DAS MäDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING

film-zeit Film: DAS MäDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING
Regie Peter Webber

Inhalt • DAS MäDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING

Delft, 1665: Die 17-jährige Griet zieht als Magd in das kinderreiche Haus des niederländischen Malers Johannes Vermeer und seiner Frau Catharina. Obwohl sie Welten, Bildung und sozialer Stand trennen, fühlt sich Vermeer zu Griet hingezogen. Schon bald sieht sich Griet nicht nur der Faszination für den Künstler und zugleich ihren Gefühlen für den Metzgersohn Pieter ausgesetzt, sondern auch den Nachstellungen von Vermeers Patron Van Ruijven und den Intrigen seiner Schwiegermutter Maria Thins. Als Letztere erkennen, wie sie aus der Beziehung zwischen Magd und Meister Profit schöpfen können, erhält Vermeer den Auftrag, Griet zu porträtieren. Es wird eines der großartigsten Gemälde, das je geschaffen wurde - für das Künstler und Muse jedoch einen hohen Preis bezahlen müssen.

Kritiken • DAS MäDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING

25. September 2004 | Kritik • Die Tageszeitung

Für Harald Fricke ist DAS MäDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING "mit seinen weitläufigen Korridoren und naturgetreuen Interieurs über weite Strecken selbst eine Abfolge bis ins Detail komponierter Gemälde. Das mag ein Triumph von Webber sein, dem es gelungen ist, die Farben Vermeers nicht bloß als pittoresken Hintergrund für die eher schlichte Geschichte der unerfüllten Liebe zwischen Maler und Modell einzufangen. Doch auf Dauer ist das ein wenig viel Kunstwollen. ... Damit läuft Webbers Film Gefahr, seinen Gegenstand in der Darstellung überbieten zu wollen. Entsprechend schmal ist der Grat zwischen aufrechter Genauigkeit im Umgang mit der Historie und kitschig verzuckernder Patina."

23. September 2004 | Kritik • Berliner Zeitung

Carmen Böker porträtiert die amerikanische Schauspielerin Scarlett Johansson.

23. September 2004 | Kritik • Neues Deutschland

Marion Pietrzok sieht den Film als Medizin. "Was immer die Welt von uns will, womit sie uns quält, uns erfreut, im Märchen wird es für uns handhabbar. Wenn die Dosis das Gift macht - im Märchen wird alles zur Medizin. Eine solche Medizin ist dieser Film. Überdies wird sie uns verabreicht mit Malerei auf der Tonspur: wehmütig-dramatische Musik, Wasserplätschern, Türenquietschen, Klopfen, Schritte, das Atmen als seien sie singuläre Ereignisse, ohrnah in jedem einzelnen Moment, man vermeint selbst einen Wimpernschlag zu hören und ist in höchste Spannung versetzt."

23. September 2004 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Für Gerhard Midding verfilmt der Regisseur die Vorlage "in wohltemperiert britischer Manier, weshalb die Bilder gelegentlich wie Lehnprägungen aus dem Oeuvre Vermeers wirken. Sein Kameramann Eduardo Serra taucht die Szenen in die kühleren Farben aus dessen Spätwerk, in Blau und Ocker. Ein andächtiges, stilles Melodram entfaltet sich in den Nuancen des Farbenspiels zwischen Hell und Dunkel, zwischen Beherztheit und Angst. Oft genug glaubt man, sich in einem Vermeer-Gemälde wiederzufinden, wenn etwa ein Fenster als Lichtquelle an den linken Bildrand gerückt wird. Webber versteht es jedoch, die statischen Kompositionen immer wieder in eine gemessene Beweglichkeit der Kamera aufzulösen."

23. September 2004 | Kritik • Die Welt

Wie Matthias Heine feststellt, wahrt der Regisseur die Stärken der Vorlage und "fügt der Erzählung noch eine selbstständige bildnerische Komponente hinzu. Wenig wird gesprochen zwischen den beiden zentralen Figuren Griet und Vermeer. Ihre Liebesgeschichte spielt sich nur ab in Blicken und in den Posen, die der Maler sein Modell einnehmen lässt. Gerade dank dieser Abstinenz wirkt es enorm erotisch ... Der Kameramann Eduardo Serra versucht, in seinen Bildern die Stimmungen Vermeerscher Gemälde einzufangen. Das ist ihm immerhin so gut gelungen, dass er dafür eine Oscar-Nominierung bekam. Im Atelier fällt das Licht immer auf eine magische Weise von der Seite durch die Fenster. So wird geradezu sichtbar, dass diese schmucklose Dachkammer zugleich der allen trivialen Intrigen enthobene Raum der Kunst ist, in dem allein die Liebe zwischen zwei so unterschiedlichen Menschen möglich sein kann."

