| Regie | Daniel Burman |
| Kinostart | 21.07.2005 |
Die traurig-komische Geschichte einer Identitätsfindung hat Ulrich Seidler überzeugt. Der Regisseur erzählt "auf wundervoll leichte und fröhliche Weise, wenn nicht die eigene, so doch eine typische Geschichte seiner Generation. Wundervoll ist daran, dass die Geschichte eigentlich dunkel ist, traurig, unlösbar, depressiv. ... Der Film transportiert Bedeutungstiefe durch Lebensnähe. Entscheidend sind bei solchem Wunder natürlich die Darsteller. Daniel Hendler leiht Ariel seinen müden Blick, gewinnt mit jedem Schnitt, der ihn tiefer er in seine eigene Geschichte stößt, an Sympathie. ... Dieser Film ist so traurig wie das Leben. Aber glücklicherweise ist das Leben auch mindestens so komisch wie dieser Film."
Analog zur unsicheren Identität seiner Hauptfiguren lässt der argentinische Regisseur Daniel Burma in seinem Film die Bilder wirbeln, schreibt Christina Nord. "Das Schöne an EL ABRAZO PARTIDO ist, dass diese agile, nervöse, von Hand geführte Kamera niemals als Störfaktor, sondern als etwas dem Film Wesentliches erscheint. Ihr Flirren geht eine überzeugende Verbindung mit den Dialogen, den Erinnerungen und den Schrullen und Anekdoten der Figuren ein. Burman wählt hierfür bisweilen brutale Pointen."
Als brillante Miniatur bezeichnet Jan Schulz-Ojala den Film. "Regisseur Daniel Burman ist erst 32 und das hier - nach eigenem Drehbuch - schon sein vierter, ganz wunderbarer Film. Ramiro Civitas Handkamera: Erst ist sie unruhig, dann guckt man sich in sie ein und versteht jede ihrer oft witzigen, manchmal ungläubigen Unruhen ... Miniaturen das alles, Alltagsfussel, Anekdoten, Szenen von Lädchen zu Lädchen, so eng manchmal, dass die Kamera durch Glas filmen muss, aber das Glas ist so schön dünn hier zwischen den Leuten."
Intensität und Komik hat Karsten Visarius wahrgenommen. "Die ödipale Komödie im Herzen der argentinischen Krise verleiht Ariels Sinn- und Identitätssuche einen schelmischen Charakter. Doch die Fragilität eines Identitätsentwurfs, der auf der Vertreibung der Großeltern beruht, bleibt die melancholische Grundlage eines Films, der überraschende Wendungen und am Ende ein überaus menschliches Vaterbild bereithält. ... Die Ruhelosigkeit der vaterlosen Hauptfigur überträgt sich auf die Kameraführung. Figuren und Bilder werden durch einen inflationären Gebrauch des Zooms buchstäblich hin- und hergerissen."
Gunnar Decker vergleicht die Hauptfigur mit dem Werther von Goethe. "Das Zugleich von vielen Absichten und einigen Rücksichten, kleinen Egoismen und großen Idealen - es ist kaum auszubalancieren im Alltag. Aus Verbindungen werden Verstrickungen und Flucht ist irgendwann keine Hoffnung mehr, sondern eine Befürchtung. Ariel wird umständlich erwachsen, es schmerzt ein wenig, aber zur echten Tragik fehlen ihm die großen Themen. Wie Burman mit leichter Hand ein Generationenbild entwirft, Handlungspartikel in die Ladenstraße streut und sie dann souverän wieder einsammelt, das prägt sich auf stille Weise ein."
