Ulf Erdmann Ziegler schreibt über den amerikanischen Kritiker David Denby (The New Yorker) und was dieser über Bertolucci's Film sagt.
Christiane Peitz hat "verwöhnte Bürgerkinder" gesehen, die sich "in eine kapriziöse, klaustrophobische, naiv-obsessive, inzestuöse, auch homoerotische ménage à trois" spinnen - "Kunsthandwerk, Softporno, Altmännerfantasie". "Die Kamera gibt den Voyeur, zeigt Schenkel, Lenden, Schamhaar, Genitalien, Honig um den Mund und Blut im Gesicht des frisch entjungferten Mädchens". DIE TRÄUMER "leisten sich geschwätzige, gefallsüchtige Bilder. Bitte, versteht uns."
"Reines Kino, Verführung, Verheißung und ein Versprechen" sieht Oliver Hüttmann in DIE TRÄUMER. Der Regisseur inszeniert "sinnlich und kokett", ohne voyeuristisch zu sein. Der Film ist "ein traumwandlerischer Nachruf auf eine Utopie, mit der sich auch Bertolucci als Träumer ausweist und einer der letzten Meister erlesener Tableaus, von dem man sich als Cineast gerne für zwei Stunden verführen lässt."
Georg Seesslen deckt einige "ödipale" und symbolische Konstruktionen des Films auf. Er findet den Film "ziemlich unverschämt"; darin liegt seine eigentliche Poesie. "Die Botschaft, wenn man denn schon eine suchen will, in DIE TRÄUMER liegt in der Offenheit, der Freiheit, der Leichtigkeit, mit der sich der Regisseur zugleich in seinem eigenen Kosmos und in der Geschichte der Revolte bewegt. Vielleicht muss man eben doch einen gewissen Reifegrad haben, um an diesen magischen Ort vor der Revolution zurückzukehren."
Daniel Kothenschulte haben die Filmzitate des Regisseur "ein ums andere Mal entwaffnend". Aus einer Laune des Augenblicks erzählt er unverkrampft und nie belehrend eine kleine Geschichte des Kinos. "Es geht ihm nicht um einen gewichtigen Kanon dessen, was man gesehen haben müsste, sondern um das einfache Glück, das man erfahren kann, wenn man dem Kino Einlass in das eigene Leben gewährt." Die visuellen Einfälle des Regisseur ersetzen zahlreiche Debatten. DIE TRÄUMER "ist eine lustvolle Rückkehr, verspielt und charmant, mal smart und mal entwaffnend naiv".
Birgit Glombitza sieht einen "gealterten Regisseur" vor sich, "der es sich auf dem Hochsitz des Väterlichen gemütlich gemacht hat". Er interessiert sich nicht für "eine präzise Reanimierung vergangener Utopien", sondern "konstruiert an der Handlung, werkelt am Licht, biegt und fummelt und nimmt sich dabei vor den eigenen Klischees nicht in Acht. Beschlagene Optik zu bebenden Unterlippen und den Verheißungen aufgeknöpfter Kleider. Schamhaar, Brust und Schwanz werden den Danksagungen an die Verdienste der sexuellen Revolution zum Trotz aufgeregt als Ungeheuerlichkeiten präsentiert."
Geist und Gefühl der Studentenbewegung werden recht genau getroffen, meint Harald Jähner. Der Regisseur inszeniert "die politische Radikalität dieser Jugend vor einem sexuellen Hintergrund". Der Kritiker verzeiht dem Regisseur einiges, weil die Schauspieler, die eher dem Retrolock entspringen, gut sind, der Soundtrack zauberhaft und der Regisseur ehrlich bleibt.
"Viel Action gibt es nicht, und doch passiert eine Menge", meint Rüdiger Suchsland. Der Film schaut den Hauptfiguren beim Leben zu und reflektiert über das Kino. Der Regisseur inszeniert die "Erotik des Kinos" schwelgerisch, pathetisch, nostalgisch - "als Erinnerung an ein Kino, das nicht Unterhaltung und Eskapismus im Sinn hatte, sondern Befreiung". Die Figuren des Films "denken Kino, leben Kino, sind Kino".