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U-CARMEN

U-CARMEN

Regie Mark Dornford-May
Kinostart 22.12.2005

Kritiken • U-CARMEN

24. Dezember 2005 | U-CARMEN • Kritik • Der Spiegel

Kaum mehr als eine unbeholfene Improvisation über ein berühmtes Thema ist dieses Musikdrama für Bert Rebhandl. "U-CARMEN hat also zwei Ebenen. Eine ist sehr konventionell und basiert auf den Melodien, die orthodox intoniert und visuell verfremdet werden. ... Die zweite Ebene betrifft den Alltag in Kayelitsha, von dem im Hintergrund eine Menge zu sehen ist. ... [Es wäre besser gewesen], Bizets Carmen noch stärker an diesen Ort zu binden. Das hätte wohl bedeutet, auch die bekannten Melodien aufzugeben oder zumindest rhythmisch zu verfremden. So aber ist der Film am Ende nicht mehr als eine typische europäische Kulturexpedition, bei der sich ein Regisseur, der am britischen Sprechtheater geschult ist, einmal auf unbekanntes Terrain vorwagt, sich dort aber zur Sicherheit die bekannten Ohrwürmer vorpfeift."

22. Dezember 2005 | U-CARMEN • Kritik • Berliner Zeitung

Dreckig und stark nennt Peter Uehling diese Carmen-Version. "Hat man in der Oper den Eindruck, es ginge nur um Leidenschaften, so bringt Dornford-May eine genaue Beobachtung der Milieus ein und gibt der Geschichte damit einen ungleich differenzierteren Verlauf. Bizets gekürzte und mit südafrikanischen Gesängen hier und da unterbrochene Musik, gesungen in Xhosa, wirkt dabei mal als irritierende Gegenkultur zu den Bildern, mal scheinen die Bilder in ihrer Drastik erstmals zu illustrieren, was die Musik meint. ... In solchen Momenten, und sie sind nicht selten, hat der Film eine optische Kraft, die selbst dieser Musik die Wirkung streitig macht. Zudem verfügt der Film über beeindruckende Gesichter."

22. Dezember 2005 | U-CARMEN • Kritik • Die Tageszeitung

Übersetzung und Kulturtransfer konnten tatsächlich die Oper entstauben behauptet Dorothee Wenner. "So wie insgesamt diese südafrikanische "Carmen"-Version von Übersetzungsleistungen auf allen Ebenen lebt: Von der Stierkampfmetaphorik, die zu einem rituellen Schlachtfest mit anschließender Grillparty geworden ist, bis hin zu den "Schmugglern", die im Film sehr realistisch dargestellt werden, wie sie im Licht von Autoscheinwerfern Drogen mit Fischerbooten an den nächtlichen Strand bringen. Dieser Film ist der Beweis, dass selbst ungenießbar gewordene "Schinken" des europäischen Kulturerbes wiederbelebt werden können, wenn sich Künstler ans Werk machen, die Authentizität immer schon als eine dubiose Kategorie des etablierten Kulturbetriebs angesehen haben."

22. Dezember 2005 | U-CARMEN • Kritik • Frankfurter Rundschau

Natürlich entspricht diese Carmen-Adaption weder weder akustisch noch visuell dem europäischen Ideal, schreibt Michael Kohler. "Würde man die zwei Kinostunden von U-CARMEN mit geschlossenen Augen zubringen, man könnte das Spielfilmdebüt des gelernten Opernregisseurs Mark Dornford-May für gewagt halten. ... Dornford-May hält sich strikt an die bekannte Melange aus armen Verhältnissen und heißem Blut, weiblichen Schlichen und fatalem männlichen Ehrgefühl und verlängert die iberische Küstenlinie dabei auf die denkbar biederste Art bis zum Kap der guten Hoffnung: Mit der Verlegung in die Jetztzeit, so als genügte ein dokumentarischer Hintergrundanstrich, um den Stoff als Ganzes neu und zeitgemäß herauszuputzen."

22. Dezember 2005 | U-CARMEN • Kritik • Frankfurter Rundschau

Viele Besonderheiten hat Ulrike Rechel entdeckt. "Zum einen ist "U-CARMEN der erste Opernfilm, der je in einem afrikanischen Township spielte. Entsprechend suchte Dornford-May seine Darsteller in der Slum-Bevölkerung: Im Film singen denn auch einige, die nie gelernt haben, Noten zu lesen. Zudem ließ der Brite das Libretto in die Stammessprache Xhosa und Handlungselemente in die Gegenwart des größten Townships bei Kapstadt, Khayelitsha, übertragen. Nun gibt es Wellblechhütten statt andalusischer Winkelgassen, und aus Torero Escamillo ist ein berühmter Opernsänger namens Lulamile Nkomo geworden, der aus einem alten Fernseher die Hütten beschallt."

22. Dezember 2005 | U-CARMEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Furios findet Daniela Sannwald die Ouvertüre. "Alles durchaus ansehnlich und anhörbar. Nur: Warum? Weil der Regisseur ein Südafrika-Liebhaber ist und seiner Frau, der Carmen-Darstellerin Pauline Malefane, eine Hauptrolle schenken wollte? Weil er zu Recht stolz ist auf seine Theatergruppe Dimpho Di Kopane, die das Ensemble bildet und von ihm gegründet wurde? Weil die Oper im Milieu der kleinen Leute spielt und das so gut zum Township passte? Oder weil er gleich auf den Exoten-Bonus setzte? Der allein dürfte dem Film bei der Berlinale zum Entsetzen der Kritiker den Goldenen Bären beschert haben. Nur deshalb, so darf man annehmen, hat U-CARMEN es jetzt ins Kino geschafft."

