Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

DER KAUFMANN VON VENEDIG

DER KAUFMANN VON VENEDIG

Regie Michael Radford
Kinostart 21.04.2005

Kritiken • DER KAUFMANN VON VENEDIG

22. April 2005 | DER KAUFMANN VON VENEDIG • Kritik • Berliner Zeitung

Dem Stoff wurde Unspielbarkeit attestiert, schreibt Stephan Speicher. "Michael Radford als Regisseur hat sich mit der Frage nicht lange aufgehalten und den Weg ins Allgemein-Menschliche, Psychologisierende beschritten. Der Antisemitismus der Christen ist in seiner Rohheit stark hervorgehoben, die Grausamkeit des Vertrags (mit dem Recht auf ein Pfund Fleisch des Schuldners) also motiviert. Man könnte sich stärkere geistige Anstrengungen vorstellen, aber zu deren Ersatz gibt es prominente Darsteller. Allen voran Al Pacino als vital verbitterter Shylock, dazu Jeremy Irons als Antonio. Die stoische Seite seines Charakters kommt nicht recht zur Geltung."

21. April 2005 | DER KAUFMANN VON VENEDIG • Kritik • Die Tageszeitung

Toleranztheater nennt Philipp Bühler diese Sorte Kino. "Michael Radfords Verfilmung, tatsächlich die erste in Ton, ist nicht schlecht. Sie läuft nur ein wenig zu rund angesichts der brachialen Inkonsistenzen, die uns Shakespeare zugemutet hat. ... Radford macht Shakespeares venezianischen Maskenball zum Toleranztheater, wie man es vom heutigen Mainstream erwarten kann. Die Shakespeare-Experimente eines Kenneth Branagh sind Geschichte. Die Besetzung besticht, mit der Ausnahme Pacinos, als durchweg zweitrangig und geht mit einer eher schwermütigen Rezitation auf Nummer sicher. Der Kern des Stücks, die Geburt des Antisemitismus aus dem Geist der Komödie, bliebe gänzlich unerforscht, wäre da nicht der letzte, jener verfluchte fünfte Akt, die offene Wunde."

21. April 2005 | DER KAUFMANN VON VENEDIG • Kritik • Der Tagesspiegel

Venedig ist nicht schön, meint Daniela Sannwald. "Nicht in Michael Radfords Shakespeare-Verfilmung jedenfalls, in der es nur tintenschwarze Kanäle, dunkle Palazzi, Säulengänge in dichtem Nebel und Prunksäle gibt, deren Decken niederzusinken scheinen. Die Bewohner dieser traurigen Stadt sind reich: Sie tragen schwere Seidengewänder, große Federhüte, Samtcapes, Degen. Und sie sind melancholisch ... Al Pacino spielt Shylock, als hätte er sein ganzes Leben auf diese Rolle gewartet: Der Schauspieler, der ohnehin mühelos jede Szene beherrschen kann, packt mit eindringlichen großen Monologen, in denen es um Gleichheit und Freiheit geht."

21. April 2005 | DER KAUFMANN VON VENEDIG • Kritik • Frankfurter Rundschau

Sascha Westphal ist fasziniert vom Spiel des Al Pacino. "Seine großen Monologe treffen einen ins Herz, aber sie verlieren durch Pacinos Psychologisierung etwas von ihrer scharf geschliffenen poetischen Brillanz. So bestätigt Radfords Der Kaufmann von Venedig einmal mehr, dass es heute, nach dem Holocaust, nicht mehr möglich ist, Shylock so zu spielen, wie er einst geschrieben wurde. Noch ist Pacino also nicht an seinem Ziel angekommen. Auf seiner Suche hat er nun eine Figur unserer Epoche gefunden und bleibt damit weiter ein Fremder, diesmal allerdings in der Welt Shakespeares."

21. April 2005 | DER KAUFMANN VON VENEDIG • Kritik • Frankfurter Rundschau

"Die eng am Original bleibende Inszenierung bekam viele Vorschusslorbeeren. Gelobt wurden die Schauspieler, die opulenten Bilder und die nuancierte Darstellung des Konflikts."

