mit Zeitlupe, Standbildern, Fotos und Zeichnungen."

29. September 2005 | DEAR WENDY • Kritik • film-dienst 20/2005

So interessant und aufschlußreich, perfekt fotografiert der Film für Rolf-Ruediger Hamacher auch ist, leider scheitert der Regisseur "bereits in der Exposition bei der Charakterisierung der jungen Helden, denen er bis auf Jamie Bell wenig sozialen Hintergrund verleihen kann. Alle anderen Figuren werden schnell fallen gelassen oder tauchen allzu unvermittelt wieder auf, um dem Drehbuch einen (unglaubwürdigen) Vorwand zu liefern, eine Schießorgie vom Zaun zu brechen. Der Weg dahin mag zwar das Ziel der Inszenierung gewesen sein, doch dramaturgisch nachvollziehen lässt sich dies nicht. Genauso büßt der Film gegen Ende seine satirische Distanz zum Thema ein und erliegt im Gegenteil selbst der Faszination der Gewalt."

29. September 2005 | DEAR WENDY • Kritik • film-dienst 20/2005

Für Rolf-Ruediger Hamacher scheitert der Regisseur mit dieser doppelbödigen Satire auf den US-Waffenfetischismus "bereits in der Exposition bei der Charakterisierung der jungen Helden, denen er bis auf Jamie Bell wenig sozialen Hintergrund verleihen kann. Alle anderen Figuren werden schnell fallen gelassen oder tauchen allzu unvermittelt wieder auf, um dem Drehbuch einen (unglaubwürdigen) Vorwand zu liefern, eine Schießorgie vom Zaun zu brechen. Der Weg dahin mag zwar das Ziel der Inszenierung gewesen sein, doch dramaturgisch nachvollziehen lässt sich dies nicht. Genauso büßt der Film gegen Ende seine satirische Distanz zum Thema ein und erliegt im Gegenteil selbst der Faszination der Gewalt."

24. August 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Neue Züricher Nachrichten

Marli Feldvoss bezeichnet DEAR WENDY als filmische Amerika-Allegorie. "Auf den ersten Blick kommt einem das bunte Völkchen mit seinen Obsessionen wie eine Kopfgeburt Lars von Triers vor, erst nach und nach entfaltet sich die ganze metaphorische Tragweite der Geschichte. Wie in einem Spiegel werde hier vorgeführt, so Thomas Vinterberg, was es mit der hochgerüsteten westlichen Welt und ihren Friedensmissionen wirklich auf sich habe ... DEAR WENDY erweist sich als eine scharfsinnige politische Allegorie, die sich meilenweit von Vinterbergs moderner Orestie FESTEN und von der längst verabschiedeten DOGMA-Bewegung entfernt hat. DEAR WENDY setzt einerseits den Aufstand der Rechtlosen und Unterdrückten - der Unschuldigen eigentlich - mit ihrer ganzen faschistischen Verblendung und fundamentalistischen Radikalität in Szene."

14. Februar 2005 | DEAR WENDY • Kritik • Spiegel

Martin Wolf hält den Film für ein künstlerisches Ereignis. Er übertrifft alle bisher gezeigten Berlinale-Beiträge lässig: "durch unbändigen Gestaltungswillen und eine verstörende Kraft, die so gar nicht passen will zum gut gemeinten Erziehungskino à la MAN TO MAN, das das Festival in den ersten Tagen dominierte." Vinterberg und von Trier verdammen "den Waffenkult nicht von Anfang an; im Gegenteil: Sie zeigen sehr viel Sympathie für ihre jungen Helden, schwanken gekonnt zwischen Komödie und Tragödie hin und her - und treffen gerade deshalb ins Schwarze. Denn umso radikaler, subversiver wirkt der Schluss. Ohne zuviel zu verraten: Es ist nicht das, was man in Hollywood unter einem Happy End versteht."

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