Der Oscar 2012 ist Geschichte. Die Siegerfilme THE ARTIST (
) und HUGO CABRET (
) sind hemmungslos nostalgisch. Aber in der Rückschau liegt laut Andreas Borcholte (SPIEGEL) auch eine Chance, die Hollywood dringend braucht. Es passt zu einem insgesamt harmoniebedürftigen, historienseligen Jahrgang, dass die beiden Filme redlich ihre Oscars geteilt haben, findet Jan Schulz-Ojala (TSP). Mit fünf Haupt-Oscars an den französischen Film verwahrt sich die Academy gegen die Kritik, ihre Preise seien längst anachronistisch geworden, resümiert Hannes Stein (WELT). THE ARTIST (
) war der ideale Sieger für die von Veralterung bedrohten Academy Awards, bilanziert Christoph Huber (PRESSE). Die Oscar-Verleihung 2012 war eine Verbeugung vor Hollywoods alten Meistern – in Zeiten der Kino-Krise, bilanziert Wenke Husmann (ZEIT). Susanne Janssen (NZZ) sah eine Show mit großen Emotionen. Ergreifende Momente blieben für Dominik Kamalzadeh (STANDARD) rar. Im Entgegennehmen von Trophäen hat Jean Dujardin inzwischen Übung, wie Isabella Reicher (STANDARD) feststellt. José García (TEXTEZUMFILM) und Oliver Heilwagen (KUNSTUNDFILM) rekapitulieren die Oscar-Verleihung ebenso.
Für die deutschen Filmschaffenden gab es wenig Grund zu feiern. Statt langer Gesichter zeigten sie jedoch guten Stil, wie Eva Schweitzer (ZEIT) bemerkt. Einen deutschen Oscar-Gewinner gibt es doch: Das in Frankfurt gegründete Unternehmen Pixomondo hat an Standorten rund um die Welt weite Teile von HUGO CABRET (
) errechnet. Christian Stöcker (SPIEGEL) gratuliert den Frankfurter Effekte-Tüftler.
Die offizielle Oscar-Show bot wenig Überraschungen, die wahren Gefühle gab es hinter der Bühne. Abseits des Star-Rummels feierten die unbekannten Oscar-Gewinner in den Nebenkategorien - auch wenn sich kaum jemand ihre Namen merken wird, wie Marc Pitzke (SPIEGEL) glaubt.
Die Gewinner der 84. Oscar-Verleihung
Bester Film: THE ARTIST (
)
Beste Hauptdarstellerin: Meryl Streep für DIE EISERNE LADY (
)
Bester Hauptdarsteller: Jean Dujardin für THE ARTIST (
)
Beste Regie: Michel Hazanavicius für THE ARTIST (
)
Bestes Drehbuch (Original): Woody Allen für MIDNIGHT IN PARIS (
)
Bestes Drehbuch (Adaption): Alexander Payne, Nat Faxon, Jim Rash für THE DESCENDANTS (
)
Bester Song: Bret McKenzie für DIE MUPPETS (
)
Beste Musik: Ludovic Bource für THE ARTIST (
)
Bester Nebendarsteller: Christopher Plummer für BEGINNERS (
)
Beste visuelle Effekte: HUGO CABRET (
)
Bester Animationsfilm: RANGO (
)
Bester Dokumentarfilm: UNDEFEATED von T.J. Martin, Daniel Lindsay
Bester Ton-Mix: HUGO CABRET (
)
Bester Ton-Schnitt: HUGO CABRET (
)
Bester Schnitt: Angus Wall, Kirk Baxter für VERBLENDUNG (2011) (
)
Beste Nebendarstellerin: Octavia Spencer für THE HELP (
)
Bester fremdsprachiger Film: NADER UND SIMIN, EINE TRENNUNG (
) von Asghar Farhadi
Beste Maske: DIE EISERNE LADY (
)
Bestes Kostüm: Mark Bridges für THE ARTIST (
)
Beste Ausstattung: Dante Ferretti, Francesca Lo Schiavo für HUGO CABRET (
)
Beste Kamera: Robert Richardson für HUGO CABRET (
)
In Hollywood werden der Oscar in einer Mammutshow verliehen. Doch der Glanz der Stars kann die Krise der Filmbranche nur kaschieren, meint Marc Pitzke (SPIEGEL). Hollywood träumt sich in seine Vergangenheit zurück, bemerkt Katja Nicodemus (ZEIT).
Für TRAFFIC bekam Steven Soderbergh selbst einen Goldjungen, jetzt betrachtet Regisseur das Oscar-Spektakel aber als verschwendete Lebenszeit. Im Interview mit Mariam Schaghaghi (SPIEGEL) lästert er über öde Dinnerpartys - und schwärmt von Gina Carano, der Männer verprügelnden Heldin seines neuen Films HAYWIRE (
).
Mit seinem Stummfilm THE ARTIST (
) gelang dem Franzosen Michel Hazanavicius die Film-Sensation des Jahres. In die Oscar-Gala geht er als Favorit. Ein Gespräch mit dem Filmemacher führt Anke Sternebourg (WELT).
Die Berliner Kostümbildnerin Lisy Christl ist mit ihrer Arbeit für Roland Emmerichs Shakespeare-Drama ANONYMOUS (
) für den Oscar nominiert; Annika Brockschmidt (TSP) portätiert sie.