21. April 2005 | DER KAUFMANN VON VENEDIG • Kritik • Neues Deutschland

Anke Engelmann findet den KAUFMANN VON VENEDIG irritierend. "Regisseur Michael Radford ist mutig genug, in seiner Verfilmung die Ecken und Kanten des schwierigen Stoffs nicht glattzubügeln. ... Hinter dem uns verstörenden kulturellen Konflikt verblassen die komödiantischen Elemente, so, wenn Altmeister Shakespeare mit den Geschlechtern spielt und die Darstellerinnen dem Verwirrspiel mit deutlicher Spielfreude folgen. Der Film besticht zudem durch seine opulente Bilderwelt, seine kräftigen Farben und durch seine Bedächtigkeit, die dem Rhythmus der Vorlage geschuldet ist. Ein wunderbares und irritierendes Werk, dem man hier zu Lande mehr Aufmerksamkeit wünscht, als in den USA."

20. April 2005 | DER KAUFMANN VON VENEDIG • Kritik • fluter.de

DER KAUFMANN VON VENEDIG ist, man glaubt es kaum, eine Komödie. Dass sich dahinter eine jüdische Tragödie verbirgt, ist eine moderne Lesart, der sich auch die Verfilmung von Michael Radford anschließt, schreibt Philipp Bühler. "Mal ehrlich, was kann mit dem guten alten Al Pacino in der Rolle des Shylock schon schief gehen? Leider enttäuscht die übrige Besetzung als durchweg zweitrangig. Aber Shylocks große Verteidigungsrede ("Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht?") sollte man gehört haben. Dass Venedig dafür eine tolle Bühne bietet, versteht sich wohl von selbst."

20. April 2005 | DER KAUFMANN VON VENEDIG • Kritik • br-online.de

Als opulente und beeindruckende Adaption des Shakespeare-Stücks, mit Starbesetzung inszeniert vor der Kulisse Venedigs, betitelt Margret Köhler den KAUFMANN VON VENEDIG. Der Regisseur "balanciert geschickt zwischen Tragödie, Romanze und Komödie, zwischen harten Worten und zartem Liebesgeflüster, Intoleranz, Eifersucht und venezianischer Liberalität. Dabei legt er den Finger auf die Wunde, prangert Diskriminierung, Vorurteile und Rachegelüste an. Auch wenn es um Anti-Semitismus geht, sei der Film in keinster Weise anti-semitisch ... DER KAUFMANN VON VENEDIG beeindruckt durch hohen Schauwert und durch seine Schauspieler, allen voran Al Pacino, der in großer Verzweiflung und Bitternis den Underdog bis zur Schmerzgrenze verkörpert und eine neue Facette seiner Schauspielkunst darbietet. Für Klassik-Freunde ein absolutes Muss."

April 2005 | DER KAUFMANN VON VENEDIG • Kritik • film-dienst 08/2005

Unterm Strich bleibt für Ulrich Kriest wenig mehr als eine filmische Verbeugung vor den Schauwerten Venedigs, ein paar exzentrische Nebendarstellerleistungen und eine wirklich aufregende Gerichtsszene.
"Vergeblich versucht Radfords Film, das romantische Liebesspiel, an dessen Schluss drei glückliche Paare stehen, mit dem drastischen antisemitischen Diskurs des Stückes, die barbarische und die dennoch nachvollziehbare Erbarmungslosigkeit Shylocks mit der kaum kaschierten Homosexualität der Beziehung zwischen Bassanio und Antonio auszubalancieren, was zu wenig mehr als einem Abhaken der jeweiligen Konflikte führt. Jede Inszenierung vonDER KAUFMANN VON VENEDIG steht oder fällt mit der Darstellung des Shylock, der hier mit Engagement von Al Pacino gespielt wird."

05. September 2004 | DER KAUFMANN VON VENEDIG • Kritik • SPIEGEL Online

Für Wolfgang Höbel beginnt der Film sehr behäbig, aber dann findet er "doch einen schönen Rhythmus und den Mut zu überrraschenden Wendungen. ... Das schönste Schauspielkunststück des Films aber zeigt Al Pacino: Wenn sein Shylock erst von der eigenen Tochter verlassen ist, verwandelt er sich mit lobenswertem Understatement in einen schmerzgebeugten Kümmerling, der mit zusammengepressen Lippen und todtrauriger Stimme ganz cool nach Gerechtigkeit verlangt - dass dieser Kerl Antonio nach dem Leben trachtet, entspringt nicht dem Hass, sondern der Verzweiflung über die Gemeinheit der Welt. Das ist so packend gespielt, dass man am Ende von Pacinos/Shylocks großem Auftritt vor Gericht tatsächlich ganz atemlos im Kinosaal sitzt."

Weitere Filme, die euch interessieren könnten

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 0,36138