| Regie | David Mackenzie |
Für Daniela Pogade ist YOUNG ADAM ein eigentümlicher Solitär in der zeitgenössischen Filmproduktion. "Sein retroorientierter Stilwille hält auf Abstand - dann aber gibt er sich so drastisch, als fürchte er mehr als alles andere, das heutige Publikum zu verfehlen."
Die zahlreichen unverblümten Sexszenen machen YOUNG ADAM zu einem Film für Erwachsene, stellt Stefan Volk fest. Der Film vermittelt in erster Linie Atmosphäre. "Joes Charakter, seine Stimmungs- und Gefühlslage verdichten sich zu einer Tristesse, die äußerlich greifbar wird; auch weil die Schauspieler sie verinnerlicht haben. Ewan McGregor und Tilda Swinton treten so bedingungslos hinter ihre Rollen zurück, dass man darüber hinwegsehen mag, dass die Romanfiguren einmal mehr fürs Kino 'schöngecastet' wurden. Hypnotisch packend taucht YOUNG ADAM Sinnlosigkeit in Sinnlichkeit, um aus dem Mangel an Gefühl eine diffuse Sehnsucht erwachen zu lassen. Ein wunderschöner, trauriger, lyrischer Film, ein kleines Meisterstück."
Wer Ewan McGregor einmal hautnah erleben möchte, hat seinen Film gefunden, meint Caroline M. Buck. "Wer sich davon allerdings voyeuristische Freuden erwartet, wird sie kaum finden: Nicht um Erotik geht es hier, nicht einmal um Sex. Sondern um den moralischen Zerfall eines Mannes, der die Menschheit analysieren wollte und scheitert, weil sein Kontakt zu seinen Mitmenschen kaum fingertief geht."
Der Regisseur will gar nicht in die Mottenkiste greifen, konstatiert Philipp Bühler. "Satte Farben, komplexe Rückblenden, souveräne Close-ups von zupackenden Händen und zitternden Schenkeln: YOUNG ADAM ist ein lyrisch verrätselter, vor allem aber moderner Film, der mit dem angestaubten Look des britischen Nachkriegskinos nichts zu tun haben will. Er zitiert nur, und zwar quer durch die Filmgeschichte ... Dass die poetische Bootsfahrt dadurch in blanken Narzissmus ausartet, passt gewissermaßen zur Hauptfigur."
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