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DAS GOEBBELS EXPERIMENT

DAS GOEBBELS EXPERIMENT

Regie Lutz Hachmeister
Kinostart 14.04.2005

Kritiken • DAS GOEBBELS EXPERIMENT

15. Mai 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Der Freitag

Matthias Dell fragt sich, worin das Experimentelle dieser Unternehmung besteht. "EXPERIMENT bezieht sich also einzig auf die kommentarlose - wiewohl durch die unpathetische, nüchterne Lesart Samels gebrochene - Selbstdarstellung Goebbels, und erweist sich so als Schutzbehauptung. ...Das Tempo der Erzählung, die um Pathos zu vermeiden sich dem strengen Takt einer Chronik unterwirft, gestattet dem Betrachter wenig Besinnung, dem - wenn er etwas Kenntnis von der Geschichte des Nationalsozialismus besitzt - überdies wenig Neues erzählt wird. Bemerkenswert sind deshalb vor allem die unbekannteren Szenen, in denen Goebbels nicht inszeniert erscheint."

19. April 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Der Spiegel

Für Wiebke Brauer ist Hachmeisters Film "ein subtiles Psychogramm: Je mehr es menschelt, desto deutlicher schiebt sich der Gedanke in den Vordergrund, dass es keines Monsters bedarf, um ein Nazi zu werden - ein Minderwertigkeitskomplex reicht vollkommen. Insofern erfüllt sich der unsichtbare Auftrag des mit 108 Minuten leider recht länglichen Films."

16. April 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Die Tageszeitung

Für Dietmar Kammerer setzt der Regisseur voll auf den Schock der privaten Begegnung. "Die Figur, die der Film nachzeichnet, ist ganz Goebbels, der Privatmann: kaum ein Wort zu Politik, Kriegsverlauf oder internen Streitigkeiten, etwa seinem Verhältnis zu seinem Mentor Georg Strasser und dem Kampf zwischen "linkem" und "rechtem" Flügel der Nazi-Partei. Stattdessen Goebbels in Venedig, Prag und Paris, auf Urlaub an der Ostsee, auf seinem Gutshof mit Frau und Kindern. ... Wozu auf einmal so viel Nähe? Offenbar erfüllen die aktuellen Dokumentationen ein dringendes Bedürfnis nach Unmittelbarkeit: Nazi-Zeit zum Anfassen."

14. April 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte spricht es aus: Wenn aus größeren Quellen zitiert wird, steckt der Teufel im fehlenden Kontext. "Der Umgang mit dem Filmmaterial, für den Hachmeister den führenden Bildbeschaffer entsprechender Fernsehdokus, den Spiegel-TV-Autor Michael Kloft, gewann (Das Dritte Reich in Farbe, Der Kalte Krieg in Farbe), gibt sich gleich vom ersten Bild an ahistorisch. Das ursprüngliche Bildformat von 4:3 wurde durchweg auf das Fernsehbreitbild 16:9 beschnitten. Damit geht nicht nur rechnerisch ein großer Teil der Bildinformation verloren; das Ausgangsmaterial verändert seinen Ausdruck radikal. ... Hachmeister und Kloft geht es in Das Goebbels-Experiment um die reine Illustration. Auch wenn sie auf einen zusätzlichen Kommentar verzichten, messen sie der Bildebene keine größere Bedeutung bei als eine durchschnittliche Fernsehreportage."

14. April 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Neues Deutschland

Für Caroline M. Buck ist die Konzentration auf die Goebbels-Tagebücher das Problem. Was der Kommentar ist, "wird stets von Aufmerksamkeit heischenden laufenden Bildern begleitet - Bildern übrigens, deren Qualität durch die Bank zu wünschen übrig lässt. Wer Archivaufnahmen zur Bearbeitung durch verschiedene Medien schleust, auf Video transferiert, digitalisiert und zurück, und am Ende ein kinotaugliches Ergebnis erwartet, sollte sich von den schlierigen, körnigen, kontrastarmen Bildern dieses Films eines Besseren belehren lassen."

