| Regie | Kevin Spacey |
| Kinostart | 17.02.2005 |
Andreas Busche hat ein erfrischend krudes und obsessives Biopic gesehen. "Besser noch: Der Film ist ein grandioses Chaos, das sich den Konventionen des Genres, selbst denen der schamlosen Mythifizierung, in seiner heillosen Unfertigkeit entzieht. ... Spacey, der Bobby Darin mit mephistophelischer Überzeugungskraft spielt, interessiert sich in BEYOND THE SEA nicht so sehr für einen künstlerischen Bildungsroman. Darum ist sein Biopic alles andere als konventionell ausgefallen. Schon vor Jahren hatte Spacey sein Bobby-Darin-Projekt zum persönlichen Schlüsselwerk erklärt. Und die obsessive Natur dieser Projektion sorgt für unterhaltsame Verfremdungseffekte. Denn zentrales Motiv ist in BEYOND THE SEA die künstlerische Mimikry. Spacey will um jeden Preis mit der Figur Darin verschmelzen."
Die Story hält alles bereit, was Martin Hatzius von einem herzzerreißenden Kino-Ereignis erwartet. "Kevin Spacey ging es mit BEYOND THE SEA nicht um Faktentreue. ... Dokumentarisches und Spielfilmhaftes verschmelzen mit Show und vor allem - Musik. Nahezu bruchlos wird eine Wohnzimmerszene mit Klavier spielender Mutter und krankem Kind auf der Straße in Broadway-Manier als Big-Band-Nummer mit Ballett fortgesetzt. Auf schmalem Grat zwischen Genialität und Schnulzigkeit wandert Produzent und Regisseur Kevin Spacey nicht nur in dieser Sequenz. Als Hauptdarsteller, Tänzer und - Sänger hingegen überzeugt er vollauf."
Kevin Spacey beweist Daniel Kothenschulte, daß er singen kann. "Aufstiegsgeschichten erzählen sich leicht im Film, selbst diese, die eigentlich eine Ausbruchsgeschichte ist. Man fühlt sich als Zuschauer komfortabel von Song zu Song gereicht ... Vielleicht ist Darins schnelles, kurzes Leben ein wenig zu filmisch für einen Film. Doch sieht man, wie Taylor Hackfords Ray-Charles-Film RAY aus einer völlig schematisierten Lebensgeschichte ein ungleich mitreißenderes Drama zaubert, dann hätte einfach mehr herauskommen müssen. Spacey verspielt in Darins Leben vor unseren Augen, was umso tragischer ist, als man zu keinem Augenblick an der Aufrichtigkeit seiner Begeisterung zweifelt."
Christian Schröder hat ein aufwändig inszeniertes Film-Musical gesehen. "Filme, die von berühmten Menschen handeln, scheitern oft daran, dass sie vor ihrem Gegenstand in Ehrfurcht erstarren. Spacey setzt Darin ein Denkmal, aber er tut das mit einem Augenzwinkern. BEYOND THE SEA schwelgt in Nostalgie, er rekonstruiert eine Zeit, die ihre Verklemmtheit mit bonbonfarbenen Petticoats und grellbunten Zweireihern tarnte. ... Kevin Spacey, das ist die größte Überraschung des Films, kann singen. Sein samtiger Bariton erinnert mitunter an Dean Martin."
Martin Schwickert führt ein Interview mit dem Schauspieler.
Für Bert Rebhandl ist dies ein klassischer Bio-Pic mit Aufstieg und Fall und viel Zenit. "An BEYOND THE SEA stimmt gar nichts: Die Tanzeinlagen wirken ungelenk, aus der Verschränkung der Zeitebenen ergibt sich nichts, die popkulturellen Welten bleiben billige Kulisse. In der Interpretation durch Kevin Spacey ist Bobby Darin ein fanatischer Performer, der nur das Eine will: ein Mikrofon. Dass er um sein Leben singt, bleibt jedoch Behauptung. Angejahrte Stars spielen hier zum Teil schockierende Rollen: Bob Hoskins und Greta Scacchi ruinieren geradezu ihren Ruf. Das größte Problem ist aber Kevin Spaceys Makeup."
Für Diedrich Diedrichsen drehen Popfilme mächtig auf. "Aber die unsicher gespürte Notwendigkeit, Möglichkeit und Methoden eines solchen Biopics infrage zu stellen, adelt die folgende Aneinanderreihung von Innenaufnahmen aus dem Designmuseum mehr als Spaceys wackeres Bemühen, als Sänger aller von Bobby Darin berührten Genres zu glänzen. Von den auf kleine, lange im Voraus absehbare, rampensäuische Gratis-Pointen zugeschnittenen Dialogen ganz abgesehen. ... Spacey muss dieses entsetzliche, aber bezeichnende Showbiz-Schicksal natürlich als Ein-Mann-muss-tun-was-ein-Mann-tun-muss-Story heroisieren."