PALINDROME

film-zeit Film: PALINDROME
Regie Todd Solondz
Kinostart 14.04.2005

Inhalt • PALINDROME

Das 12jährige Mädchen Aviva Victor will unbedingt Mutter zu werden. Es gelingt ihr auch beinahe, wären da nicht ihre Eltern, die ihr im letzten Moment einen Strich durch die Rechnung machen. Aviva läuft von Zuhause weg, immer noch entschlossen, schwanger zu werden. Stattdessen landet sie in einer anderen Welt, die etwas unheimlich ist, in der sich aber seltsame Möglichkeiten auftun....

Kritiken • PALINDROME

17. April 2005 | Kritik • Welt am Sonntag

Selten werden solche Geschichten erzählt, konstatiert Harald Peters. "Man muß Regisseur Todd Solondz, dem international bekanntem Fachmann für alles nachhaltig Sonderbare, schon fast dafür bewundern, daß ihm mit PALINDROME wieder ein herrliches Werk einwandfrei verstörender Filmkunst gelungen ist. ... Welche Botschaft Solondz mit seinem Film vermitteln möchte, läßt sich nicht einmal erahnen. Keine Figur taugt als Sympathieträger, alle sind Karikaturen ihrer selbst und haben einen ernstzunehmenden Knall. Es werden etliche Tabus und Reizthemen angerissen, doch jede der zahlreichen Grenzüberschreitungen bleibt letztlich ohne erkennbare Richtung. Was die Filmfiguren auch unternehmen, es führt zu nichts."

15. April 2005 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

PALINDROME ist für Michael Althen einer der allermerkwürdigsten Filme. "Sein größtes Verdienst ist dabei, daß er jene Formen von Aufgeschlossenheit, die die meisten so selbstverständlich für sich reklamieren, auf eine harte Probe stellt. Der Film mag zynisch erscheinen, aber ist vom Regisseur sicherlich nicht so gemeint. Er soll wohl satirisch sein, aber mit reiner Ironie kommt man ihm kaum bei. Denn PALINDROME erzählt die widerlichsten Sachen in einem heiter-süßlichen Tonfall, der wie Sirup die Sinne verklebt. So daß man hinterher kaum weiß, ob man heulen oder speien soll - was ja unter Umständen auch ein Ausweis großer künstlerischer Kühnheit wäre. ...
Egal, ob man sich der Sache von vorne oder hinten nähert, PALINDROME gefällt sich vor allem darin, jeden für dumm zu verkaufen, der vom Kino mehr erwartet, als daß der gute Geschmack mit Füßen getreten wird."

14. April 2005 | Kritik • Berliner Zeitung

Zahlreiche Irritationen haben sich bei Bert Rebhandl eingestellt. "PALINDROME ist - wie schon das Pädophilendrama HAPPINESS - ein Film mit prekären Identifikationsmustern. Allzu leicht könnte man sich über diese Welt der freaks erheben. Doch Solondz steht selbst mit sich im Konflikt: weil er einerseits eine offene, resonanzreiche Geschichte erfunden hat, die von tatsächlichen Nöten und Traumata handelt, und diese dann aber andererseits in eine Erzählkonstruktion steckt, die mit Gewalt an den Anfang zurückführt, der doch entschieden ein Aufbruch war: Aviva sind Viele. Die PALINDROME aber machen aus dieser Wahl eine bloße Selbsttäuschung."

14. April 2005 | Kritik • Der Tagesspiegel

Völlig blanglos findet Julian Hanich den Film. "Solondz, der unbeirrbare Eiferer gegen das Pharisäertum der amerikanischen Mittelschicht, zerrt wieder einmal gnadenlos Dinge ans Licht, die sich andere Regisseure nicht mal anzurühren wagen. ... Diesmal behandelt er seine Figuren so liebevoll wie ein Dreijähriger seine Spielzeugautos. Mit statischer Kamera hält er drauf auf die winselnden Versuche, Mensch zu sein, auf die, wie es bei Mel Brooks heißt, "Möter - halb Mensch, halb Köter". Und auch den eisigen Humor, mit dem er seine gnadenlosen Exerzitien würzt, senkt er auf Kalauer-Niveau: Sein Abtreibungsarzt heißt "Dr. Fleischer"."

