| Regie | Marco Kreuzpaintner |
Tobi und Achim freuen sich auf die Fahrt ins Sommercamp und den damit verbundenen Ruderwettkampf. Mit dabei ist auch Achims Freundin Sandra. Während sich zwischen den beiden eine immer engere Beziehung entwickelt, fühlt sich Tobi in den Hintergrund gedrängt. Plötzlich taucht anstelle der heiß erwarteten Berliner Mädchengruppe das schwule Ruderteam "Die Queerschläger" auf. Diese können nicht nur unerwartet gut rudern, sondern sind schnell dabei, mit gängigen Klischees aufzuräumen. Tobi ist überfordert und kann sich nicht auf das Training konzentrieren. So mündet der Abend nicht nur wettertechnisch in einem wahren Sturm...
Für Hans-Dieter Seidel ist der Film aus dem Ruder gelaufen. SOMMERSTURM schwankt zwischen "zwischen krachlederner Belustigung und unversehens überraschender Poesie des Innehaltens".
Matthias Heine hat sich "an der Variation des Ewiggleichen" erfreut. Der Witz ist "allerdings ein Trojanisches Pferd. Denn unter der mal gut gelaunten, mal romantischen Oberfläche von SOMMERSTURM verbirgt sich ein edles Anliegen. Tobi ist wahrscheinlich der erste Homo in einem deutschen Publikumsfilm, der keine aufgekratzte Tucke, kein Schwächling, kein Ledermacho und kein dauergeiles, narzisstisches Fitnessstudiomonster ist - oder was an Schwulenklischees sonst noch gehandelt wird -, sondern ein stinknormaler Bub aus Oberbayern, der gerade deshalb solche Probleme hat, als er bemerkt, dass die Gefühle für seinen Kumpel Achim nicht nur freundschaftlich sind."
Julian Hanich hat gemerkt, "dass der Regisseur sich ein paar Gedanken gemacht hat, bevor er die Kamera aufstellen ließ. Am schönsten und überzeugendsten ist dabei die Metapher des Ruderns. In einem Film, in dem es darum geht, dass einer anders als die anderen ist, trifft Rudern den wunden Punkt. Denn in dieser Sportart müssen alle im Takt schlagen. Da darf man nicht mit den Gedanken am anderen Ufer stehen. ... Kreuzpaintner erzählt eine sensible Coming-of-Age-Coming-out-Geschichte."
Für Sven von Reden hat SOMMERSTURM Humor, "ist aber keine Komödie. Kreuzpaintner erzählt den Klassiker aller Dramen: eine Dreiecksgeschichte." Der Kritiker hat den Eindruck, als wollte der Regisseur "seinen Zuschauern keine visuellen Geschmacklosigkeiten oder inhaltlichen Extreme zumuten. ... Alles an SOMMERSTURM ist gut gemacht, gut gemeint, pädagogisch wertvoll - und ein bisschen harmlos. Vielleicht spiegelt der Film gerade deshalb so überzeugend die trotz Rechtschreibreform und Montagsdemos weiterhin gesetzte und gut bürgerliche bundesrepublikanische Wirklichkeit."
Bei den Film paßt einfach alles, meint Bernhard Blöchl. "Die Schauspieler, der Erzählton, die Musik, der Humor, die Dramaturgie. Sommersturm, beim Filmfest München Anfang Juli mit dem Publikumspreis ausgezeichnet, ist so ein Film. Ein offenherziges Sück junges Kino zum Verlieben."
UIrike Scherwinski spricht mit dem Schauspieler Robert Stadlober über Selbstbewusstsein, Unsicherheit und seinen neuen Film SOMMERSTURM.
Für Adriano Sack schildert SOMMERSTURM "amouröse Verwirrungen in einem Zeltlager für jugendliche Rudermannschaften und gilt als Lackmustest, was Toleranz des Multiplex-Publikums betrifft. Denn im Mittelpunkt steht das Coming-out eines Jungen." Einer der Hauptdarsteller ist Robert Stadelober. "Er ist zu alt für die Rolle, aber gut wie nie. Er zeigt in diesem schönen, stellenweise arg gefälligen Film einen modernen Anfänger-Schwulen: ziemlich verwirrt und deshalb total normal."
Für Hans-Jörg Marsilius bleibt mancher Gag "auf dem Niveau eines Kalauers stehen", aber in SOMMERSTURM findet sich eine sehr eigene, aparte "Atmosphäre, die zwar konsequent auf die gute Laune des Zuschauers abgestimmt ist, aber auch ihre auf charmante Weise provozierenden Momente hat. Kam in den Komödien der frühen 1980er-Jahre beim Thema Homosexualität kaum mehr als ein derber Witz heraus, so zeichnen Marc Kreuzpaintner und sein Co- Autor Thomas Bahmann die Umstände von Tobis schwierigem Coming Out bemerkenswert sicher, ehrlich und amüsant nach. Kaum etwas ist übrig von der tiefgründigen Schwere früherer Filme zu diesem Thema, was sicher auch davon zeugt, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten gesellschaftlich einiges verändert hat."