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DIE GRAUZONE

DIE GRAUZONE

Regie Tim Blake Nelson
Kinostart 27.01.2005

Kritiken • DIE GRAUZONE

02. Februar 2005 | DIE GRAUZONE • Kritik • Junge Welt

Alexander Reich begrüßt, daß sich der 60. Jahrestag der Befreiung des KZ in wenigstens diesem deutschen Kinostart niederschlug. "Von den fast unerträglichen Bedingungen der Auswertung des Stoff-Komplexes Auschwitz an den Kinokassen aber zeugt schon die Wahl seines historischen Ausschnitts. Beispielhaft ist der nicht. ... Im Rahmen des historisch Möglichen läßt sich das Pathos dieser Szenerie nicht übertreffen. An der äußersten Grenze seiner Fiktionalisierbarkeit ist der Stoffkomplex Auschwitz "großes Kino" geworden. Damit sind die Spuren der tatsächlichen, absolut nicht kinotauglichen Erinnerung fast verwischt. Insofern markiert DIE GRAUZONE wohl den aktuellen Stand des Vergessens."

27. Januar 2005 | DIE GRAUZONE • Kritik • Die Tageszeitung

Für Anke Leweke ist das Konzentrationslager offenbar "ein Schauplatz geworden, in dem sich das Kino mit aller Selbstverständlichkeit eingerichtet hat. ... emsig und manchmal auch im Videoclipformat reiht man die bekannten Signifikanten der Todesfabrik aneinander und produziert doch nur sinnentleerte Synopsen eines Schreckens, von dem nicht einmal eine Ahnung ins Bild gelangt. ... Nelsons Film überschreitet niemals die Grenze des Zumutbaren. Einmal hört ein Mitglied des Sonderkommandos die Todesschreie aus der Gaskammer. Diskret blendet der Film nach ein paar Sekunden ab."

27. Januar 2005 | DIE GRAUZONE • Kritik • Die Tageszeitung

Carolin Ströbele wundert sich, daß der Film so wenig Werbung im Vorfeld erhalten hat, obwohl er Dinge zeigt, die so noch nie zu sehen waren. "Es ist gespenstisch, wie Regisseur Tim Blake Nelson die mörderische Monotonie des Häftlingsdaseins einfängt. ... Er hat einen äußerst komplexen Film gedreht, der immer wieder bei der gleichen Frage anlangt: Kann man in einer unmoralischen Umgebung noch moralisch handeln? Was soll der junge Mann vom Sonderkommando etwa tun, wenn ihn einer der Deportierten fragt, ob sie alle getötet werden? Soll er ihn anlügen? Oder ihm die Wahrheit sagen und damit eine Massenpanik, den eigenen Tod sowie den seiner Mithäftlinge riskieren? Es gibt keine Antwort auf solche Fragen, und der Film versucht auch nicht, sie zu finden."

27. Januar 2005 | DIE GRAUZONE • Kritik • Der Tagesspiegel

Silvia Hallensleben lobt das Engagement des Regisseurs. Er verzichtet "auf die Inszenierungstricks des populären Kinos: Keine Liebesgeschichte im Krematorium, keine glücklichen Überlebenden, auch die Brahms-Arie am Ende wächst fast verstohlen und organisch aus dem Plot. Stattdessen viele mit Handkamera gedrehte Szenen im Halbdunkel, rötlich gerasterte Schattenbilder und ein Harvey Keitel, der mit leerem Blick den zynischen Oberscharführer gibt. Auf dem Weg in die Gaskammer bleibt die Kamera diskret auf dem Gesicht eines Aufpassers zurück: Die Todesschreie stehen stellvertretend für das Morden."

27. Januar 2005 | DIE GRAUZONE • Kritik • Frankfurter Rundschau

Der Regisseur liebäugelt nicht mit Hollywood, stellt Ulrike Rechel fest. "Man gewinnt den Eindruck, dass der Filmemacher dringend vermeiden will, das fürchterliche Geschehen zu verharmlosen oder sich einem emotionalen Blickwinkel darauf hinzugeben. Entsprechend karg sind die Bilder, die Nelson in stumpfes Graubraun taucht, weit davon entfernt, reale Schreckensorte auf der Leinwand zu beschönigen oder, als Kehrseite, eine Ästhetik des Horrors zu bedienen. Auch inhaltlich wird strenge Distanz zu den Protagonisten gewahrt, jede "Identifizierung" vermieden."

27. Januar 2005 | DIE GRAUZONE • Kritik • Neues Deutschland

Darf man über dieses Thema einen Spielfilm drehen?, fragt Gunnar Decker. "Tim Blake Nelson ist für seinen Mut zu bewundern, diesen Film gewagt zu haben. GRAUZONE schockiert mit seiner detaillierten Sicht auf die Menschen-Vernichtungsmaschinerie. Eine schwer erträgliche Vorstellung: Was wir kaum anzusehen vermögen, mussten Menschen tatsächlich erleiden. Nicht einmal, sondern tagtäglich als ein nie aufhörendes routiniertes Morden und Quälen. Uns das buchstäblich herzabdrückend fühlbar zu machen, ist die Qualität des Films."

26. Januar 2005 | DIE GRAUZONE • Kritik • Berliner Zeitung

Der Film verstört, meint Anke Westphal. "Zum einen, weil der Film entgegen den Thesen von der Unmöglichkeit einer Innensicht der Todesmaschinerie visuell so entsetzlich konkret ist (FSK ab 16 Jahre). Und weil er zum anderen die Opfer als erbitterte Überlebenskonkurrenten und - kurzzeitige - Profiteure der Vernichtungsfabrik zeigt." DIE GRAUZONE "fragt, wie weit der Mensch geht, um zu leben. Und der zeigt, dass man noch in der Gleichzeitigkeit von Gehorsam und Widerstand Mensch ist.

Januar 2005 | DIE GRAUZONE • Kritik • filmz.de

Infos, Links und Kommentare vorab bei filmz.de.

Januar 2005 | DIE GRAUZONE • Kritik • film-dienst 02/2005

Franz Everschor macht es sich bei der Kritik des Films nicht einfach. "Was der Film trotz aller Unzulänglichkeit des realistischen Konzepts in der Tat zu thematisieren versteht, ist die innere Zerrissenheit der Inhaftierten, die sich auf eine Zusammenarbeit mit dem teuflischen System eingelassen haben, und die geradezu perverse Manipulation, mit der Verzweiflung und Überlebenstrieb der Todgeweihten dem Funktionieren der Vernichtungsmaschinerie dienstbar gemacht wurden. Je länger er dauert und je vertrauter man mit den Figuren wird, umso mehr tritt der Konflikt, den alle beständig mit sich auszutragen haben, in den Mittelpunkt: die Vergegenwärtigung des inneren Feindes, der Menschen in einer entmenschten Situation zu Taten veranlassen kann, mit deren Belastung das Weiterleben kaum noch möglich erscheint."

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