| Regie | Marc Forster |
| Kinostart | 10.02.2005 |
Der erfolgreiche Autor J. M. Barrie muss miterleben, wie sein neuestes Theaterstück durchfällt. Er braucht eine Inspiration, und findet diese bei der Llewelyn-Davies-Familie: vier vaterlose Jungen und deren Mutter Sylvia. Gegen den Willen der Gesellschaft freundet sich Barrie mit der Familie an. Für sie erschafft er die fantastische Welt Nimmerland. Er schreibt sein gewagtesten Stück, das ihn weltberühmt machen wird: "Peter Pan". Zunächst ist das Theater skeptisch. Während sein Produzent Charles Frohman fürchtet, dass er bei dieser 'Kinder-Fantasterei' sein letztes Hemd verspielt, beginnt Barrie mit den Proben - und schockiert die Schauspieler mit nie Dagewesenem. Aber der Erfolg der Premiere gibt ihm Recht. Doch dann verlangt ein Schicksalsschlag von Barrie und denen, die er liebt, zu verstehen, was es wirklich heißt zu glauben ...
Johnny Depp setzt sein Schauspieltalent vor allem dafür ein, ja keinen Verdacht auf Pädophilie aufkommen zu lassen, schreibt Barbara Schweizerhof. "Marc Forsters Film dreht dieses allzu simple Psycho-Konzept von innen nach außen. Hier ist Barrie der gar nicht infantile Mentor altkluger Kinder, die er zur Kreativität ermuntert. Beide Seiten haben durch erlittene Verluste die "Unschuld" der Kindheit längst hinter sich gelassen. Barrie bringt ihnen etwas sehr Erwachsenes bei, nämlich die kindliche Phantasie nicht aufzugeben, sondern sie zu nutzen - als Medium etwa, um mit den Menschen, die uns verlassen haben, in Kontakt zu bleiben. Dass ihm das gelingt, zeigt der Film als Resultat seiner Fähigkeit zu Selbstironie, Zurückhaltung und respektvollem Umgang mit den Kindern, alles ganz und gar nicht "kindliche", sondern eher reife Eigenschaften."
Daniel Haas sagt es klar und deutlich: Der Film ist kein zauberhaftes Kunststück, sondern abgehobene Kinderei. "Es wäre gegen diese liebenswürdige Feier der Kreativität nichts einzuwenden, würde nicht ein restriktiver Zug durch Fosters Märchenland wehen. Phantasie ist Jungssache; Frauen gehören zur Ordnungsmacht, die wahlweise Moral oder Mammon einklagt. ... Kreativität und Phantasie existieren nicht jenseits sozialer Zusammenhänge: Gegen diese Einsicht sträubt sich Forsters Regie so hartnäckig wie Peter Pan gegen das Erwachsensein. So gesehen ist WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN tatsächlich ein kindischer Film, der Kreativität mit Sentimentalität verwechselt."
Trotz aller Leichtigkeit, bei aller Heiterkeit ist dies ein kleiner Film über das Sterben, über Tod und Wiedergeburt, Keuschheit und Kreativität, meint Fritz Göttler. "Es geht um die vaterlose Gesellschaft in diesem Film - und in dem Neverland-Mythos allgemein -, um ein Leben ohne dominante Bezugsfigur, und darum, wie hart man sich anstrengen muss, damit nicht wieder der große Bruder in die Vaterrolle rutscht. Johnny Depp spielt diesen Bruder im Geiste des amerikanischen Slapstick, mit Stoneface und Kriegsbemalung und Indianerschmuck. Unterm Arm trägt er eine Ente - das Heroische, ist das nicht großartig, ist nur noch zu retten durch die Lächerlichkeit, die Travestie!"
Wie James M. Barrie sieht Johnny Depp wirklich nicht aus, meint Philipp Bühler. Aber das macht nichts. "Wenn das Kitsch ist, ist dieser Kitsch zum Heulen schön. Vielleicht inszeniert Forster sogar ein wenig zu elegant. Und der ewig junge Dustin Hoffman als Theaterdirektor passt sicher viel zu gut ins Bild. Aber in jedem Fall ist Forster gelungen, was Tim Burton mit seinem BIG FISH so schmählich schuldig blieb, genauso wie alle bisherigen Pan-Filme: der Macht der Fantasie freien Lauf zu lassen. Er macht das, indem er bei all dem Hokuspokus ganz auf Bühnenwirkung setzt und auch mal die Kulissen zusammenkrachen lässt."
Peter Zander gesteht, daß er im Kino gerne heult. Hier hat er sich seiner Tränen nicht geschämt: "Denn dieser Film rührt einen, trotz seines schaurigen deutschen Titels, tief im Innersten. ... Marc Fosters Film sieht sich an wie ein Tim Burton ohne Schatten. In dem die traurige Realität sich in einer Phantasiewelt auflöst, ein Garten zum Abenteuer-Urwald mutiert und eine Schlafzimmertür geradewegs ins Paradies führt. Auch diese Welt ist nicht ohne Hindernisse: Aber über sie triumphiert der kindlich-naive Optimismus der großen und kleinen Kinder. Für die Rolle des Barrie kam nur Johnny Depp infrage. Keiner versteht es so wie er, sich bei seiner Rollenwahl stets treu zu bleiben, immer wieder den Anderen, den Außenseiter zu variieren. Nur dachte man bislang, er bliebe auf ewig Edward mit den Scherenhänden. Jetzt erkennt man: Er war nie etwas anderes als Peter Pan."