Wunderbar ist dieser Film für Birgit Glombitza. Begleitet wird die Hauptfigur "von einer Kamera, die seiner Sprunghaftigkeit geschmeidig folgt und stets auf Augenhöhe mit ihm bleibt. Zu seinen mal abgeklärten, mal anrührenden Ausführungen lässt sie leichte Schwermut in den Bildern aufziehen. Letzlich ist El Abrazo Partido ein Abschied, der einfach kein Ende finden kann. ... Doch trotz aller Warmherzigkeit, die das wimmelige Nebeneinander der Sprachen und Kulturen grundiert, hütet sich El Abrazo Partido vor der selbstgenügsamen Multikulti-Idylle. Noch in der kleinsten Nebenfigur schwingt der Schmerz der Entwurzelung, der abgebrochenen Biografie."
Über weite Strecken ist der Film leichtfüßig und ironisch, meint Stefanie Zobl. "Das Übel wird mit Humor betrachtet, mit jüdischem Witz eben. Und trotzdem schwingt wie beim argentinischen Tango auch ein Stückchen Melancholie mit. ... Von den liebenswert schrulligen Charakteren, die im Einkaufszentrum "La Galeria" ihre Läden betreiben, verabschiedet man sich dagegen nur ungern: In 90 Minuten hat man mehr als nur einen oberflächlichen Einblick in ihr Leben, Lieben und Leiden nehmen dürfen und wurde mit manch origineller Anekdote bestens unterhalten."
Als warmherzig bezeichnet Margret Köhler EL ABRAZO PARTIDO. "Der Film ist gleichzeitig eine heitere Betrachtung des Wahnsinns der Normalität und des alltäglichen Überlebenskampfes. ... Mit verblüffender Leichtigkeit behandelt Daniel Burman existenzielle Themenkomplexe, er verzichtet dabei auf tiefschürfende Dialoge, aber nicht auf Tiefe. Die Annäherung zwischen Vater und Sohn entwickelt sich in einem schmerzhaften Prozess, beide müssen sich den Problemen der Vergangenheit stellen, bevor sie das Wagnis von Familienbindung eingehen und sich zögerlich umarmen. Nach der Versöhnung ist nicht nur Ariels, sondern auch unsere Welt wieder in Ordnung und ein Stückchen hoffnungsfroher."
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Aus unspektakulären Zutaten hat der Regisseur laut Felicitas Kleiner ein fein nuanciertes Porträt entwickelt, mit dem er über Identität und Zukunftsperspektiven einer Generation meditiert. "Burmans Film erzählt von einer schwierigen Suche nach dem Platz im Leben: innerhalb eines Landes und einer Kultur, einer Nachbarschaft, einer Familie. Die Kamera, die sich beweglich an die Fersen der Figuren heftet, reflektiert diese Suche und die innere Unruhe Ariels auf suggestive Weise. Patentlösungen, wie man zu sich selbst und zu einem glücklichen Leben finden kann, bietet der Film seinem Protagonisten nicht."
Für Diedrich Diedrichsen war zu viel vorhersehbar, die kleine Welt ist sehr überschaubar. "Erwartungen auf Essenzielles werden jedoch, auch das gefällt an DIE VERLORENE UMARMUNG, systematisch enttäuscht." Der Umgang mit Hand- und Wackelkameras ist überaus inspiriert.
Michael Kohler will gern etwas Positives über diesen Film sagen, es geht aber nicht. Der Kritiker kommt um das Wort "belanglos" nicht herum. "Die Geschichte um einen verlorenen und am Ende wiedergefundenen Vater plätschert im ästhetischen Niemandsland zwischen Seifenoper und Lindenstraße vor sich hin, mit einer Ansammlung menschlicher Originale, die allesamt wie falsche Fuffziger daherkommen."
Kerstin Decker hat erst allmählich gemerkt, "dass unter all der Leichtigkeit, dem Witz in Handlung, Bild und Schnitt (!) etwas sehr, sehr Schweres liegt". Der Regisseur inszeniert mit leichter Hand auf dünnem Eis. "Daniel Hendler spielt seinen Ariel als wunderbaren DurchschnittsEgal-Typus: überdurchschnittlich durchschnittlich. Sehr antiidealistisch, unereichbar für alle höheren Ideen."