Das Filmfestival Venedig wird bilanziert. Es bekam laut Dominik Kamalzadeh (FREITAG) Preisträger, die es in seiner Vielfältigkeit nicht verdient. Filme, die ein ästhetisches Wagnis eingingen, wurden nicht berücksichtigt. Das Filmfestival war viel besser als die Entscheidungen der Jury, behauptet Katja Nicodemus (ZEIT).
Alle drei Hauptpreisträger sind mit deutschen Geldern gefördert und von deutschen Firmen wenigstens koproduziert worden, lobt Michael Althen (FAZ); über die Sternstunden des deutschen Films schreibt Peter Zander (WELT). Susan Vahabzadeh (SZ) und Daniel Kothenschulte (FR) freuen sich für den mutigen und konsequenten Gewinner. Dominik Kamalzadeh (STANDARD) nennt die Preisvergabe eine Konsensentscheidung. Auch in diesem Jahr nahm die Mostra einen zähen Auftakt, um sich im Laufe der Zeit zu steigern, meint Susanne Ostwald (NZZ). Das Filmfest entfaltet seine Stärke im Politischen, meint Christina Tilmann (TSP). Christoph Huber (PRESSE) sah ein starkes Plädoyer für die Vielfalt des Kinos. Rüdiger Suchsland resümmiert bei der FILMZENTRALE. Über die Preisverteilung beim 66. Filmfestival in Venedig berichten die SZ, die ZEIT und der SPIEGEL. Mit Peter Zander (WELT) sprach der Hamburger Fatih Akin über unwichtig-wichtige Filmpreise, das Risiko, eine Komödie zu drehen und einen makabren Eklat in seinem Film SOUL KITCHEN (
).
Nach harten Typen und viel Wut im Bauch hat Regisseur Fatih Akin beim Filmfest in Venedig einen komischen Film im Gepäck, schreibt Peter Zander (WELT). Filmfestivals überfordern Anke Westphal (BLZ) ständig durch ihr schier unglaubliches Angebot ... das ist aber wohlgemerkt schöner Stress. Cristina Nord (TAZ) sag glückliche Frickler. Rückenprobleme scheinen das große Thema des diesjährigen Filmfests zu sein, stellt Christina Tillmann (TSP) fest. Beim Filmfestival von Venedig schwelgen die Filmemacher in diesem Jahr vor allem in Endzeitvisionen verschiedenster Art, meint Rüdiger Suchsland (ARTECHOCK). Shirin Neshats Women Without Men (
) ist ein Höhepunkt beim Festival in Venedig. Der Film erzählt die Geschichte von weiblichem Leid im Teheran des Jahres 1953 und Rüdiger Suchsland (FAZ) spricht mit der Filmkünstlerin. Außerdem ist das letzte Rätsel beim 66. Filmfestival gelüftet: LOLA (2009) (
) des philippinischen Regisseurs Brillante Mendoza ist der zweite Überraschungsfilm des Wettbewerbs, wie der STANDARD berichtet.
Besprochene Filme:
SOUL KITCHEN (
) von Fatih Akin
WOMEN WITHOUT MEN (
) von Shirin Neshat
THE TRAVELLER von Ahmed Maher
VILLALOBOS von Romuald Karmakar
Wunden gibt es immer wieder - so auch beim Filmfest in Venedig, wo Zombies, Revolutionäre und postapokalyptische Nomaden ums Überleben kämpfen, findet Wolfgang Höbel (SPIEGEL). Für Peter Zander (WELT) gab es einen Paukenschlag zum Festival-Ende: Die Themen sind Putsch und Krieg, und preisverdächtig. Cristina Nord (TAZ) lobt die Frivolität. Daniel Kothenschulte (FR) schaut auf den äußeren und inneren Sumpf. Über Götterdämmerung in gottloser Welt schreibt Christoph Huber (PRESSE). Rüdiger Suchsland (FILMZENTRALE) hat eine israelische Geisterbahnfahrt mitgemacht.
