| Regie | Lars von Trier |
Für Tom Holert basieren die "wirklich berührenden und betörenden Momente von DOGVILLE ... alle auf jener experimentellen Struktur, die mit universalisierenden Erklärungen der menschlichen Taten auch die Kontrolle über diese Taten gewährleistet soll". Alles verschmelzt "zu einer Lars-von-Trier-Maschine allgemeiner Gültigkeit": Laboratorium, Panoptikum, Theaterbühne, Dokumentarismus, Studio, Stars.
Für Oliver Hüttmann bringt ein Film wie DOGVILLE dem Kino nichts. Er findet die Haltung von Lars von Trier "starrsinnig, elitär, ja reaktionär", "hochtrabend und fortschrittsfeindlich". Zwar sind Bühnenbild, Drehbuch, Schauspieler großartig. ABER: die Schauspieler wirken starr, die Stimme aus dem OFF wie eine Bibelstunde. Allerdings gibt der Kritiker dem Film zugleich das größte Kompliment: man merkt "erst im Schlussakt der neun Kapitel für wenige wirklich gespenstische Minuten, dass alles auf Bühnenbrettern spielt."
Daniel Kothenschulte findet "die Schauwerte, die gerade die theatrale Inszenierung bereithält, ausgesprochen überraschend". Allerdings scheint der Kritiker mit der Autorität dieses Regisseurs diverse Schwierigkeiten zu haben: "In der Filmgeschichte gehört DOGVILLE trotz seines begrenzten Spielorts zu den imponierenden und stets befremdlichen Zeugnissen eines ästhetischen Kontrollzwangs."
Für Anke Westphal macht Lars von Tier derzeit das " interessanteste anmaßende Theater". Sie hat viel entdeckt in dem Film: "einen Western beispielsweise und eine Predigt, die "Dreigroschenoper" samt Seeräuber-Jenny, den galoppierenden Formalismus einer Versuchsanordnung und grundsätzliche Systemkritik".
Jan Schulz-Ojala hat ein bestechend düsteres Lehrstück gesehen: "Großes Lehrstück vom Nehmen und Geben, vom Leiden und Vergelten, von Schuld und Sühne in der Hölle namens Erde." Am Ende wurde ihm langsam, aber sicher kalt beim Sehen von DOGVILLE. Eigentlich nicht abendfüllend findet der Kritiker den Stoff, aber daß er trotzdem hinsieht, liegt an den "großartig polyphon, aber stets gedämpft agierenden Star-Ensemble".
Lars von Trier macht das "das Kino zum Raum religiös-ethischer Reflexionen über Erlösung und Vergebung, aber auch soziologischer Reflexionen über Schein und Sein", findet Ulrich Kriest. Die statische Bühnenkomposition dieses epischen Theaters vergißt der Zuschauer schnell durch die hervorragende Kamera und Montage.
Urs Jenny porträtiert den Regisseur Lars von Trier.