14. April 2005 | Kritik • Die Welt

Es ist nicht einerlei, ob man den Film vor- oder rückwärts liest, meint Sascha Westphal. "Provokation und Exzentrik gehen Hand in Hand in Todd Solondz' Kino. Doch meist wird nur das Provokante wahrgenommen. Dabei sind es vor allem Solondz' Bereitschaft, selbst in der Welt des Independent-Films noch ein Außenseiter zu bleiben, und seine oft unterschätzte filmästhetische Identifikation mit all seinen Figuren, besonders auch mit dem Kinderschänder und den fundamentalistischen Jesus-Freaks, in denen er sich seinem Publikum offenbart."

14. April 2005 | Kritik • Die Tageszeitung

Für Sven von Reden hat sich der Regisseur in einer selbstbezüglichen Schleife verfangen. "Paradoxerweise versucht Solondz die Unveränderlichkeit seiner Protagonistin gerade dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass er Aviva von insgesamt acht Darstellern unterschiedlichen Alters und Geschlechts, unterschiedlicher Hautfarbe und Statur spielen lässt. Was zunächst wie ein Verfremdungseffekt wirkt, soll laut Regisseur dazu führen, noch eindringlicher die Gefühle der Zuschauer anzusprechen. Hat man sich einmal an die ständigen Schauspielerwechsel gewöhnt, stehen sie der Empathie mit der Hauptfigur zumindest nicht mehr im Wege."

14. April 2005 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Michael Kohler hat den bislang traurigsten Film des Regisseurs gesehen. "Im Grunde bleibt also alles beim Alten in Todd Solondz' Amerika, und doch ist zugleich vieles anders. Zwar interessiert sich der Regisseur immer noch fast ausschließlich für die menschliche Verirrung und ähnelt in seiner Fixierung am ehesten seinen zwanghaft handelnden Figuren. In formaler Hinsicht sind seine Filme allerdings jedesmal ein wenig ausgefeilter geworden. Mit Palindrome zieht Solondz nun so etwas wie die Quersumme seines Werks ... Letztlich geht es ihm darum, die Ethik des kinematografischen Schauens zu dramatisieren, und vermutlich liegt gerade in diesem Kommunikationsmodell das Geheimnis seines künstlerischen Erfolgs: Weil man in Todd Solondz' Kathedralen der menschlichen Verblendung stets das ästhetische Treibhaus entdeckt, kann man ihm auf seinen einsamen Wegen folgen."

14. April 2005 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Für Volker Mazassek ist der Film "auch ein Beitrag zur Abtreibungsdiskussion, die wohl nirgends militanter geführt wird als in den USA. ...Das Befremdliche an Solondz' Filmen erfährt hier jedoch eine weitere Radikalisierung, denn die Hauptfigur bleibt nicht durchgängig dieselbe. Aviva wird von fünf Mädchen, zwei Frauen und einem Jungen gespielt. Der Regisseur spielt so ein Experiment mit Identität und Veränderung durch. Seine Grundfrage lautet: Können sich Menschen verändern, oder bleiben sie so, wie sie vom ersten Atemzug an waren?"

13. April 2005 | Kritik • fluter.de

PALINDROME ist ein harter Brocken, sogar für Andreas Busche. "Solondz ist berüchtigt für seinen kontroversen Stil, aber in "Palindrome" ist der einzige Schluss, den er aus seinen Tabubrüchen zieht, Hässlichkeit und Verachtung. Die Idee, dass Aviva von acht verschiedenen Darstellern gespielt wird (Mädchen, Jungen, schwarz, weiß, dick, dünn), wirkt in dieser erschlagenden Anhäufung von Niederträchtigkeiten wie eine pseudo-intellektuelle Finte. Solondz ist ein pathologischer Zyniker und nur in dieser Hinsicht ist PALINDROME wirklich bemerkenswert."

13. April 2005 | Kritik • br-online

Ein erschütternder und verstörender Film ist PALINDROME für Kirsten Liese. "All das kann man einfach nur erschüttert und kopfschüttelnd über sich ergehen lassen, verzweifeln an den Menschen, ihren Ideologien, Kurzsichtigkeiten und Schizophrenien. Hier gibt es weder ein eindeutiges Pro noch Contra, keine Chance wegzuschauen oder zu verdrängen, dafür Fragezeichen über Fragezeichen. ... PALINDROME verweigert sich pauschaler Antworten, der Film will zum Glück nicht belehren, sondern verstören, vielleicht auch sensibilisieren für die Schattenseiten einer traditionellen weiblichen Sozialisation und religiösen Dogmen."

