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WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN

WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN

Regie Johann Feindt
Tamara Trampe
Kinostart 24.11.2005

Kritiken • WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN

02. Dezember 2005 | WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN • Kritik • Der Freitag

Explizit angesprochen wird der russische Militarismus nicht, schreibt Silvia Hallensleben. Stattdessen rollen die Filmemacher Johann Feindt und Tamara Trampe den Krieg von hinten auf. "Tamara Trampe und Johann Feindt haben beide eine eigene Beziehung zum Thema: Trampe wurde in der Ukraine geboren, ihre Eltern waren selbst Traumatisierte von den Kriegserfahrungen in Roter Armee und spanischem Bürgerkrieg. Johann Feindts Vater war als Nazi im Weltkrieg. Vielleicht auch wegen dieses Hintergrunds versuchen die Filmemacher, einfache Täter-Opfer-Zuschreibungen zu brechen, etwa, indem sie das Erzählkontinuum durch kurze eingeschnittene Sequenzen in die jeweilige persönliche Vergangenheit öffnen. Eine durchaus gelungene Methode, auch wenn manche dieser Montagen rhetorisch etwas überladen scheinen."

24. November 2005 | WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN • Kritik • Die Tageszeitung

Der Zuschauer wird Zeuge des Lebens nach dem Kriegseinsatz, schreibt Barbara Oertel. "Es ist ein besonderes Verdienst von Tamara Trampe, mit ihren einfühlsamen Fragen nicht nur den Protagonisten des Filmes, sondern einer ganzen Generation von in sinnlosen Kriegen verheizten Russen eine Stimme gegeben zu haben. Doch genauso wichtig, wie das, was gesagt wird, ist das, was nicht gesagt wird. Denn gerade das Schweigen, die Wortlosigkeit sind es, die deutlich machen, was ein Krieg aus und mit Menschen macht."

24. November 2005 | WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN • Kritik • Die Zeit

Für Barbara Lehmann sucht der Film nach Antworten, was wirklich in Tschetschenien geschieht. "Was ist Angst? Man kann es nicht mit Worten beschreiben, ist die Antwort. Zwei Jahre später sehen wir Kirill in einer Zelle, ein Vergewaltiger von Minderjährigen, ein Mörder. Was empfindet er? 'Ich weiß nicht', antwortet er. Noch eine Frage, und er wäre bereit zu reden. Doch die Filmemacher bohren nicht weiter. Sie haben sich aufgemacht, das Schweigen zu durchbrechen, aber sie landen wieder bei der Ausgangsfrage, im Teufelskreis der falschen Rücksichten und einer verlogenen Pietät. Diese Jungen sind Opfer, suggeriert uns der Film, doch das bleibt eine Behauptung, solange wir sie nicht als Täter erleben."

23. November 2005 | WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN • Kritik • fluter.de

Sascha Rettig beteuert, daß er über die genauen Umstände und Hintergründe dieses Krieges wenig erfahren hat. Die Regisseure verlieren darüber "kein Wort. Sie konzentrieren sich, und das ist eine Stärke und ein Schwachpunkt zugleich, ausschließlich auf die sehr persönlichen Porträts von Einzelschicksalen. Als Film über die Deformationen durch den Krieg und den verheerenden Umgang mit Kriegsheimkehrern schockiert WEISSE RABEN, der so schmerzhaft direkt mit den Opfern unter den Tätern und mit Bildern, Blicken und zertrümmerten Lebensläufen konfrontiert."

21. November 2005 | WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN • Kritik • Junge Welt

Die Dokumentation zeigt, wie es ist, sich nach einem Krieg wieder im Alltag zurechtzufinden, schreibt Cigdem Akyol. "Tamara Trampe meint, WEISSE RABEN sei 'kein politischer Film'. Auch das ist angesichts des Themas bemerkenswert naiv. Zugegeben, der Film enthält weder politische Kommentare noch Aussagen von Entscheidungsträgern. Brutale Kampfhandlungen blitzen auf, außerdem werden in loser Folge zerstörte Orte gezeigt, zum Beispiel das zerbombte Grosny, und eben 'weiße Raben'. Der Film anästhesiert den Zuschauer also mit schockierenden Bildern und Erzählungen, verfolgt dabei keinen analytischen Ansatz. Nur ist er deswegen noch lange nicht unpolitisch. Eindringlich vermittelt der Film die Schrecken des Krieges."

07. November 2005 | WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN • Kritik • Begründung der Jury zum 3sat-Dokumentarfilmpreis

"Der Krieg in Tschetschenien dauert schon mehr als neun Jahre. Über diesen Krieg wird in Russland nicht viel gesprochen, er ist tabu. Aber in diesem Schweigen bricht er mit Macht in das zivile Leben ein. WEISSE RABEN werden die Soldaten genannt, die als Veteranen aus Tschetschenien zurückkommen und als Verlierer mit ihren Erfahrungen allein gelassen werden. Von den inneren und äußeren Zerstörungen dieser Menschen und von den zerstörerischen Auswirkungen auf die russische Gesellschaft erzählen Tamara Trampe und Johann Feindt. Sie erzählen von den Müttern, deren zerstörte Söhne bei ihnen entsorgt werden. Sie erzählen von den Männern, die die Täter sind und nicht selten zugleich selbst zu Opfern ihrer Tat werden. In diesen komplexen Beziehungen von Schuld, Sühne und Verantwortung verweigern die Autoren den Zuschauern die einfache Zuordnung. WEISSE RABEN ist ein hochkonzentrierter und vielschichtiger Film, perfekt in Rhythmus und Montage und von einer Eindringlichkeit, die im Zuschauer noch lange nachwirken wird."

01. November 2005 | WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Kein Happyend. Nicht einmal so etwas wie Hoffnung, sah Christina Tilmann in diesem Film. "Die Heimkehrer werden vom Staat im Stich gelassen, allein der Fürsorge der hilflosen Eltern anvertraut. Dabei ist es keineswegs das schlimmste Schicksal, im Krieg verwundet oder verstümmelt worden zu sein."

November 2005 | WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN • Kritik • filmz.de

Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.

12. Februar 2005 | WEISSE RABEN - ALPTRAUM TSCHETSCHENIEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Als eine kluge Dokumentation bezeichnet Christiane Peitz den Film. "Die Kamera wahrt oft Distanz, lässt Raum für das Verstummen von Kiril, das Verlassensein von Petja, für die Erinnerungen der Lazarettschwester Katja. Eine Filmsprache der Irritation, des Zögerns, der Skrupel. Mit behutsamen Fragen aus dem Off markieren die Filmemacher den eigenen, prekären Standpunkt. ... Erst nach einer guten halben Stunde folgen Videoaufnahmen von einer 'Säuberung'. Nackte, halbtote Menschen fallen aus einem Lastwagen. Geiseln auf einem Feld, zwei junge Frauen, die die Hände hinter dem Kopf verschränken müssen. Danach ist es unerträglich schwer, für einen wie Kiril weiter Mitgefühl aufzubringen. Die Kamera wendet sich nicht ab. Aber das Zögern ist deutlicher, der Zwischenraum spürbar größer."

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