14. April 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Die Zeit

Thomas Assheuer sieht das Problem des subjektiven Verfahrens des Films: Was nicht in den Tagebüchern steht, kann auch nicht im Film vorkommen - die betrifft unter anderem die Verfolgung der Juden. "Was immer man gegen das filmische Verfahren von Hachmeister und Kloft vorbringen mag, vor allem gegen die Reduzierung ihrer Perspektive auf das demagogische Ich: In der aktuellen Diskussion um Götz Alys Buch zeigt das Goebbels-Experiment, dass das deutsche Volk nicht erst durch soziale Wohltaten bestochen werden musste. Jene, die seinen Parolen zujubelten, waren längst moralisch korrumpiert, und zwar weit vor 1933."

13. April 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Berliner Zeitung

Bemerkenswert nennt Anke Westphal die Dokumentation. "Ein Experiment ist ein Versuch; Hachmeister experimentiert hier mit einer dramaturgischen Form, aus der heraus sich sein filmischer Gegenstand selbst kommentieren soll, ohne pädagogische Beigabe ... Lutz Hachmeisters Film ist zunächst eine Inszenierung über das Herstellen einer Inszenierung; der Film protegiert weder Einfühlung noch weckt er Verständnis. Die Regie bricht noch die zweifache Durchinszenierung mehrfach kontrapunktisch: Auf welche Art Goebbels vermittelt hat zwischen seinen Depressionen und der lärmenden Siegesgewissheit, die hier etwa in Ausschnitten aus Wochenschauen erfahrbar wird - das weiß man auch ohne diesen Film, aber darum geht es nicht. Jedenfalls nicht nur. DAS GOEBBELS EXPERIMENT ist eindrucksvoll in der Art, wie das Ideologische aus der privaten Person heraus entwickelt wird."

13. April 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • fluter.de

Die Demontage eines Demagogen ist laut Christian Hoffmann gelungen. "Mit ihrem Filmporträt wagen die Autoren Lutz Hachmeister und Michael Kloft in der Tat ein Experiment. Sie nähern sich dem "Meister der Manipulation" nicht wie heute üblich mit einer Mischung aus dokumentarischem Filmmaterial, Experten- und Zeitzeugeninterviews. Stattdessen kombinieren sie Archivmaterial und neu gedrehte Schauplatzaufnahmen mit Auszügen aus seinen Tagebüchern, gelesen von dem Schauspieler Udo Samel. Auf einen wertenden Kommentar verzichten sie bewusst. Sie wollen ihrem Publikum nicht vorschreiben, was es zu denken hat. Doch durch Montage und Musikeinsatz verhindern sie, dass die NS-Propagandabilder ihre verführerische Kraft entfalten können."

13. April 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • br-online.de

Als wahrhaft gelungenes Experiment bezeichnet Andrea Mirbeth die Dokumentation. "Hachmeister und Kloft haben aus Archiven weltweit historisches Material herangezogen, mit Bedacht ausgewählt und es geschafft, eine zweite Ebene zwischen Bild und Kommentar einzuziehen. Im Kopf des Zuschauers beginnt ein zweiter Film, mit dem Wissen um das Ende, mit dem Wissen, wie verräterisch bigott Goebbels Notizen im Nachhinein anmuten."

April 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • filmz.de

Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.

April 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • film-dienst 08/2005

Claus Löser sagt es unumwunden: Akribie kann mangelnde Intention nur bedingt kompensieren. "Tatsächlich ist den Autoren nichts anderes eingefallen, als sich chronologisch an den Aufzeichnungen entlang zu hangeln und diesen prägnante Filmaufnahmen zuzuordnen. ... Insgesamt bleibt das primäre Gestaltungsprinzip des Films ein rein illustratives, das mit dem im Titel behaupteten Experiment nichts zu tun hat. Die sonore Stimme des Schauspielers Udo Samel und vor allem die unentwegt raunende und grummelnde Musik torpedieren das behauptete Wagnis. Nur selten stellen sich assoziative Freiräume ein. Text und Bild transportieren oft identische Botschaften, löschen sich inhaltlich damit fast aus."