10. April 2005 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Sigrid Nunez führt ein Interview mit dem Regisseur Todd Solondz über die Grausamkeiten des Erwachsenwerdens, über die emotionalen Wüsten und die verdrängten Sehnsüchte und Lüste in der amerikanischen Provinz.

April 2005 | Kritik • filmz.de

Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.

April 2005 | Kritik • film-dienst 04/2005

Der Film wird es schwer haben, prophezeit Ulrich Kriest. "Solondz zeichnet ein düsteres Bild der USA als einem Land, dessen Bewohner mitten im ideologischen Kulturkampf stecken, der ins Mörderische umzukippen droht. Er erzählt davon mit präzisen Szenen, die eine labile Balance zwischen Satire und Zynismus halten, wobei er sich einer expliziten Position zum Gezeigten enthält. So existieren die Denk- und Sprechverbote der 'political correctness' neben dem christlichen Fundamentalismus, Bigotterie neben Pädophilie, sozialer Determinismus neben Erlösungssehnsüchten. ... PALINDROME ist mit seiner Manie, sämtlichen ideologischen Konventionen den Boden unter den Füssen wegzuziehen, ein eminent politischer Film, dürfte es mit seiner forcierten Negativität allerdings schwer haben, ein Publikum zu erreichen, das von dieser Cleverness zu profitieren wüsste."

10. September 2004 | Kritik • Berliner Zeitung

Für Anke Westphal war diese Art von Kino modern Anfang der 90er Jahre, "heute ist es Masche".

08. September 2004 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Für Michael Althen versucht der Regisseur "so zwanghaft allen Erwartungen ins Gesicht zu schlagen, daß sein PALINDROME sehr schnell nur noch mutwillig wirkt. ... In lieblichen Postkartenbildern werden die größten Bösartigkeiten inszeniert, so daß einem das Lachen im Halse steckenbleibt. Solondz degradiert sein Personal zum Gruselkabinett, egal, ob Häßliche oder Behinderte, christliche Fundamentalisten oder Pädophile vor der Kamera stehen. Das klingt zynisch, hat aber seine eigene bizarre Logik. ... Aber in seinem steten Ringen um den Tabubruch wirkt der Film über weite Strecken einfach nur öde."

08. September 2004 | Kritik • Die Welt

Peter Zander bezeichnet den Film als "absichtsvoll geschmacksunsicher". "Von jeher hält Todd Solondz seinen Landsmännern einen zersprungenen Spiegel vor, mit hässlichen Menschen und hässlichen Geschichten. Diesmal reicht nicht eine Hauptfigur, um die ganze Schizophrenie des ungebildeten Mittelstandes zu zeigen. Gleich sechs Darstellerinnen mit wechselnder Hautfarbe, inklusive die eigentlich viel zu alte Jennifer Jason-Leigh, schlüpfen in die Rolle eines heranwachsenden Mädchens, das trotzig sein Lächeln bewahrt."

08. September 2004 | Kritik • Süddeutsche Zeitung

Rainer Gansera hat reinstes modernes Kino gesehen. "Die mise-en-scène ist ihr Gehalt, und also muss man von deren Reichtum und Witz, ihrem tragischen Ernst und ihrer Unschulds-Poesie sprechen. ... Die Mechanismen der Identifikation werden bei Solondz brechtisch verfremdet, woraus aber kein intellektuelles Experiment resultiert, sondern ein theatralisch-verspielter, magischer Figuren-Zauber."

08. September 2004 | Kritik • Der Tagesspiegel

Mit einem kaltem, bösem Ambiente erzählt der Regisseur seine Geschichte, meint Jan Schulz-Ojala. "Der US- Autorenfilmer führt das Pubertätsinferno seines Erstlings WELCOME TO THE DOLLHOUSE mit der Missbrauchsthematik des meisterlichen HAPPINESS zusammen und lässt seinen seltsamen Engel Aviva gleich in acht Gestalten erscheinen. ... Faszinierend taucht Solondz einmal mehr in die Hölle des weißen und bigotten Middleclass-America und zombifiziert seine mal magere, mal pummelige Unschuld Aviva bis in die Gestalt eines monströsen schwarzen Fettkloßes hinein. Um am Ende doch nur zu beweisen, dass niemand aus seiner Haut kann."

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