Andreas Busche findet, daß der Film "in zwei Stunden keine Balance zwischen öffentlichem und privatem Menschen findet". Insofern müssen einfach Lücken bleiben. Cinemascope wäre besser gewesen als Fernsehformat. Nur die Schauspieler bieten großes Kino feil.
Keine Reformation im Kino, findet Daniel Haas. Er fühlte sich einwenig wie im Religionsunterricht. Poltiisch korrekt wird die opulente Geschichte erzählt, ausgelassen wird weniger wünschenswertes. "Aber den politischen Menschen Luther nimmt diese Filmbiografie auch gar nicht in den Blick; es ist mehr der Eiferer, der Glaubensheld und Gewissenskämpfer, der in Tills Interpretation zu uns gelangt." Was fehlt sind narrative und dramaturgische Akzente.
Daniel Kothenschulte findet Luther sexy, eben ein richter " Entertainment-Luther". Joseph Fiennes gibt einen wunderschönen "Reformator als Titanen für Mädchenträume". Aber das Showbusiness genügt nicht, "wo es interessant (hätte) werden könnte, verschleiert der Film die historischen Positionen zu einem allgemeinen Leidensbild".
Für Kerstin Decker (und ebenso für Friedrich Schorlemmer) stimmt der Geist des Films. In diesem "Bildungskino" wird vieles richtig gemacht. Allen voran die Riege der Schauspieler, die für Qualität bürgen.
Kerstin Decker führt ein Interview mit dem Schauspieler Peter Ustinov.
Detlef Friedrich hat keinen deutschen Luther, sondern einen zutiefst hollywoodschen Luther gesehen: Mit "Dolby-Wehmutsstreichorchester"; mit einem wunderschönen Luther, der innerhalb von 30 Jahren nicht altert; mit historisch unkorrekten Szenen. "Ein amerikanischer Zuschauer wird sich nicht darüber ereifern (schließlich ist es nicht seine Geschichte)."
Olivia Schoeller berichtet über die Uraufführung des Films in Washington. "Martin Luther ist ein Held, wie Amerika ihn mag: Er ist kein Übermensch, der geradlinig seinen Willen durchsetzt."
Rolf-Ruediger Hamacher findet den Film authentisch, ein "spannendunterhaltender Schnellkurs zum Thema Reformation". Dem Regisseur sind stimmungsvollen Tableaus wichtiger als effekthascherische Szenerien. Die Schauspieler überzeugen, allen voran Peter Ustinov, Bruno Ganz und Joseph Fiennes.