| Regie | Francois Dupeyron |
Monsieur Ibrahim kennt das Geheimnis des Glücks: Er steht dem jungen Moses bei den ersten wesentlichen Lebenserfahrungen bei, zeigt, wie man(n) Brigitte Bardot eine Flasche Wasser überteuert verkauft und woran man eine reiche Gegend erkennt. Er sensibilisiert für die großen und kleinen Freuden des Alltags, offenbart das Geheimnis des Lächelns, erklärt, wie man einer Frau Komplimente macht, oder warum man nur das behalten kann, was man verschenkt.
Fritz Göttler hat ein kleines Porträt über den Schauspieler Omar Sharif geschrieben.
"Eine unerschöpfliche Quelle für Poesiealbum-Weisheiten" hat Daniel Bax in diesem "Versöhnungsmärchen" entdeckt. Da der Film sich so dahinschleppt, fragt sich der Kritiker, warum "ein derartiges Versöhnungsmärchen gerade jetzt großen Anklang findet, wo die interreligiösen Beziehungen gerade in Frankreich so angespannt sind wie noch nie. Aber vielleicht ist ja genau das der Grund: die Sehnsucht nach einem unschuldigen Urzustand der Harmonie."
Lange habe Omar Sharif auf diese Rolle warten müssen, meint Fritz Göttler. "Es ist ein Film der Tautologie, das heißt einer, in dem ständig Leere, Lieb- und Lustlosigkeit drohen. Die Kamera ist merklich nervös, aber mit orientalischer Konzentration kann man dem sinnlosen Drive des Westens Widerstand leisten. Es ist alles und nichts gesagt in den Sätzen, mit denen Ibrahim Momo füttert, und wenn er sich in seinem Laden in Bewegung setzt, wird die Zeit dickflüssig, so langsam sind seine Bewegungen, mit denen er die Regale nachfüllt - man muss in ihm auch eine Art Wiedergänger sehen des Taxi Driver, den Omar Sharif in der Serie MYTHES URBAINS gab."
Bewußt hat sich der Regisseur für den "Märchenton" entschieden, resümiert Christina Tilmann. Für die Rolle des Monsieur Ibrahim hätte der Regisseur "keinen besseren finden können als Omar Sharif. Der einzige arabische Schauspieler, der richtig Karriere in Hollywood machte, der Weltstar, der sich in den letzten Jahren verärgert aus dem Kino zurückzog, geht mit wunderbarer Lockerheit durch diesen Film."
Für Cosima Lutz atmet der Film "den französischen Rock'n'Roll der 60er Jahre". "Auf der Himmel-Fahrt durch Europa, bei der die Kamera aus dem Auto ins Blau hinaufschaut und sich in ihm dreht, während Sharif aus dem Off die Handschrift der Länder an ihrem Duft abliest, wird der Film selbst schwerelos wie im Tanz. ... Am Ende aber traut der Film seiner eigenen Beweglichkeit nicht recht."
Der Film ist einfach nett, meint Andreas Kilb; ein Film, dessen Eigenart es ist, auf Lebendiges zu schauen, als wäre es tot. Der Regisseur inszeniert mit "knappen, gefälligen, hektischen Bildern einer Handkamera, die den Gestus von Godards AUßER ATEM zu imitieren versucht und dabei gelegentlich die Hauptfiguren aus dem Blickfeld verliert. Wenn der Film zwischendurch für kurze Zeit zur Ruhe kommt, erkennt man auf der Leinwand Menschen wie auf einem Gemälde von Balthus." Ohne Omar Sharif wäre der Film nicht der Rede wert."Aber wenn es so etwas wie die Magie des alternden Kinostars gibt, dann ist sie hier am Werk."
Nett sei der Film, meint Andreas Kilb; ein netter Film, dessen Eigenart es ist, auf Lebendiges zu schauen, als sei es tot. Der Regisseur inszeniert mit "knappen, gefälligen, hektischen Bildern einer Handkamera, die den Gestus von Godards AUßER ATEM zu imitieren versucht und dabei gelegentlich die Hauptfiguren aus dem Blickfeld verliert. Wenn der Film zwischendurch für kurze Zeit zur Ruhe kommt, erkennt man auf der Leinwand Menschen wie auf einem Gemälde von Balthus." Ohne Omar Sharif wäre der Film nicht die Rede wert. "Aber wenn es so etwas wie die Magie des alternden Kinostars gibt, dann ist sie hier am Werk."
Andrea Dittgen findet den Film wunderbar leicht, "immer dann, wenn sich Dupeyron darauf konzentriert, den Zeitgeist einzufangen". Die Atmosphäre stimmt. "Dagegen wirken die Szenen mit Ibrahim und Momo im Laden stets ein wenig bemüht, zumal bei den leicht philosophischen Gesprächen im Hintergrund auch noch Songs erklingen wie "Why Can't We Live Together" und die beiden Protagonisten nie richtig Streit bekommen, weil der gute Ibrahim immer lächelt und alles im milden Licht seiner Religion betrachtet. Doch Omar Sharif, inzwischen 71, spielt den lebensweisen Muslim mit bemerkenswerter Zurückhaltung und einer Nonchalance, die ihn ins Zeitlose, Märchenhafte entrückt."