| Regie | Patrice Leconte |
| Kinostart | 30.12.2004 |
Heike Kühn ist nicht begeistert. Für sie ist der Regisseur mit dem Film unter die Laubsägearbeiter gegangen. "Bedauerlicherweise ist der Film so damit beschäftigt, diese Konstellation als verrucht zu feiern, dass ihm der Sinn fürs sinsistre Detail abhanden kommt. Die Plaudertasche und der Zugeknöpfte spionieren einander hinterher und entdecken Bruchstücke der eigenen und fremden Lebenslügen, die so spannend sind wie ein Satz Memory-Karten. Die Neurosen gehen paarweise auf, das Perverse ist ein Baukastenprinzip. Geht nicht, gibt's nicht."
Gerhard Midding führt ein Interview mit dem Regisseur.
Kerstin Decker hat ein grandioses Kammerspiel gesehen. "Es war einer der skurrilsten Filme auf der diesjährigen Berlinale und vielleicht gehörte das unvergesslichste Gesicht dieser Berlinale Fabrice Luchini. Es ist ganz Maske (Fassung!) und doch wird der kleinste seelische Abdruck darauf lesbar wie bei einem Kind. ... Patrice Leconte hat einen Film für zwei Personen, einige Randfiguren und ein ewig halbdunkles Büro gemacht. Es ist ein Kammerspiel; mit der sehr übersichtlichen Zahl von Mitwirkenden und Schauplätzen eher etwas fürs Theater, könnte man denken. Und doch ist INTIME FEINDE ganz Kino, ein Film, erzählt über die Nahaufnahmen der Gesichter. Und was Faber und Anna sagen, ist genauso wichtig wie das, was sie nicht sagen."
Für Barbara Schweizerhof ist der Film viel mehr als eine wunderbare Verwechslungskomödie. "Leconte erfüllt die Grundbedingungen des Genres, geht aber andere, heimlichere Wege, die das Interesse zunächst weniger offensiv, dann aber immer nachhaltiger binden. Das Missverständnis zwischen William und Anna klärt sich bald auf, um durch ein raffinierteres Spiel ersetzt zu werden- die beidseitige Übereinkunft, daran festzuhalten. Anna kommt einfach weiter zu den Sitzungen. Wo die Romanze beginnen könnte, hält der Film gleichsam den Atem an und schreibt sie als therapeutischen Schwebezustand fest."
Infos, Links und Kommentare vorab bei filmz.de.
Nicht von ungefähr beginnt der Film mit einer klassischen Fehlleistung, meint, Michael Kohler. Das "Kammerspiel um Sehnsüchte und Projektionen ist eine süffisante Persiflage auf die psychoanalytische 'Talking Cure', jene Methode des frei assoziierenden Sprechens, mit der das französische Kino schon immer eine geheime Verwandtschaft zu pflegen schien. Es wird viel geredet in diesem Seelenstriptease, und je mehr geredet wird, desto verwirrender erscheint die delikate Angelegenheit. ... Mit amüsierter Nachsicht verfolgt Leconte die Fallstricke dieser unstandesgemäßen Beziehung und zitiert mit diebischer Freude die Klischees, von denen die Übersetzung psychoanalytischer Begriffe in Kinobilder bis heute zehrt."
Christiane Peitz bescheinigt dem Film eine gute Idee, einen guten Anfang, eine gute Besetzung, aber irgendwie ist der Film verwirrend, schlecht einzuordnen. Der Regisseur legt in diesem sentimentalen Thriller "ziemlich viel offen. Zeigt sein Handwerkszeug her, etliche Kinotricks fürs Angstmachen, Lustmachen und Spaßmachen und mokiert sich darüber."
Der Regisseur genießt zu sehr das, wie er sagt, meint Harald Fricke. Deshalb bleibt alles irgendwie unentschieden.