Besprochene Filme:
LEBANON (
) von Samuel Maoz
WOMEN WITHOUT MEN (
) von Shirin Neshat
Survival of the Dead (
) von George A. Romero
Peter Zander (WELT) empfiehlt, gelungene Filmfestivals künftig in George Clooneys zu messen. Das Kino kann noch viel lernen von der Politik, meint Anke Westphal (BLZ). Dass ein großes Filmfestival von politischen Scharmützeln begleitet wird, ist nichts Neues; neu ist in diesen Tagen, wie oft dies geschieht, konstatiert Cristina Nord (TAZ). Christina Tillmann (TSP) schaut auf starke Frauen und schöne Männer. Kontraste hat auch Dominik Kamalzadeh (STANDARD) ausgemacht. Während im Wettbewerb trotz einigen starken und formal interessanten Filmen der grosse Wurf noch auf sich warten lässt, laufen ausser Konkurrenz einige der interessantesten Beiträge des Festivals, stellt Susanne Ostwald (NZZ) fest. Venedig ist eine Baustelle, schreibt Rüdiger Suchsland (ARTECHOCK) in sein Festival-Tagebuch. Die Politikerin Alessandra Mussolini und der Bürgermeister von Verona fühlen sich von dem Film eines Rumänen beleidigt, wie die PRESSE mitteilt.
Besprochene Filme:
DER INFORMANT! (
) von Steven Soderbergh
SOUTH OF THE BORDER von Oliver Stone
The Men Who Stare at Goats von Grant Heslov
Über Szenen aus dem Politzirkus schreibt Susan Vahabzadeh (SZ). Dagegen befand sich Cristina Nord (TAZ) im Zirkus des Erzählens. Rüdiger Suchsland (FILMZENTRALE) stellt drei Fragen an Shirin Nesat. Felicitas Kleiner (FILM-DIENST) macht Revisionen des Genrekinos als Schwerpunkt in diesem Jahr aus.
Besprochene Filme:
SOUTH OF THE BORDER von Oliver Stone
DER INFORMANT! (
) von Steven Soderbergh
36 ANSICHTEN DES PIC SAINT LOUP von Jacques Rivette
WHITE MATERIAL von Claire Denis
Zum Kapitalismuskritiker wird Daniel Sander (SPIEGEL) bei den Filmfestspielen in Venedig wie von allein. Michael Alten (FAZ) schreibt über den Schwätzer und die letzten Dinge. Cristina Nord (TAZ) freut sich über politisches Kino. Alles hängt mit allem zusammen, stellt Christina Tillmann (TSP) fest. Daniel Kothenschulte (FR) schaut auf Kamel und Nadelöhr. Nicht alle Filme haben Dominik Kamalzadeh (STANDARD) überzeugt. Bei der FILMZENTRALE veröffentlicht Rüdiger Suchsland seine Venedig-Erlebnisse.
Besprochene Filme:
KAPITALISMUS: EINE LIEBESGESCHICHTE (
) von Michael Moore
WHITE MATERIAL von Claire Denis
PERSéCUTION von Patrice Chéreau
MY SON, MY SON, WHAT HAVE YE DONE von Werner Herzog
Sinnsuche ist das große Thema beim Filmfestival in Venedig, immer wieder geht es um Leben im Ausnahmezustand, meint Christoph Huber (PRESSE). Über die Ökonomie der Seelenpflege schreibt Dominik Kamalzadeh (STANDARD). Für Peter Zander (WELT) gab es nur eine schwache Ausbeute bei den Filmfestspielen am Lido. Dagegen hat Christina Tillmann (TSP) sogar zwei Höhenflüge gesehen.
