| Regie | Udo Maurer |
| Kinostart | 19.06.2008 |
Auf den Spuren eines Elements begibt sich Regisseur Udo Maurer in ÜBER WASSER auf eine Weltreise. Das Wasser, natürliche Lebensgrundlage, verliert immer mehr an Selbstverständlichkeit. Zwischen Ware und Menschenrecht steht das Lebenselement immer häufiger im Zentrum der Aufmerksamkeit. In immer extremeren Erscheinungsformen – Dürre, Sintflut, Verschmutzung – entwickelt es eine Dramatik, die die Grundfesten der menschlichen Zivilisation erschüttert.
Surreale Bilder und Bauernschläue hat Heike Kühn ausgemacht. "Die Fakten des Klimawandels zeigen sich als Schicksale, weil Maurer nicht die visuelle Bestätigungen gängiger Katastrophenszenarien sucht, sondern mit einem Team von insgesamt drei Leuten im Matsch ausharrte. Geduld und Einfühlungsvermögen haben sich in Vertrauen übersetzt, Vertrauen in Bilder und Sätze, die jedes vermeintliche Wissen als unzureichend und herzlos blamieren."
"Lange Plansequenzen mit berückenden Postkartenbildern verführen zum Nachdenken. Kein Off-Kommentar stört. Betroffene sitzen oder stehen vor aufregenden Landschaften und öffnen ihr Herz. Ihre Sorgen, Träume, Ängste, Weisheiten sprudeln wie Wasser. Udo Maurer schafft so einen beunruhigenden Kontrast zwischen tückischer Natur und besorgten Menschen - und macht deutlich, dass nicht nur Monsun oder hohe Verdunstung dafür sorgen, dass das nasse Element zu einem Problem für alle wird."
Laut Joachim Kurz sprechen die Episoden und die Interviews "vollkommen für sich selbst, weswegen Udo Maurer es sich auch leisten kann, außer den wichtigsten Rahmendaten jedes vorgestellten Landes auf weitere Off-Kommentare vollkommen zu verzichten. Trotzdem gelingt es dem Film, die verzwickten Zusammenhänge von Wasserknappheit, Dürre sowie Überschwemmungen und den Ursachen dafür mit den damit einhergehenden persönlichen und gesellschaftlichen Folgen zu erläutern und dies teilweise in beeindruckende Bilder voller Symbolkraft zu fassen, die die Augen öffnen für die wirklich existenziellen Nöte von Menschen in verschiedenen Regionen der Welt."
Dem Regisseur gelingt mehr als nur der übliche Bilderbogen der Globalisierungskritik, findet Kerstin Rottmann. "Anders als sein Co-Autor aber lässt Maurer sich nicht von der zweifelsohne vorhanden Ästhethik seiner exotischen Schauplätze und dem Schauwert der oft archaisch anmutenden Lebenswelt seiner Protagonisten verführen. Seine Stärke ist die Analyse. Drei Länder hat der 1960 geborene Regisseur und Kameramann auf seiner Reise besucht. Immer auf den Spuren eines lebenswichtigen Elements, hat er dabei eine Erzählung geschaffen, die stets auch politische Tiefenschärfe beweist."
Julia Teichmann entdeckt Zusammenhänge: "„Über Wasser“ steht als Film, der sich mit globalen Verteilungsmechanismen beschäftigt, in einer neuen Tradition mit dokumentarischen Kinoproduktionen aus Österreich, die sich durch eigenwillige, kritisch-globale Ansätze und eine extravagante Bildsprache auszeichnen: Michael Glawoggers MEGACITIES und WORKINGMAN’S DEATH, Erwin Wagenhofers WE FEED THE WORLD – ESSEN GLOBAL oder Nikolaus Geyrhalters UNSER TÄGLICH BROT, der die serielle Nahrungsmittelproduktion in durchkomponierten Bildern und kommentarlos wie am Fließband ablaufen lässt."
Die politische Aussage des Films ist oft eindrucksvoller als seine visuelle Gestaltung, kritisiert Christiane Lötsch. "Der Klimawandel, den sich Menschen in anderen Ländern nur abstrakt vorstellen können, wird durch die zahlreichen Interviews mit den Bewohnern in Bangladesch, Kasachstan und Nairobi aus einer individuellen Perspektive anschaulich gemacht. Dass Udo Maurer es darüber hinaus schafft, die sozialen Folgen und politischen Hintergründe des ökologischen Wandels in den jeweiligen Ländern darzulegen, macht deutlich, wie das Medium Film zur Aufklärung von komplexen Zusammenhängen beitragen kann."
Eric Horst ist durchaus angetan: "Seine Wirkung entfaltet der Film auch nicht durch spektakuläre Motive, sondern durch eine genaue und konzentrierte Beobachtung. Die Anstrengung, eine Schubkarre voller gefüllter Wasserkanister durch die steilen Slumstraßen von Kibera zu bugsieren, fesselt dabei auf ähnlich dramatische Weise wie die Erzählung des alten Kapitäns an Deck einer Schiffsruine, gestrandet in jenem trockenen Ödland, das früher einmal der Aralsee war. ... ÜBER WASSER ist ein klar strukturierter Film, der durch authentische Bilder überzeugt und damit zu einer unaufdringlichen Bestandsaufnahme wird, deren Wirkung umso intensiver ist."
Margret Köhler findet die Klimawandel-Doku überzeugend. "Ohne die im Fernsehen üblichen Kommentare kommt dieser eindrucksvolle Dokumentarfilm aus, beschränkt sich auf die notwendigsten Informationen über die Region. Es sind die einfachen Menschen, die über ihre alltäglichen Sorgen und Ängste sprechen, die Kamera richtet sich auf ihre Gesichter, vermittelt Nähe zu denen, die uns am Ende gar nicht mehr so fremd sind. Vor allem die Frauen kümmern sich um das kostbare Nass, auf ihren Schultern lastet die Verantwortung."