| Regie | Thorsten Trimpop |
| Kinostart | 10.11.2005 |
Der Film lehrt Dietmar Kammerer, daß die Zeit nicht alle Wunden heilt. "Die statische Kamera und die isolierenden Einstellungen verstärken nur den Eindruck eines irreparablen Bruchs. Der Wunsch, die drei wieder zu vereinen, war eine Motivation für den Film, gibt der Regisseur Trimpop zu. Daran scheitert der Film. Aber dass es nicht reicht, Menschen, die einander verletzt haben, vor eine Kamera zu stellen, um eine tränenreiche Versöhnung zu erreichen, wie dies von so vielen Fernsehshows gerne behauptet wird, das stimmt auch irgendwie tröstlich."
Filmisch attraktiv ist einiges für Christian Hoffmann nicht, aber wirkungsvoll. "Regisseur Thorsten Trimpop sagt, er habe die Dreharbeiten mit der Hoffnung begonnen, dass die drei in irgendeiner Weise wieder zusammenfinden. Doch um das zu erreichen, hätte er wohl noch einen Schritt weiter gehen müssen. Zwar haben sie ihm in Einzelinterviews erzählt, was sie auseinander trieb: Misstrauen - gesät von der Stasi. Doch Trimpop bringt seine Helden/innen nicht dazu, sich gegenseitig mit ihren Verratsvorwürfen zu konfrontieren. Dabei gäbe vielleicht genau dies ihnen die Chance, die Nähe von einst zurückzugewinnen."
Weniger wäre hier mehr gewesen, schreibt Ralf Schenk. "Thorsten Trimpop belässt es freilich nicht beim Verknüpfen asketischer Gesprächsprotokolle, sondern bringt, ja zwingt seine Protagonisten in Situationen, die wirkungsvolle Gefühlsausbrüche garantieren. ... Der psychologische Erkenntnisgewinn solcher von der Regie forcierter emotionaler Momente ist allerdings gleich Null. Zur Analyse der komplizierten Beziehungsgeflechte dreier sichtlich aus der Bahn geworfener Menschen tragen sie jedenfalls nicht bei."
Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.
Der Film sucht Erinnerung und findet nur Schweigen, schreibt Dietrich Kuhlbrodt. "Der Versuch des Regisseurs, Schicksal zu spielen, zusammenzubringen, was zusammengehört, war wohl nichts. Aber in Schönheit scheitern, auch das muss der aufmerksame Rezipient bedenken. Und wir bemerken: den Willen zum rigorosen Stil. Die Kamera meidet Mobilität und übt den Fotoblick. Am Anfang sieht man in einer langen Einstellung drei Gesichter nebeneinander. Es wird Gelegenheit zur Einsicht gegeben, dass wir denen, die jeder auf seine Art beherrscht blicken, nicht näher kommen werden. Nichts lädt zur Identifikation ein. Das ist doch was. Also kann man die Probanden Probanden sein lassen und frei im Film herumgucken."
Die Ausgangssituation ist spannend für Claus Löser, aber der Regisseur verschenkt "jedoch fast sämtliches Potenzial, und das liegt vor allem an seiner Konzeptionslosigkeit. Manchmal genügt es eben nicht, auf die Eigendynamik von Entwicklungen zu bauen und lediglich zu beobachten oder Stimmungen einzufangen. ... Auch als dieser Film zum heiklen Punkt des offensichtlichen Verrats innerhalb des Trios kommt, bleibt die Fokussierung unscharf, verläuft das Thema auf merkwürdig beiläufige Weise im Sande. Durch den eher ungenauen denn lapidaren Inszenierungsstil der Dokumentation wirken die Protagonisten Suse, Matthias und Susanne am Ende seltsam verschwommen."
Ein allzu klarer Fall ist die für den Sauerländer Regisseur, schreibt Grit Lemke. "Die DDR-Vergangenheit samt Stasigeschichte sind ein Krebsgeschwür, das die drei krank gemacht hat. Chirurg Trimpop hat sein Skalpell dabei und seziert. Er treibt die Protagonisten-Patienten, sich zu erinnern, hilft nach mit Stasiakten, alten Briefen, indem er sie an die Orte von damals führt. Das ist legitim und nicht unüblich, aber eben wie jede Operation ekelhaft - und entwickelt dennoch einen perfiden Sog. Man kann sich der Geschichte nicht entziehen, und natürlich darf so etwas nicht vergessen werden. Aber sie entläßt einen so sprachlos und krank wie die Protagonisten."
Der Regisseur "zeichnet das Psychogramm einer zerbrochenen Liebe, einer verlorenen Freundschaft. Denn der eigentliche Bruch ist gar nicht das Weggehen, sondern dass die Weggeher schon vorher nicht mehr da sind. Sie leben längst in einer anderen Welt, zu der Suse nicht mehr gehört. Matthias, Susanne und Suse erinnern sich, jeder für sich. Es entsteht nicht nur die individuelle Geschichte dreier Menschen, denn so oder ähnlich geschah sie tausendfach."