Der zuckerknirschende Film ist für Carmen Böker ein misslungener Ausflug von Colin Farrell ins Charakterfach. "Das Mitgefühl des Zuschauers hält sich erstens wegen zu großer Vorhersehbarkeit in Grenzen - und zweitens deshalb, weil jeder Konflikt versöhnlerisch weggerunzelt und -geschmunzelt wird."
Gunter Göckenjahn ist nicht wirklich angetan. "Die Produzenten haben für Cunninghams Skript einen Regisseur gefunden, der zu den Fehlern des Autors reichlich eigene hinzu erfindet. Michael Mayer, ebenfalls ein Filmdebütant, setzt das Drehbuch mit Hitparadensongs und forcierter Schaulust in Szene, als habe er den ultimativen Feel-Good-Movie über die Schönheit des Normalen drehen wollen. Die Figuren spielen da allerdings nicht mit. Wie das Personal in allen von Cunninghams Büchern sind sie als Menschen gezeichnet, die versuchen am Rande der Normen ein Zuhause zu finden. Folglich lassen sie sich nicht einfach so in gängige Filmformen pressen."
Die Einzelgängergeschichte verbindet Motive des amerikanischen Independentfilms mit dem epischen Erzählen New Hollywoods, stellt Philipp Bühler fest. "Buch- und Drehbuchautor Michael Cunningham entwirft hier eine schöne Kulturgeschichte der USA nach Vietnam, von Hippie bis zu Punk, von Drogen zu Aids. Und Farrells metrosexueller Nullerlook passt so leidlich zum bisexuellen Thema. Aber Regisseur Michael Mayer verheddert sich in den Details - genannt sei hier nur die absurde Hippieperücke, mit der Farell im coolen East Village aufkreuzt. Vor allem aber erschließt sich seine Figur nicht, weil Mayer den inneren Monolog der Vorlage den Bildern geopfert hat."
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Der Regisseur glorifiziert die zaghaften Suchbewegungen seiner Figuren nicht, meint Ulrich Kriest. "Obwohl der Film sich tief in die Gefühlswelt seiner beiden männlichen Protagonisten wagt, hält die diskontinuierliche Erzählweise die Figuren über Gebühr auf Distanz. Dies ist umso erstaunlicher, als deren soziales Umfeld nahezu vollkommen ausgeblendet wird - ein ganzes Jahrzehnt sozialer und politischer Experimente spiegelt sich in Gefühlshaushalten, Musik und Kleidung, aber nicht in Haltungen. ... Das ist zwar durchaus wohlig nostalgisch anzuschauen, aber für die 'Feel Good Movie'-Bedürfnisse des heutigen Publikums bereits etwas zu weit weg und mindestens eine Terz zu unspektakulär."