| Regie | Edward Zwick |
Traumatisiert von den amerikanischen Kriegen gegen die Indianer, soll Captain Algren 1876 in Japan eine Armee aufbauen, um den Samurai-Rebell Katsumoto, der sich gegen die Öffnung zum Westen wehrt, in die Knie zu zwingen. Aber er erleidet eine vernichtende Niederlage und gerät in Gefangenschaft. Hier findet er bei den stolzen Kriegern seine Selbstachtung wieder, die er in der Heimat verloren hatte.
"Verkitscht, verklärt und vereinfacht" ist LAST SAMURAI, meint Oliver Hüttmann. Dem Regisseur "ist nicht daran gelegen, das Für und Wider eines kulturellen Austausches oder gesellschaftlicher Entwicklungen aufzuzeigen. Es geht ihm allein um den Kämpfer. Um Kampftechniken."
Für Fritz Göttler ist es "ein winterlicher Film". Er hat "die Kälte der Berge in den Bildern, und, viel viel stärker noch, die Eisigkeit der neuen japanischen Gesellschaft" gespürt. Der Kritiker wurde daran erinnert, was "das Wort Bedachtsamkeit einst fürs Actionkino bedeutet" hat, nämlich "wirklichen Konzentration und Selbstbeherrschung".
Anke Westphal findet den Film "unbedeutend". Der Schauspieler Tom Cruise kann die Kritikerin nicht überzeugen, "als Darsteller geht er stur mechanistisch vor; kontemplativ veredeln lässt er sich kaum". Der Regisseur "feiert den Wertekonservatismus, indem er alte Kriegstechniken gut aussehen lässt". Am Ende hat der Kritikerin auch noch "ein deutliches Gefühl des Befremdens" beschlichen ob der "kultureller Überheblichkeit", mit der das amerikanische Ende inszeniert ist.
Andreas Busche findet das ganze Projekt LAST SAMURAI vermessen, für ihn ist der Film ein "Beispiel eines äußerst subtil praktizierten Kulturimperialismus".
Anke Leweke hat ein "interkulturelles Tauschgeschäft", daß sie nicht wirklich überzeugt. "Der pathetischste Moment des ganzen Films ist auch sein lächerlichster: Nach einer Reihe von Initiationen stapft Cruise endlich schweren Schrittes mit einer original Samurai-Rüstung zur finalen Schlacht – und wirkt doch nur wie ein etwas zu klein geratenes Panzernashorn." Der Film ist in "bleischwere Spiritualisierung" mit "verlogenem Ehrgetöse" inszeniert.
Michael Kohler vergleicht LAST SAMURAI mit den Western des John Ford und findet viele Gemeinsamkeiten, im guten wie im schlechten. Der Kritiker wünscht dem Regisseur "mehr Redlichkeit im Umgang mit den inneren Widersprüchen seines Werks". "Wo man John Ford noch Arbeit am Mythos zugesteht, riecht es bei seinen Nachfolgern nach Revanchismus." Der Film geht erstaunlich unkritisch mit Helden- und Opfertod um.
Für Peter Zander bleibt die Story - obwohl er vier Phasen erkennt, in denen sich Hollywood von Asien inspirieren läßt - absolut amerikanisch. Aber er entdeckt auch einen kritischen Blick des Regisseurs auf die USA. Der Film thematisiert nie "die fragwürdige, ja reaktionäre und letztlich tödliche Rückwärtsgewandtheit der Samurai".
Anja Popovic und Franziska von Mutius berichten über den Berlin-Aufenthalt des Stars Tom Cruise. Angeblich will der Schauspieler auch irgendwann in Berlin drehen.
Andreas Conrad berichtet von der Europa-Premiere im Sony-Center in Berlin mit dem Stargast Tom Cruise.
Für Alexander Visser kann LAST SAMURAI mit der Weisheit eines Akira Kurosawas nicht mithalten. "Er inszeniert die japanischen Ritter als letzte Hüter der Ehrenhaftigkeit in einer verkommenen Welt. Und bietet gekonntes Schwertballett und schöne Aufnahmen von fallenden Kirschblüten vor japanischer Kulisse." Wer keine historische Korrektheit erwarten, kommt beim dem Epos auf seine Kosten.
Für Andreas Kilb besteht die echte Begabung Tom Cruise in der Darstellung von Lernprozessen. In seinen Gesichtszügen schreibt sich "eine ganze archaische Kulissenwelt ..., die Welt des sterbenden Rittertums, der Bauern und Krieger mit ihren altmodischen Begriffen von Tapferkeit und Ehre" ein. "Das alles ist natürlich eine romantische Lüge, aber so, wie Cruise diese Fiktion aufsaugt, wirkt sie wider besseres Wissen glaubhaft, weil die Sehnsucht, die hinter ihr steht, wahrhaftig ist." Das Ende ist dann "Pulverdampf" und "martialischer Kitsch".
Patrick Roth führt ein Interview mit Tom Cruise.
Aus Anlaß der Europapremiere des Films Berlin reflektiert Bodo Traber über den klassischen Abenteuerfilm, den Hollywood gerade wieder neu entdeckt.
Uwe Schmitt meint, daß sich kein Regisseur so demütig vor Akira Kurosawa verneigt hat wie Edward Zwick. Der Autor gibt einige Antworten auf die Frage, warum gerade jetzt Hollywood Japan entdeckt.
Für Rüdiger Suchsland ist der Film "Hollywood-Action", der aber sein Thema - die Fremdheit - überaus ernst nimmt, dieses "differenziert und variantenreich" darbietet. Für den Kritiker steht in der Inszenierung "der Western Pate, die Samurai funktionieren wie die Indianer". "Stilistisch bietet der Film atemberaubendes Kino; in den besten Momenten verschmelzen Kurosawa-Bilder mit einem Old-School-Studiostil. Die Inszenierung der Kampfszenen ist technisch herausragend, bleibt aber auch in punkto Martial Arts immer westlich."