Für Daniel Kothenschulte ist Johnny Deep die erste Wahl für die Besetzung des Mannes, der nicht aufhörte, sich wie ein Kind zu fühlen. "Selten ist ein Familienfilm in letzter Zeit behutsamer ins hemmungslos Melodramatische geglitten, selten hat man uns so wirkungssicher die Heultränen heraus gekitzelt. Denn auch die phantastische, weltvergessene Romantik ist ja ein schwieriges Vermächtnis aus der Barrie-Zeit. Auch wenn sich alles ganz anders zugetragen haben sollte. Das Nimmerland, in das dieser Film führt, ist genau das Richtige: Jener Ort, in dem das, was später in Kommerzialisierung verschwinden sollte, die hemmungslose Anbetung der Kindheit, noch mit sich im Reinen war."
für Christina Tilmann ist Johnny Depp ein liebenswürdiges großes Kind, ein sanfter Träumer. "Immer mehr spitzt sich der Film zu auf die Auseinandersetzung zwischen Barrie und Peter, dem Fantasten und dem Realisten. Und auf die Frage, wie viel Fantasie erlaubt ist, wenn es um Leben und Tod geht. Sie sind von Anfang an ebenbürtige Kontrahenten: Der Erwachsene, der lieber noch Kind wäre, und das Kind, das zu schnell erwachsen geworden ist. Und beide Male war es der Tod, der die Karten vertauscht hat."
Anke Westphal ist begeistert von Johnny Depp. In dem eher tragischen denn heiteren, aber auch zart versponnen Film brilliert der Schauspieler. Das eigentlich bewegende "an diesem Film ist die Zartheit, mit der die Liebe zwischen Barrie und Sylvia Llewelyn Davies in der Unausgesprochenheit belassen wird, um die Kinder in den Vordergrund zu rücken: Ihretwegen verbirgt Sylvia ihre Krankheit so lange als möglich; ihretwegen überwindet sich Barrie dazu, wieder einen Kampf in der wirklichen Welt aufzunehmen - den um die Sorge für Sylvias Jungen. ... dieser Film überwindet die Grenzen eines Erzählens, das die Fantasie mit den Mitteln der Realität inszenieren muss. In der Welt der Fantasie können ausgestopfte Enten quaken."
Für Michael Althen gelingt es Johnny Depp quasi an seinem phänomenalen Aussehen vorbeizuspielen. "Wie schon EDWARD MIT DEN SCHERENHÄNDEN und ED WOOD verleiht er auch Barrie jenen Ausdruck kindlichen Staunens, der zwar nicht so maskenhaft wie bei Buster Keaton wirkt, aber von einer ähnlichen Reinheit des Herzens kündet. Unter den Schauspielern Hollywoods ist Johnny Depp die begnadete Traumfigur, die schlafwandlerisch zu verwirklichen scheint, wovon diese Filme erzählen. Sein Spiel dementiert auch alle pädophilen Lesarten ... Marc Forster, ein Schweizer deutscher Herkunft und seit Halle Berrys Erfolg in MONSTERs BALL ein Liebling der Schauspieler, erzählt diese Geschichte eher schematisch, aber am Ende nicht weniger wirkungsvoll."
Infos, Links und Kommentare vorab bei filmz.de.
Oliver Rahayel hat einen Kostüm- und Ausstattungsfilm, gerade in den Fantasie-Sequenzen gesehen. "Doch all die schönen Entwürfe dienen allein dazu, die mal gegensätzlichen, mal ganz ähnlichen Wirklichkeitsebenen miteinander zu verweben. Das Tempo ist von einer gewissen Beschaulichkeit gekennzeichnet, der man jedoch zugute halten kann, dass sie eben nicht übermäßig dramatisiert, nicht mal beim melodramatischen Ende. Dennoch fesseln und amüsieren die zentralen Szenen, etwa die Uraufführung des mit großer Skepsis erwarteten Stücks "Peter Pan", bei der mit Hilfe der Fantasie sogar unterschiedliche gesellschaftliche Klassen zueinander finden. Weit mehr als beispielsweise Spielbergs direkte Auseinandersetzung mit Barries Werk gelingt es Forster, dem Faszinosum von Peter Pan auf die Spur zu kommen und etwas davon zu vermitteln, was bis in die heutige Zeit strahlt."
Die die Reise nach Nimmerland wurde für Daniel Kothenschulte zum Trip ins Schlummerland. "Die hemmungslos verklärende, aber vorzüglich erzählte Annäherung an den einigermaßen vergessenen Dramatiker im Umfeld von Wells und Shaw hätte Besseres verdient."
Für Bernd Teichmann spielt Johnny Depp den Autoren mit einer betörenden Sanftheit. "Ein federleichtes, gnadenlos sentimentales, aber souverän austariertes Kino-Wunder."