| Regie | Oliver Hirschbiegel |
| Kinostart | 16.09.2004 |
Kurt Pätzold kommentiert eine Untersuchung von Soziologen an der Universität Koblenz-Landau, die geschaut haben, welche Wirkung DER UNTERGANG auf Schüler hat. "Drei wesentliche Ergebnisse: Der Film hat negative Emotionen gegenüber Hitler eindeutig gemindert. Die Absicht der Filmemacher, den "Gröfaz" als Menschen, als einen von uns zu zeigen, wurde verwirklicht, bei Gymnasiasten mit größerem Erfolg als bei Hauptschülern. Zweitens wuchs unter dem Eindruck der vielen deutschen Opfer im Film offenkundig die Ablehnung für Nachkriegssanktionen gegen Deutschland. Und schließlich waren die Kinobesucher signifikant patriotischer gesinnt und gestimmt als die anderen Schüler."
Schlechte Kritiken für den UNTERGANG gab's bei der Amerika-Premiere.
Zwei Meinungen werden in der Zeit veröffentlicht: Wütende Ablehnung von Wim Wenders und begeisterte Zustimmung von Frank Schirmacher.
Johannes Wetzel beschreibt die zwiespältige Reaktionen auf den französischen Kinostart.
Für Georg Seeßlen hat der Film seine starken Momente: "Bruno Ganz, der als Hitler seine letzte vegetarische Mahlzeit löffelt, die Ermordung der Kinder durch Magda Goebbels, eine Bild-Stafette von Nahaufnahmen von Händen, die sich berühren oder eben nicht, und so fort. Der Untergang entwickelt hier Anteilnahme und dort Empörung, riskiert kaum den Bruch guten Geschmacks. ... DER UNTERGANG schildert das Ende des Krieges nicht als Befreiung, sondern als tragische Abfolge von Selbstzerstörung, Opfer und Wiedergeburt. Das ist eine große Lüge, selbst wenn sie aus lauter kleinen Wahrheiten zusammengesetzt ist."
Katharina Dockhorn mit Produzent Bernd Eichinger über seine Perspektive auf den UNTERGANG.
Harald Welzer schreibt über den tragischen Helden Adolf Hitler. "Dieser Film, machen wir es kurz, ist so schlecht wie er ideologisch ist, indem er vorgibt, authentisch und bewertungsfrei erzählen zu können, was ohne Kontextualisierung und Wertung gar nicht zu erzählen ist. Er übernimmt das von Steven Spielbergs SCHINDLERS LISTE vorgegebene Authentizitätsdogma, und zwar mit der ganz gegenteiligen Absicht: nämlich nicht vom fast vollendeten nationalsozialistischen Projekt des "Untergangs der jüdischen Rasse" zu berichten, sondern vom Untergang eben dieses Projekts, und uns dabei das dafür zuständige Personal komplett vorzuführen, vom ringenden Speer über den zynischen Goebbels, die naive Traudl Junge, den verführten Hitlerjungen, den fanatischen SS-Mann bis zum erratischen Hitler."
Lothar Ehrlich führt ein Interview mit Bruno Ganz über über eine Zeit ohne Utopien, die Moral des Schauspielens und die Frage, ob man als Hitler-Darsteller in der Welt bekannt sein will.
Gunnar Decker bereitet ein Film über Hitler Unbehagen. "Hirschbiegel und sein Hitler Bruno Ganz entdämonisieren den Diktator, das "Monster" Hitler. Und das ist dem Film nicht etwa vorzuwerfen, das ist seine Qualität. Vorzuwerfen ist Hirschbiegel und mehr noch Eichinger, dass sie das Kammerspiel "Hitlers letzte Tage im Bunker" nicht konsequent und nüchtern bis zu Ende durchspielen. Einen genialen Schauspieler, Bruno Ganz, hätten sie dazu gehabt. So aber macht Eichinger, was er mit allen seinen Filmen macht: Klein Hollywood, Hochglanz im Breitwandformat, in dem sich alles und nichts verläuft."
Bert Rebhandl schreibt über die Laufbahn des Schauspielers Bruno Ganz.