Studenten des Professors und Drehbuchautors Richard Reitinger drehten den Kurzfilm RAJU, die Geschichte eines entführten Jungen in Indien. Jetzt soll er den Oscar holen. Elena Bartels (ZEIT) schreibt über die Geschichte von Kinderhandel, erfunden und doch wahr.
Experten sagen, THE ARTIST (
) gewinnt. Aber die fast 6000 Mitglieder der Oscar-Academy waren schon immer für eine Überraschung gut, steht im TSP. Mag sein, dass die Oscar-Verleihung in diesem Jahr vorhersehbar ist. Trotzdem gibt es unter den Oscar-Nominierten tolle Schauspieler und Filme zu entdecken, wie der SPIEGEL zusammenfasst.
In der Nacht zum Sonntag wird der Oscar vergeben. Zwanzig Jahre wartete Wim Wenders, bis die Technik für sein Projekt reif war, jetzt ist der deutsche Star-Regisseur mit dem 3D-Tanzfilm PINA (
) tatsächlich für einen Oscar nominiert. Der Regisseur gilt als Außenseiter - und glaubt doch an seine Geheimwaffe, wie Marc Pitzke (SPIEGEL) berichtet.
Daniel Kothenschulte (BLZ) wagt eine Prognose auf die Gewinner - und kommt zu dem Schluss: Es lebe der Stummfilm! Rüdiger Schaper (TSP) stellt Überlegungen zur angeblichen Nostalgiewelle auf der Leinwand. Frank Herrmann (STANDARD) schreibt über die Angst der Academy vor erfundenen Diktatoren und 3-D-Desserts. Comedian Sacha Baron Cohen will als Diktator General Aladeen Furore machen - und legt sich werbewirksam mit den Oscar-Veranstaltern an, wie der SPIEGEL berichtet.
Nur zwei Menschen auf der Welt wissen vorab, wer am Sonntagabend im Kodak Theatre in Los Angeles einen Oscar gewinnt. Teresa Schaur-Wünsch (PRESSE) erforscht, wie sich das anfühlt. Wenn Hollywoodstars am Sonntag über den roten Teppich flanieren, ist der Pro-7-Reporter Steven Gätjen live dabei. Im Interview mit Denise Jeitziner (TZ) verrät er, wie er die Stars vor die Kamera lockt und wer garantiert den Oscar gewinnt. Im kanadischen Drama MONSIEUR LAZHAR (
) ist geteiltes Leid halbes Leid. Der Gewinner des Publikumspreises in Locarno ist für den Oscar nominiert, wie Christoph Schneider (TZ) festhält.
Allerorten werden die Oscar-Nominierungen kommentiert. Zu den Verlierern dieser Saison werden realistische, politische Dramen zählen - und George Clooney, findet Andreas Borcholte (SPIEGEL). Jan Schulz-Ojala (TSP) schaut auf die Rückkehr der Retro-Filme, die dieses Oscar-Jahr beherrschen. Hanns-Georg Rodek (WELT) erinnert daran, wann zum letzten Mal ein Stummfilm nominiert war. Die neuen Stars werden die alten sein, resümiert Wenke Husmann (ZEIT), denn der Oscar wagt zu wenig.
Die Oscar-Nominierungen wurden bekanntgegeben. Es gab
11 Nominierungen für HUGO CABRET (
) von Martin Scorsese
10 Nominierungen für THE ARTIST (
) von Michel Hazanavicius
6 Nominierungen für GEFÄHRTEN (
) von Steven Spielberg
6 Nominierungen für MONEYBALL (
) von Bennett Miller
5 Nominierungen für VERBLENDUNG (2011) (
) von David Fincher
5 Nominierungen für THE DESCENDANTS (
) von Alexander Payne
4 Nominierungen für THE HELP (
) von Tate Taylor
4 Nominierungen für MIDNIGHT IN PARIS (
) von Woody Allen
3 Nominierungen für DAME, KÖNIG, AS, SPION (
) von Tomas Alfredson
3 Nominierungen für HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES 2 (
) von David Yates
3 Nominierungen für TRANSFORMERS 3 (
) von Michael Bay
2 Nominierungen für NADER UND SIMIN, EINE TRENNUNG (
) von Asghar Farhadi
1 Nominierung für PINA (
) von Wim Wenders
Alle wichtigsten Nominierungen stehen hier. Außerdem berichtet die BLZ, die NZZ und der STANDARD.
Die Oscar-Nominierungen wurden bekanntgegeben. Es gab
11 Nominierungen für HUGO CABRET (
) von Martin Scorsese
10 Nominierungen für THE ARTIST (
) von Michel Hazanavicius
6 Nominierungen für GEFÄHRTEN (
) von Steven Spielberg
6 Nominierungen für MONEYBALL (
) von Bennett Miller
5 Nominierungen für VERBLENDUNG (2011) (
) von David Fincher
5 Nominierungen für THE DESCENDANTS (
) von Alexander Payne
4 Nominierungen für THE HELP (
) von Tate Taylor
4 Nominierungen für MIDNIGHT IN PARIS (
) von Woody Allen
Alle wichtigsten Nominierungen stehen hier.