21. Dezember 2005 | U-CARMEN • Kritik • fluter.de

Postkartenidylle will Cristina Moles Kaupp gesehen haben. "Die alte Geschichte um Liebe und Eifersucht, Hass und Rache, Gier und Wahn zwängt sich also in ein neues grelleres und farbigeres Kostüm. Gesprochen und gesungen wird in der Landessprache Xhosa, wo Vokale dominieren und die Worte zischen und knacken. Als Oper kommt "Carmen" also recht ungewöhnlich daher - getoppt mit Bildern aus den Slums der Townships, die viel zu viel quietschendes Postkartenidyll zeigen anstatt der realen Schmuddeltöne. Gelungen? Den Goldenen Bären gab's wohl eher wegen des Exotenbonus."

21. Dezember 2005 | U-CARMEN • Kritik • br-online.de

Margret Köhler ist begeistert: "Diese südafrikanische Carmen-Adaption verzichtet auf düster-glitzernde Femme Fatale-Zeichnungen, erweckt streckenweise gar den Eindruck des Dokumentarischen. Mark Dornford-Mays Mischung aus hässlicher Township-Wirklichkeit und den in Xhosa übersetzten Originaltexten entpuppt sich als bizarre, aber unterhaltende Kombination, in der geträllert, getanzt und geraucht wird bis zum Umfallen. ... Das tödliche Ende naht unaufhaltsam, dennoch trumpft die Tragödie mit Charme und Vitalität auf. Zwar verliert sich das Tempo zwischendurch und ziemliche Längen untergraben den Rhythmus, das sollte aber der unbekümmerten Kraft und dem Zusammenspiel von Exotik und Erotik nicht weiter schaden."

20. Dezember 2005 | U-CARMEN • Kritik • film-dienst 26/2005

Rolf-Ruediger Hamacher vermutet, daß Otto Premingers Verfilmung aus den 50ern hier Pate stand. "Der Film beginnt mit einer Zeitraffer-Tour durch das Township vor den Toren Kapstadts. Die Kamera bleibt mit einer Totalen stehen, und während Bizets Ouvertüre erklingt, registriert sie den Alltag in Khayelitsha. In dieser Sequenz zeigen sich die Qualitäten des vom Dokumentarfilm kommenden Kameramannes Giulio Biccari ... Doch mit dem Beginn der Spielhandlung zeigt sich doch auch die Unerfahrenheit der Filmemacher. Die Bilder sind konventionell kadriert, der Wechsel von Groß-, Halbnah- und Nah-Aufnahmen wird nur selten von Halbtotalen durchbrochen und erinnert eher an Fernsehinszenierungen als an großes Kino."

16. Februar 2005 | U-CARMEN • Kritik • Neues Deutschland

Opernhandlungen balancieren immer hart am Rande des Schwachsinns, schreibt Gunnar Decker, aber hier gelingt zugleich eine Innenansicht der Townships. "Gesungen wird in der Landessprache Xhosa - und was sich hier zwischen den Fabrikmädchen und den Polizisten abspielt, das ist von einer brutalen Kraft. Auch Kraftgebärde, denn die schwarzen Polizisten sind selbstherrliche Machos von üppiger Körperfülle. ... Der Geschlechterkampf ist auch ein Kampf um soziale Privilegien. Pauline Malefanes Carmen: üppig, fast schon matronenhaft, jedes ausgehungerte Modellschönheitsidealbild souverän beiseite schiebend."

14. Februar 2005 | U-CARMEN • Kritik • Berliner Zeitung

Nach diesem Film hat Carmen Böker wieder das Essen geschmeckt. Er ist "gewichtig besetzt: mit stets fröhlichen, äußerst dreckig lachenden, sehr, sehr runden Frauen und etwas zierlicheren, etwas weniger energischen Männern ... Dass, figurtechnisch bedingt, Streitigkeiten eher geruhsam betrieben werden und wie Teddybären-Tollereien wirken, das ist schon possierlich, zugegeben. Aber der Effekt ist zuletzt ein stärkerer, frischerer."

14. Februar 2005 | U-CARMEN • Kritik • Die Tageszeitung

Dietrich Kuhlbrodt schreit es heraus: Ein Ja zur Üppigkeit. Der Film bringt die ernste Sache Carmen mit Vergnügen und vielen Zigaretten zum Ende. "Den lieben langen Film hindurch Mordshüften, Superschenkel, Bäuche, jawohl, und dann die Riesenbrüste, die bei uns, an den Magerkörpern, nur als Implantat erscheinen können. Halten wir fest: Üppig sein ist total erotisch, wenn man sich so bewegen kann wie die Südafrikaner im Township, die Hüften schaukeln in mordsengen Jeans - nicht meinetwegen, sondern ihretwegen. Eine ernste Sache ist die Carmen-Tragödie gewiss, doch kann man das mit viel Spaß und Witz zu Ende bringen."

14. Februar 2005 | U-CARMEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Eine bemerkenswerte Polytonie hat Kerstin Decker wahrgenommen. "Zum ersten Mal hören wir eine Oper in Xhosa. Was für eine Opernsprache: Wenn Bizet Xhosa gekannt hätte, hätte er sie sicher auch genommen. Aber Slum- und Sprachwechsel machen noch keinen vollgültigen Film. Sagen wir es so: Unter den Opernverfilmungen belegt U-CARMEN EKHAYELITSHA einen vorderen Platz. Das ist wunderbar choreographiert von Mark Dornford-May. Trotzdem ist Opernhandlungen meist nicht zu helfen und auch dieser hier letztlich nicht, darum möchte man manchmal nur die Musik hören und die Augen schließen."

14. Februar 2005 | U-CARMEN • Kritik • Spiegel

Andreas Borcholte ist der Film ein wenig zu exotisch.

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