| Regie | Marc Forster |
| Kinostart | 10.02.2005 |
Johnny Depp setzt sein Schauspieltalent vor allem dafür ein, ja keinen Verdacht auf Pädophilie aufkommen zu lassen, schreibt Barbara Schweizerhof. "Marc Forsters Film dreht dieses allzu simple Psycho-Konzept von innen nach außen. Hier ist Barrie der gar nicht infantile Mentor altkluger Kinder, die er zur Kreativität ermuntert. Beide Seiten haben durch erlittene Verluste die "Unschuld" der Kindheit längst hinter sich gelassen. Barrie bringt ihnen etwas sehr Erwachsenes bei, nämlich die kindliche Phantasie nicht aufzugeben, sondern sie zu nutzen - als Medium etwa, um mit den Menschen, die uns verlassen haben, in Kontakt zu bleiben. Dass ihm das gelingt, zeigt der Film als Resultat seiner Fähigkeit zu Selbstironie, Zurückhaltung und respektvollem Umgang mit den Kindern, alles ganz und gar nicht "kindliche", sondern eher reife Eigenschaften."
Daniel Haas sagt es klar und deutlich: Der Film ist kein zauberhaftes Kunststück, sondern abgehobene Kinderei. "Es wäre gegen diese liebenswürdige Feier der Kreativität nichts einzuwenden, würde nicht ein restriktiver Zug durch Fosters Märchenland wehen. Phantasie ist Jungssache; Frauen gehören zur Ordnungsmacht, die wahlweise Moral oder Mammon einklagt. ... Kreativität und Phantasie existieren nicht jenseits sozialer Zusammenhänge: Gegen diese Einsicht sträubt sich Forsters Regie so hartnäckig wie Peter Pan gegen das Erwachsensein. So gesehen ist WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN tatsächlich ein kindischer Film, der Kreativität mit Sentimentalität verwechselt."
Wie James M. Barrie sieht Johnny Depp wirklich nicht aus, meint Philipp Bühler. Aber das macht nichts. "Wenn das Kitsch ist, ist dieser Kitsch zum Heulen schön. Vielleicht inszeniert Forster sogar ein wenig zu elegant. Und der ewig junge Dustin Hoffman als Theaterdirektor passt sicher viel zu gut ins Bild. Aber in jedem Fall ist Forster gelungen, was Tim Burton mit seinem BIG FISH so schmählich schuldig blieb, genauso wie alle bisherigen Pan-Filme: der Macht der Fantasie freien Lauf zu lassen. Er macht das, indem er bei all dem Hokuspokus ganz auf Bühnenwirkung setzt und auch mal die Kulissen zusammenkrachen lässt."
Für Daniel Kothenschulte ist Johnny Deep die erste Wahl für die Besetzung des Mannes, der nicht aufhörte, sich wie ein Kind zu fühlen. "Selten ist ein Familienfilm in letzter Zeit behutsamer ins hemmungslos Melodramatische geglitten, selten hat man uns so wirkungssicher die Heultränen heraus gekitzelt. Denn auch die phantastische, weltvergessene Romantik ist ja ein schwieriges Vermächtnis aus der Barrie-Zeit. Auch wenn sich alles ganz anders zugetragen haben sollte. Das Nimmerland, in das dieser Film führt, ist genau das Richtige: Jener Ort, in dem das, was später in Kommerzialisierung verschwinden sollte, die hemmungslose Anbetung der Kindheit, noch mit sich im Reinen war."
für Christina Tilmann ist Johnny Depp ein liebenswürdiges großes Kind, ein sanfter Träumer. "Immer mehr spitzt sich der Film zu auf die Auseinandersetzung zwischen Barrie und Peter, dem Fantasten und dem Realisten. Und auf die Frage, wie viel Fantasie erlaubt ist, wenn es um Leben und Tod geht. Sie sind von Anfang an ebenbürtige Kontrahenten: Der Erwachsene, der lieber noch Kind wäre, und das Kind, das zu schnell erwachsen geworden ist. Und beide Male war es der Tod, der die Karten vertauscht hat."
Anke Westphal ist begeistert von Johnny Depp. In dem eher tragischen denn heiteren, aber auch zart versponnen Film brilliert der Schauspieler. Das eigentlich bewegende "an diesem Film ist die Zartheit, mit der die Liebe zwischen Barrie und Sylvia Llewelyn Davies in der Unausgesprochenheit belassen wird, um die Kinder in den Vordergrund zu rücken: Ihretwegen verbirgt Sylvia ihre Krankheit so lange als möglich; ihretwegen überwindet sich Barrie dazu, wieder einen Kampf in der wirklichen Welt aufzunehmen - den um die Sorge für Sylvias Jungen. ... dieser Film überwindet die Grenzen eines Erzählens, das die Fantasie mit den Mitteln der Realität inszenieren muss. In der Welt der Fantasie können ausgestopfte Enten quaken."
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Oliver Rahayel hat einen Kostüm- und Ausstattungsfilm, gerade in den Fantasie-Sequenzen gesehen. "Doch all die schönen Entwürfe dienen allein dazu, die mal gegensätzlichen, mal ganz ähnlichen Wirklichkeitsebenen miteinander zu verweben. Das Tempo ist von einer gewissen Beschaulichkeit gekennzeichnet, der man jedoch zugute halten kann, dass sie eben nicht übermäßig dramatisiert, nicht mal beim melodramatischen Ende. Dennoch fesseln und amüsieren die zentralen Szenen, etwa die Uraufführung des mit großer Skepsis erwarteten Stücks "Peter Pan", bei der mit Hilfe der Fantasie sogar unterschiedliche gesellschaftliche Klassen zueinander finden. Weit mehr als beispielsweise Spielbergs direkte Auseinandersetzung mit Barries Werk gelingt es Forster, dem Faszinosum von Peter Pan auf die Spur zu kommen und etwas davon zu vermitteln, was bis in die heutige Zeit strahlt."
Die die Reise nach Nimmerland wurde für Daniel Kothenschulte zum Trip ins Schlummerland. "Die hemmungslos verklärende, aber vorzüglich erzählte Annäherung an den einigermaßen vergessenen Dramatiker im Umfeld von Wells und Shaw hätte Besseres verdient."
WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN - imdb.com
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