Anke Westphal (BLZ) hat Buhs und Beifall bei den Werner Herzog-Filmen ausgemacht. Rüdiger Suchsland (FILMZENTRALE) fragt, wer der Filmemacher Werner Herzog ist und gibt natürlich gleich die Antwort. Michael Althen (FAZ) glaubt, dass, wenn Abel Ferrara den Schluss von BAD LIEUTENANT - PORT OF CALL: NEW ORLEANS zu Gesicht bekommen sollte, er eigenhändig für Werner Herzogs langsamen, qualvollen Tod wird sorgen wollen.
Zwei Gesichter werden auf den Festivals für immer fehlen, das ebenso junge wie bereits hoch respektierte Filmkritikerpaar Nika Bohinc und Alexis Tioseco wurde am 1. September in Manila ermordet. Daniel Kothenschulte (FR) erinnert an sie, ebenso wie Ekkehard Knörer (CARGO).
Besprochene Filme:
BAD LIEUTENANT - PORT OF CALL: NEW ORLEANS von Werner Herzog
LOURDES (
) von Jessica Hausner
THE ROAD (
) von John Hillcoat
LIFE DURING WARTIME (
) von Todd Solondz
BAARIA (
) von Giuseppe Tornatore
[REC] 2 von Jaume Balaguero und Paco Plaza
Während Baustellen von der Zukunft der venezianischen Filmfestspiele künden, verneigt sich der Eröffnungsfilm tief und schief vor der Vergangenheit. Zum Glück gibt es auch gleich ein Gegengift zu sehen, meint Michael Althen (FAZ). Das Kino hat überall eine Menge mit Schönheit zu tun, aber nirgendwo mehr als in Italien, behauptet Daniel Kothenschulte (FR). Auf sehr unterschiedliche Weise verhandeln die ersten Biennale-Filme grundlegende Fragen menschlichen Miteinanders, entdeckt Dominik Kamalzadeh (STANDARD). Rüdiger Suchsland (ARTECHOCK) schreibt wieder in sein Festival-Tagebuch: Es gab Gefühl, Erdbeben, Kühe und eine grüne Revolution.
Besprochene Filme
THE ROAD (
) von John Hillcoat
LIFE DURING WARTIME (
) von Todd Solondz
BAARIA (
) von Giuseppe Tornatore
[REC] 2 von Jaume Balaguero und Paco Plaza
Tobias Kniebe (SZ) wurde in dem Eröffnungsfilm des 66. Filmfestivals in Venedig etwas mulmig zu mute; auch Anke Westphal (BLZ) ist enttäuscht. Als belanglosen Bilderbogen bezeichnet Christoph Huber (PRESSE) den Film. Die Vorführung des italienischen Eröffnungsfilm gleicht fast einem Staatsakt, sind doch hohe Erwartungen an ihn geknüpft, weiß Peter Zander (WELT). Cristina Nord (TAZ) hat auf Baustellen und im Horrorfilm den Überblick verloren. Das Festival findet in Notquartieren statt, meint Christina Tillmann (TSP).
Besprochene Filme
BAARIA (
) von Giuseppe Tornatore
[REC] 2 von Jaume Balaguero und Paco Plaza
Die 66. Filmfestspiele von Venedig eröffnen mit starker deutscher Beteiligung und einem roten Faden: Ob Kindersoldaten, Beziehungsdramen oder zerstörerischer Kapitalismus – die Filme scheinen auf der Suche nach Erlösung, wie Peter Zander (WELT) entdeckt. Auch Cristina Nord (TAZ) blickt zum Auftakt nach Venedig. Daniel Kothenschulte (FR) erwartet eine Film-Orgie. Der italienische und amerikanische Film ist laut Susanne Ostwald (NZZ) stark vertreten, wobei einige Highlights ausser Konkurrenz gezeigt werden. Dominik Kamalzadeh (STANDARD) entdeckt in der Line-up des Wettbewerbs eine reizvolle Konfrontation von Filmen arrivierter Autoren, junger Talente und altersloser Grenzgänger.