ERBSEN AUF HALB 6

film-zeit Film: ERBSEN AUF HALB 6
Regie Lars Büchel

Inhalt • ERBSEN AUF HALB 6

Jakob Magnuson, ein erfolgreicher Theaterregisseur, verliert bei einem Verkehrsunfall sein Augenlicht - und damit auch jegliche Lebensperspektive. Er trifft auf Lilly Walter, die geburtsblind ist. Zusammen begeben sie sich auf eine Reise quer durch Europa. Eine Reise voll skurriler Begegnungen und liebenswerter Momente. Langsam entsteht sie, die Liebe. Die Liebe zwischen zwei Menschen, die einander die Welt beschreiben und begreifbar machen.

Kritiken • ERBSEN AUF HALB 6

05. März 2004 | Kritik • Berliner Morgenpost

Stefan Grund schreibt ein Porträt der Schauspielerin Fritzi Haberlandt.

04. März 2004 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Gunter Göckenjahn hat sich zwar in dem Film nicht gut amüsiert, aber viel über deutsche Filmförderung gelernt. "Die Förderer der Kinowirtschaft ... setzen gern aufs Triviale in gehobener Verpackung. Und das Seichte im Prunkkostüm ist Büchels Spezialität. Er arbeitet, man kennt das von JETZT UND NIE, mit problembeladenen Menschen und hübschen Bildern. ... Vermutlich um der künstlerischen und menschlichen Tristesse dieser Standard-Liebesgeschichte zu entgehen, schickt das Drehbuch Lilly und Jakob auf eine lange Reise, die leider zu einem Ausflug durch exotische Versatzstücke des Kunstkinos gerät."

04. März 2004 | Kritik • Der Tagesspiegel

Kerstin Decker ist einwenig übel geworden: "ERBSEN AUF HALB 6 ist wie eine Torte, auf die der Konditor immer noch ein Sahnehäubchen spritzt, und wir müssen alles aufessen". Der Film hat von allem etwas zu viel.
"Dass das Kino, dieses Medium der Sichtbarkeit, das Sprache durch Bilder (teil)ersetzt, sich ausgerechnet zwei Helden sucht, die seine Welt nicht teilen können, ist mutig. Und es legt eine aufregende Doppeldeutigkeit über alles. Nicht nur als Jakob und Lilly durch Rapsfelder laufen, immer wieder ganz nah aneinander vorbei, ist die Gefahr nicht weit, dass das Poetisch-Skurrile umschlägt in Taktlosigkeit. Es passiert nie."

04. März 2004 | Kritik • Die Welt

Für Elmar Krekeler ist ERBSEN AUF HALB 6 "kein Behindertenfilm, kein Film über eine Behinderung. Er ist ein Film über die Liebe und über das Sehen. Büchel spielt beides virtuos aus." "Die Regeln der filmischen Schwerkraft hätten die Legende von Lilly und Jakob zu Boden strecken müssen. Hätten Lars Büchel ins Stolpern bringen müssen. Über mindestens eine der unzähligen goldenen Lebensweisheiten, die in seinem Film herumliegen wie Fallstricke ... Büchel wäre garantiert gestolpert, hätte er es mit Realismus versucht. Büchel aber lässt alle Logik fahren und erzählt ein Märchen. ... Schon lange war kein Film mehr akustisch so aufregend ... Und was noch seltener ist: Lange ist kein Film mehr derart traumwandlerisch sicher durchs Minenfeld der Klischees gekommen."

03. März 2004 | Kritik • Die Tageszeitung

Kathrin Bettina Müller schreibt ein Porträt der Schauspielerin
Fritzi Haberlandt. Die Rolle der blinden Lilly hat die Schauspielerin "herausgefordert, mit offenen Augen das Sehen zu verlernen: eine Übung darin, dem Sein mehr zu vertrauen als dem Schein. Man glaubt es ihr jeden Augenblick, die Übersetzung der Erfahrung aller Sinneseindrücke (außer dem Augensinn) in innere Bilder von einer Intensität, die Sehende nur schwer erreichen."

03. März 2004 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Für Andreas Kilb ist der Film "ein angestrengter Könnerfilm geworden". "Es gibt ein paar Metaphern, die die Handlung strukturieren, Regentropfen, Fahnen im Wind; und viel talentiertes Gefuchtel mit Plot und Subplot, das der Story weder auf die Sprünge hilft noch ihr ganz den Garaus macht. Es ist eher so, als sähe man die Liebesgeschichte durch einen Schleier filmischer Ideen, die wenig oder gar nichts mit ihr zu tun haben." Die wirkliche Könnerin des Films ist die Hauptdarstellerin: "die Selbstverständlichkeit, mit der sie Lillys Blindheit spielt, verschlägt einem die Sprache. Wenn sie in die Kamera sieht, ist es, als hätte sie ihren Blick nach innen gedreht. Sie schaut nicht, sie lauscht; ihr ganzer Körper ist ein einziges Lauschen und Tasten, ein Horchen und Fühlen in die Dunkelheit hinein."

2004 | Kritik • film-dienst 05/2004

Horst Peter Koll hat ein kleines Wunder gesehen. Der Regisseur geht souverän mit den Bildern um, sensibilisiert die Zuschauer "für eine andere, 'innere' Logik und Glaubwürdigkeit der Geschichte. Mit liebevollem Forscherdrang nutzt er die Kunstgeheimnisse des idyllisch-gefühligen, uneingeschränkt affirmativen Erzählkinos, das in Hollywood zwangsläufig in eine triviale Schnulze münden würde, wobei auch Büchel nicht die geringsten Berührungsängste vor (vermeintlicher) Trivialität und herzerreißender Gefühligkeit zeigt. Da er jedoch inzwischen eine beachtliche handwerkliche Perfektion und Souveränität erreicht hat, gelingt ihm der Spagat auf dem schmalen Grat von absichtsvollem 'Kitsch' und lustbetonter Ironie nahezu immer, mit der er die Handlung anreichert und 'intellektualisiert'."

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