DER GROSSE DIKTATOR

film-zeit Film: DER GROSSE DIKTATOR
Regie Charles Chaplin
Kinostart 30.12.2004

Inhalt • DER GROSSE DIKTATOR

Diktator Hynkel herrscht in Tomania und bereitet hinter dem Rücken von Bacterias Herrscher Napoloni die Invasion des Nachbarlandes Austerlich vor. Juden und anders Denkende werden in Tomania grausam verfolgt: So auch ein jüdischer Friseur, der sich in die Jüdin Hannah verliebt. Kommandeur Schulz, dem der Friseur zuvor das Leben rettete, konnte sie jedoch vor den Übergriffen der Sturmtruppen schützen. Als er durch seine menschenfreundliche Haltung bei Hynkel in Ungnade fällt, wird er in ein Konzentrationslager eingewiesen. Er kann das Ghetto nicht mehr schützen. Es gelingt ihm aber bei seinem Freund unterzutauchen. Bei einer Razzia werden sie entdeckt und kommen beide ins KZ. Ihnen gelingt die Flucht. Beide tragen Uniform, aufgrund der Ähnlichkeit des Friseurs mit Hynkel kommt es zu einer Verwechslung. Der echte Hynkel wird eingesperrt und der Friseur hält an seiner Stelle die Rede vor dem gerade eroberten Volk von Austerlich.

Kritiken • DER GROSSE DIKTATOR

31. Dezember 2004 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte hat sich von diesem Film wieder gefangen nehmen lassen. "Da ist etwas an Chaplins DER GROSSE DIKTATOR, das diesen ersten Anti-Nazi-Film der Geschichte immer wieder aufs Neue strahlen lässt. Nicht, weil der Film nicht gealtert wäre. Im Gegenteil, die pathetische Schlussrede des mit einem Mal nicht mehr schweigsamen Clowns verrät eindeutig die Entstehungszeit. Und auch nicht, weil der Nachschub an traurigen Anlässen, einen antifaschistischen Film zu zeigen, nicht abreißen will. Nein, obwohl es die gleichen Filmrollen sind, die ein ums andere Mal durch die Projektoren laufen, scheint dieser Film immer wieder neu zu sprechen - und das mag daran liegen, dass hier wirklich jemand zum ersten Mal den Mund aufmacht."

31. Dezember 2004 | Kritik • Junge Welt

Nach Andreas Hahn kannte Chaplin die Probleme der Hitlerdarstellung nur zu genau. "Zwei Dinge sind an DER GROSSE DIKTATOR bis heute richtungsweisend. Zum ersten erkannte Chaplin das Hohle der faschistischen Ästhetisierungen zu einer Zeit, als andere noch vor Riefenstahls Olympiafilm auf dem Bauch lagen. Immer wieder geht es in dem Film um Inszenierungen. ... Zum zweiten die spezielle Verwendung von Sprache. DER GROSSE DIKTATOR war Chaplins erstes "talkie" (sehr verspätet: 1940!) und gleich ein Film über Effekte von Redefiguren."

30. Dezember 2004 | Kritik • Berliner Zeitung

Auch heute hat die Abschlußrede im Film nichts von der Glaubwürdigkeit ihres Pathos verloren, stellt Josef Schnelle fest. "Die restaurierte Fassung des Films in brillanten Kopien nach dem Original-Negativ kommt nun passend zur immer noch um sich greifenden Nazi-Nostalgie im Kino und im Fernsehen heraus. Auch die Stimme Charles Spencer Chaplins ist da zu hören. Ein einzigartiges Erlebnis, auch wenn Sie ein paar Untertitel lesen müssen. Die größten Meisterwerke des Kinos sind die, die niemals zu altern scheinen. DER GROSSE DIKTATOR ist eines davon."

30. Dezember 2004 | Kritik • Die Welt

Für Peter Zander war es das Jahr des Hitlers. "Obschon Chaplin Hitlers Blitzsiegen kaum hinterherdrehen konnte - das Drehbuch wurde am 1. September 1939 beendet, als Hitler nach Polen einmarschierte, die Europa-Premiere fand im Oktober 1940 statt, als halb Europa überrannt war -, hatte er ihn so in seinem Wesen, seinen Gesten und Gelüsten entlarvt, daß diese Darstellung noch heute Bestand hat. Dagegen wird ein Bruno Ganz im UNTERGANG schnell vergessen sein - weil der nur auf Rekonstruktion setzte, wo es im "Diktator" um "Re-Inkarnation" geht."

30. Dezember 2004 | Kritik • Die Tageszeitung

Gertrud Koch untersucht unterschiedliche Hitler-Darstellungen. "Es sieht so aus, als habe Chaplin seine Signatur auf Hitler gebrannt. Die Diskrepanz zwischen einer einzelnen Person und einer totalitären Erweiterung von Macht bis zur völligen Vernichtung ist in sich grotesk. Ein Verhältnis eines Einzelnen zur Macht, das praktisch geworden war und auf viele als Träger dieser Macht angewiesen war. Will man Hitler darstellen, dann muss man sich mit dem Bild befassen, das er von sich zu geben so bemüht war; die Folgen dieses Verhältnisses sind freilich weitaus erschreckender als die Person, die sie nach eigenen Plänen eingerichtet hat. Deswegen sind alle Hitlerfilme auf die eine oder andere Weise Farcen. Ihre Qualität zeigt sich daran, ob sie wenigstens das an Hitler verstanden haben."

30. Dezember 2004 | Kritik • Neues Deutschland

DER GROSSE DIKTATOR hat Hitler an seiner empfindlichsten Stelle getroffen, an seiner Lächerlichkeit, meint Gunnar Decker. "Seine Parabel auf den gefährlich-militanten Kleingeist der Expansionisten ist darum ebenso komisch wie radikal. Später sagte Chaplin, wenn er gewusst hätte, welches Ausmaß die Verbrechen Hitlers annehmen würden, hätte er diesen Film wohl nicht gedreht. Nicht drehen können. Das wäre schade gewesen, denn gerade die verspielte Leichtigkeit der Demontage des Wichtes als Weltherrscher macht sie so überzeugend. So unwiderruflich."

29. Dezember 2004 | Kritik • Der Tagesspiegel

Peter W. Jansen meint, "so kalt der aktuelle Hitler einem alle Dummheit kühl berechnenden Kopf entstiegen ist, so emotional kam Chaplins Hynkel aus einem Bauch voller Wut. ... Man kann streiten, ob hier nicht nur noch Chaplin selbst und nicht mehr die Filmfigur spricht. Und ob die Humanität in direkter Rede nicht alle Transzendenz des Kunstwerks beschädigt. Doch es gibt geschichtliche Situationen, wir wissen es spätestens seit Auschwitz, in denen keine Ästhetik mehr stimmt."

23. Dezember 2004 | Kritik • Die Zeit

Peter Kümmel freut es, daß eine neu restaurierte Fassung wieder in die Kinos kommt. "Man kann den Film in brillanter Ton- und Bildqualität im Original mit Untertiteln sehen, was man tun sollte, um sich von den mulmigen Hitler-Einfühlungs- und Austreibungsbemühungen des deutschen Kinos und Fernsehens zu erholen. Es tut gut, Hitler, den man so oft als fürchterliches, tiefes Genie sah, nun wieder als wahnsinnigen Kellner zu erleben."

Dezember 2004 | Kritik • filmz.de

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