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AUF REISEN: AFRIKANISCHES KINO

AUF REISEN: AFRIKANISCHES KINO
Autor Marie-Helene Gutberlet
Seiten 200 Seiten
Preis 28,00 Euro
Verlag Stroemfeld Verlag, Frankfurt/Main
Datum VÖ
ISBN 3-86109-167-4

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Das Afrikanische Kino ist in der Öffentlichkeit weltweit heute noch immer ein Leinwandexot. "Auf Reisen: Afrikanisches Kino" eröffnet nicht allein der Filmwissenschaft neue Wege der Betrachtung dieser Kinematographie und seiner Geschichte. Der Band erzählt mit gleicher Eindringlichkeit von Neugier, Reiselust und Fernweh, die das Kino auf unnachahmliche Weise zu befriedigen versteht.

Das Afrikanische Kino ist keine Erfindung der 1950er Jahre, als die ersten afrikanischen Filmemacher sich dem Credo "Decolonize the Screens" anschließen. Bereits seit 1896 unternehmen Operateure Filmreisen von Kontinent zu Kontinent, unter anderem auch nach Afrika. Sie filmen und projizieren ihre Fundstücke bis in die letzten Winkel der Welt. Die vorurteilsfreie Lust am Entdecken, die dieses frühe Kino auszeichnet, scheidet bald aus der offiziellen Kinogeschichte aus. Es folgt die Zeit der Verfestigung kolonialer Herrschaft, in der die Trennung zwischen Zentrum und Peripherie fortgeschrieben wird. Nun interessiert Afrika als Rohstofflieferant, als ethnographischer Fundus und als exotisches Kinoerlebnis.

Mit den Augen des Westens bereist, durch seine Kameras beobachtet und in Szene gesetzt, wurde das wilde und urzeitliche Afrika erfunden. Hatte man damals gedacht, ein Portrait der Wilden zu zeichnen, erzählen die Filme aus heutiger Sicht von schüchterner Abwehr und ängstlicher Neugier der widerspenstigen Objekte. Und dort, wo man versuchte, die Wilden mit Filmen zu zivilisieren, unterliefen sie mit ihren unerwarteten Reaktionen die Einfalt kolonialer Filmpädagogik. Etwas ging schief mit dem kolonialen Kino, und es wurde ein Zufluchtsort für höhnisches Gelächter, groteske Scherze und böse Zungen.

Seit den 1950er Jahren machen sich afrikanische Filmemacher daran, ihre eigenen Filme zu realisieren. Das afrikanische Autorenkino eines Ousmane Sembene, Souleymane Cissé oder Djibril Diop Mambety wird seitdem auf internationalen Festivals als authentischer Ausdruck afrikanischen Filmschaffens gefeiert. Das Publikum in Accra, Yaounde, Dakar oder Algier bekommt diese Filme indes nur selten zu sehen; die Kinos in den Metropolen zeigen, wie überall, in erster Linie amerikanischen oder indischen Mainstream. Das Afrikanische Kino ist anders. Es überschreitet regelmäßig die Grenzen zwischen Dokumentar- und Spielfilm, zwischen Autoren- und Unterhaltungsfilm. Auch geht es nicht auf in den gängigen Konzepten des Dritte Welt-Kinos. Es ist ein nomadisches Kino ohne festes Publikum.

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