April 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • epd-film 04/2005

Die Figur Goebbels wird radikal entmystifiziert, behauptet Manfred Riepe. "Anders als in konventionellen TV-Dokumentationen verzichten Hachmeister und Kloft auf didaktische Off-Kommentierungen, Zeitzeugen-Befragung und die üblichen Experten-Interviews. Durch diese strenge formale Beschränkung auf Goebbels' Texte, die allerdings auch im Unterschied zu Romuald Karmakars Himmler-Projekt durch Archiv- und einige neu gedrehte Schauplatzaufnahmen illustriert werden, blickt der Zuschauer gewissermaßen durch die Augen des Propagandaministers: ein GOEBBELS EXPERIMENT. ... Hachmeister und Kloft gelingt so eine virtuelle Rekonstruktion von Goebbels' Weltsicht, die Sichtbarmachung seines spießig-martialischen Innenlebens."

25. Februar 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Der Tagesspiegel

Christiane Peitz fragt Lutz Hachmeister, den Regisseur von DAS GOEBBELS EXPERIMENT, warum so gerne Filme über die NS-Zeit angeschaut werden.

17. Februar 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Berliner Zeitung

Für Detlef Friedrich war Goebbels ein moderner Politiker. "Der Schauspieler Udo Samel liest die Eintragungen des Selbstmitleids und der Aggressivität. Er lässt sie in sachlicher Distanz stehen. Das ist auch der Grundton des Dokumentarfilms ... Es gibt nicht wenige unbekannte oder kaum bekannte Aufnahmen. Sie kommen aus vielen Quellen, der Text nur aus der einen, von Goebbels. Das ist das Wagnis des Films, und dass es gewagt werden konnte und gelungen ist, setzt die Entwicklung der Zuschaukunst voraus, wie Brecht das nannte. Es interessiert die Macher auch, und das mag verwegener klingen, als es ist, die Frage nach dem Goebbels in uns."

17. Februar 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Die Tageszeitung

Das Projekt ist gescheitert, sagt Stefan Reinecke unumwunden. "Irritierend ist bei Hachmeister nicht, dass wir einem Nazi auf Augenhöhe begegnen. Ärgerlich, ja anstößig ist, dass diese Begegnung so gefällig ist. Die Bilder sind in raschem Wechsel montiert, es gibt kaum Pausen, im Hintergrund plätschert Musik, die für Gefühlsrauschen sorgt und sich kaum von den Produktionen aus der Knopp-Fabrik unterscheidet. ... In den Fokus rückt hier, bedingt durch die Form der Chronik, dass Goebbels nicht als Nazi geboren wurde. ... Doch zu der Frage, wie aus dem Bildungsbürgerkind ein Massenmörder wurde, kommt der Film nicht. Hachmeister kann sie wegen seiner Blickbeschränkung auf Goebbels Perspektive, nicht stellen, geschweige denn beantworten. So bleibt alles Oberfläche."

17. Februar 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Frankfurter Rundschau

Laut Daniel Kothenschulte darf Goebbels "ein wenig Propaganda in eigener Sache betreiben. ... Anders als dem rekonstruierenden Dokudrama-Boom à la Sophie Scholl muss man seinem erfolgreichen Gegenstück im nonfiktionalen Fernsehgeschäft immerhin zu Gute halten, im Erschließen neuer Bildquellen wertvolle filmhistorische Archivarbeit zu leisten. Beiden Genres hingegen eigen ist, dass dabei das in die Jahre gekommene Wort der Aufarbeitung durch das noch hässlichere der Aufbereitung ersetzt wird. Die ursprünglichen Kontexte der Bilder zwischen Propaganda-, Privat- oder Vereinsfilm verschwinden für immer."

10. Februar 2005 | DAS GOEBBELS EXPERIMENT • Kritik • Die Zeit

Ärgerlich findet Thomas Assheuer den Ruf des Tabubruchs, der dem Film vorauseilt. Er hat keinen wahrgenommen. Der Film "ist authentisch, ebenso authentisch wie die Lügen von Goebbels. Von wenigen Hinweisen abgesehen, verzichtet er auf historische Erklärungen, erst recht auf moralische Wertung. Er löst den Redner aus dem politischen Kontext und riskiert den Eindruck, Goebbels sei eine mythische Figur und seine Karriere von fatalistischer Konsequenz. ... Hachmeisters Film fügt der Forschung keine neue Einsicht hinzu. Seine Personalisierung verstärkt eher die Ratlosigkeit darüber."

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