Markus Euskirchen sieht nur gute Nazis in dem Film. "Der blindeste Fleck liegt in der Darstellung des Grauens der Kämpfe um Berlin: Die Eroberung der Stadt erscheint als für die russische Seite unblutiges Unternehmen. Im Film wird Deutschland (=Volk+Herrschaft) im Moment der Niederlage gezeigt. Es ist schwach, wird angegriffen, zerstört. Ausgeblendet wird, wovon DER UNTERGANG die Konsequenz ist. ... Schließlich zeigt der Film keinen einzigen leidenden russischen Soldaten (die Rote Armee ist nur präsent durch den Granatendonner und als Sieger in der Schlußszene). Er zeigt nur deutsche Opfer; verstümmelt, erschossen, hungernd, kämpfend, verängstigt - Opfer in allen Varianten mit einer einzigen Gemeinsamkeit: Um im UNTERGANG eine Rolle zu spielen, müssen sie deutsch sein."
Für Andreas Hahn frisiert der Film historische Dokumente. "In DER UNTERGANG ist Analyse durch Psychologisierung und Fiktionalisierung ersetzt. Die Dokumente sind gewissermaßen Kulisse der Intrige geworden."
Dietrich Diedrichsen sieht in dem Film eine "Hybride aus Überwältigungsdrama und Sekretärinnenperspektive. ... Der Film sieht allerdings eher so aus, als hätte man ihn vor allem um drei Schauspieler herum gedreht, die sich in einem zeitgeschichtlichen Großstück ein Denkmal bauen sollen. Eingebettet in ein Ensemble aus Edel-TV-Chargen und umdonnert von Kriegsfilm-Außenaufnahmen in sauberen und oft gesehenen Hollywood-State-of-the-Art-Bildern. Die Soundregie vervollständigt den Hybriden aus einem Überwältigungsdrama, wie es sich für große Untergänge ziemt, und der intimen Intensität der kleinen Lage, in der die Sekretärinnenperspektive dominiert: Hoffentlich brüllt der Chef nicht wieder so."
Für Andreas Borcholte findet den Film unnötig: "Bernd Eichingers Film DER UNTERGANG will die menschliche Seite der deutschen Albtraumgestalt Hitler zeigen. Sein notwendiger Rückzug vor jeder Wärme macht den UNTERGANG zu einem letztlich überflüssigen Film. ... Am Ende des Bunkerspiels bleibt nur die Faszination der akkuraten Hitler-Darstellung, weil sie den Reiz des Verbotenen besitzt. Erkenntnisse über die agierenden Menschen, ihre Beweggründe und Motivationen bietet der Film nicht an."
Für Daniel Kothenschulte versucht der Film die Rekonstruktion und scheitert an der Erfindung. "Die Wirkung, die Ganz' Hitlerfigur beim Zuschauer hinterlässt, erlaubt natürlich, wie alle Schauspielkunst, mancherlei Interpretation. Die Frage ist nur, ob dieser Bedeutungsüberschuss etwas mit künstlerischem Anspruch zu tun hat oder ob er nicht lediglich von fehlender Strenge in der Ausführung zeugt. Wie es scheint, findet jeder darin den Hitler, den er oder sie gerade sucht."
Die Junge Welt ist darüber erbost, daß DER UNTERGANG vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen koproduziert wird. Sie sieht darin einen "Angriff der Gegenaufklärer".
Andreas Krause spekuliert über das Motto der Filmemacher: "Der Zuschauer muss warm werden wie der Held. ... Mit seiner in Führerbunker und Regierungsviertel angesiedelten Parallelhandlung ist DER UNTERGANG eine Mischung aus Kammerspiel und Kriegsfilm, und er verfolgt ein sehr klares Programm. Eichinger und Hirschbiegel stellen das Erzählen über das Urteilen; sie wollen Hitler weder als "Irren" verdammen noch seinen tiefen Sturz ausbeuten, um Mitleid zu wecken. Sie wollen Hitler aus der übergeschichtlichen, mythischen Sphäre, in die er seit 1945 als Inkarnation des Bösen aufgestiegen ist, herunterholen und auf ein menschliches Maß bringen, das Einfühlung und Verständnis ermöglicht."
Für Christiane Peitz zielt DER UNTERGANG auf ein großes Publikum, schon im Vorfeld verursacht er deshalb große Aufregung.
Bruno Ganz wettert zu stark gegen den TV-Domentaristen Guido Knopp, meint der Spiegel.
Bild am Sonntag führt ein Interview mit dem Schauspieler Bruno Ganz.