22. September 2004 | Kritik • Die Welt

Matthias Heine schreibt ein Porträt über die amerikanische Schauspielerin Scarlett Johansson.

22. September 2004 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Für Felicitas von Lovenberg ist der Film eine Augenweide und stellt fest: "Schöner als manche Einstellungen dieses Films sind nur die Bilder Vermeers. Wer aber nicht demnächst nach Den Haag kommt, sehe sich einstweilen getrost Webbers DAS MäDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING an."

22. September 2004 | Kritik • Süddeutsche Zeitung

Für H. G. Pflaum gleich fast jede Einstellung einem Gemälde. "Mögen Webbers Szenen noch so malerisch sein, so bleiben seine bis ins kleinste Detail kontrolliert und bewusst eingesetzte Farbgebung und der Einsatz von Filtern eine Wohltat angesichts der Unzahl heutiger Buntfilme. Manchmal wünscht man dem Film freilich weniger Kontrolle und Disziplin. Doch Webbers Leidenschaft besteht vor allem in der Geduld, mit der er erzählt und sich auf Griets Gesicht (hinreißend: Scarlett Johansson) und ihre Passion konzentriert. Nur selten forciert der Regisseur seine Inszenierung - und riskiert sofort die Gefahr metaphorischer Überdeutlichkeit."

19. September 2004 | Kritik • Der Tagesspiegel

Christina Tilmann begibt sich auf Spurensuche. Sie schreibt über Delft, Vermeer und Bild, Buch wie Film. "Der Film ist von einer visuellen Opulenz, die die holländische Bürgerwelt, von dem Kunsthistoriker Stephan Shama einst eingehend analysiert, nahtlos in das Medium Film überführt. Verglichen etwa mit Derek Jarmans CARAVAGGIO oder Klaus Maria Brandauers REMBRANDT versucht Webber hier, weniger eine Geschichte zu erzählen als die Bildwelten in 'Tableaux vivants' nachzuschaffen - mit beachtlichem Erfolg."

16. September 2004 | Kritik • film-dienst 19/2004

Für Franz Everschor hat der Spielfilm-Regie-Neuling einen Film geschaffen, "dessen größte Faszination von der Behandlung des Lichts ausgeht und dessen Bilder die Wesenszüge der Malerei von Rembrandt, La Tour und eben vor allem von Johannes Vermeer auf der Leinwand widerspiegeln. ... Es sind zwei Dinge, die diese spärliche Geschichte interessant machen: die Darstellung Griets durch die zur Zeit der Dreharbeiten 17-jährige Scarlett Johansson und die unterschwellige Evokation erotischer Gefühle. Johansson ähnelt nicht nur im Gesichtsausdruck dem Modell in Vermeers Gemälde, sondern sie bewegt sich auch mit einer absolut glaubhaften Natürlichkeit und Zurückhaltung, wie man sie von einem armen, ungebildeten, aber intelligenten Mädchen jener Epoche erwarten muss."

2004 | Kritik • epd-film 10/2004

Für Anke Sterneborg entzündet sich die Geschichte "am Blick dieses jungen Mädchens, der zwischen ernsthafter Konzentration und fragiler Unschuld oszilliert, im Spannungsfeld zwischen nach außen gerichtetem Schauen und in sich versunkenem Fühlen. Und Blicke sind nun auch die treibende Kraft im Film. ... Wie der Maler destilliert auch der Filmregisseur seine Geschichte aus dem Spiel von Licht und Schatten in Räumen und auf Gesichtern, und aus langsamen geschmeidigen Bewegungen der Kamera, die den Strichen des Pinsels auf der Leinwand gleichen. Das Licht in den Bildern der alten Meister scheint dabei auf die ganze Welt abzufärben, fast so, als seien diese Stimmungen nicht vom Maler erschaffen, sondern ein Allgemeingut dieser Zeit, als hätte das dunstig weiche Licht Vermeers damals ganz natürlich alle Räume durchflutet, und als hinge Rembrandts Chiaroscuro ganz selbstverständlich über allen Interieurs. Der ganze Film wird auf diese Weise zu einem lebenden Bild."

Aktueller Stand der Datenbank:
15604 Filme,
15341 Bücher & Artikel,
801 Biographien,
52 Themen & Listen
all: 0.14997