Die Zeitschrift führt ein Interview mit dem Regisseur Oliver Hirschbiegel.
Kurt Pätzold hat beobachtet, wie die Deutschen auf den Film vorbereitet werden.
Hellmuth Karasek fragt, ob Hitler als Mensch gezeigt werden darf. "DER UNTERGANG spielt in der Zeit, als Hitler zuletzt nur noch eine fatale 'Hoffnung' hatte: Deutschland mit sich in die Hölle zu reißen. Bruno Ganz spielt ihn dennoch als Menschen. Vielleicht, weil es dazu inzwischen genügend historischen Abstand gibt? Die meisten Opfer und die Henker und Mörder sind tot. Hitler machte seine Gegner zu Unmenschen, um sie vernichten zu können. Bruno Ganz zeigt, dass auch das Unmenschlichste von einem Menschen ausging. Eine Verharmlosung ist das nicht."
Arno Frank kommentiert den "medialen Hitleritis" mit dem Deutschland durch den Film infiziert worden ist. "Kürzlich war es wieder so weit. Der Dämon! In Farbe! Gestochen scharf! Dabei war der Schauspieler Bruno Ganz als Hitler auf dem Spiegel-Titel zum Kinofilm DER UNTERGANG nur die Vorhut einer neuen medialen Hitleritis. Wie eine Grippewelle rollt sie durchs Land, begleitet vom Schnupfen reflexhafter Mahnungen und Warnungen auf allen Kanälen. Es ist nicht auszuhalten. Oder doch?"
Tanja Kokoska hat über das Marketing für den Film nachgedacht.
Für Barbara Schweizerhof fällt der Film seiner Faszination für Größe zum Opfer. "Bruno Ganz macht seine Rolle gut. Es ist ein Meisterwerk schauspielerischer Artistik, wie er eine Figur erzeugt aus lauter Marotten: da ist die sehr eigentümliche Sprechweise, die Ganz millimetergenau unterhalb der Parodie ansiedelt; dann die Schnurrbart- und Seitenscheitel-Maskerade, die nur bei seinem ersten Erscheinen unwillkürlich zum Lachen reizt; der schlurfende Gang, das misanthropisch vorgeschobene Kinn und der Tick mit der zuckenden Hand auf dem Rücken - hatte Hitler Parkinson? - kurzum: da haben wir ihn: Den Hitler, 'den man liebte'."
Rupprecht Podszun fragt nach der Marktingstrategie. "Der Untergang ist kein Film, sondern ein Ereignis, ein Tabubruch, ein Wahnsinnsstoff. Vor allem taugt der Film als Lehrstück, wie es ein gewandter Medien-Darling vom Schlage eines Bernd Eichinger schafft, die Maschine so in Gang zu setzen, dass am Ende die Kasse klingelt."
Christiane Peitz führt ein Interview mit dem Schauspieler Bruno Ganz.
Georg Sesslen beschäftigt sich mit Hitler-Darstellungen im Film.
Urs Theckel ist nicht begeistert von der Hitler-Sicht des Films. "In DER UNTERGANG kann man nun endlich zum ersten Mal sehen, wie Hitler "Eva Braun auf den Mund küßt", wie er "weint" oder einen "Tobsuchtsanfall" bekommt - ein Mensch wie du und ich. Andererseits: Will man das sehen, den weinenden Adolf? ... Auf Augenhöhe dem küssenden, weinenden, tobenden Hitler ins wehe Führerauge zu schauen, ein Gran ruhelos, zwei Lot mitleidig, es ist einfach zu schön, beziehungsweise zum Kotzen."
Hans-Dieter Seidel schreibt ein Porträt über den Produzenten und Drehbuch-Autoren Bernd Eichinger.
Für Jan Schulz-Ojala versucht der Film ein "gut gemeinten Exorzismus. ... Also treibt der Film Hitler den ideologischen Teufel aus, indem er ihn auf die nachinszenierte, auch semiprivate Bühne stellt. Dabei macht er ihn zum fast tragischen Helden, der den Zuschauern manchmal eher Mitleid als Furcht einflößt. ... Dabei gibt sich Bruno Ganz alle Mühe, genau - und grandios - jene Gefühle zu mobilisieren."
Daniel Kothenschulte spricht von einer medialen Hitlerwelle. Der Kritiker schreibt über diverse Hitler-Verfilmungen.