| Regie | Peter Berg |
| Kinostart | 03.07.2008 |
Superheld Hancock ist kantig, problembeladen, sarkastisch und fühlt sich ständig von allen missverstanden. Mit seinen gutgemeinten Heldentaten erledigt Hancock zwar den Job und rettet zahllose Leben, aber hinterlässt auch jedes Mal eine Spur der Verwüstung. Die Bürger von Los Angeles fragen sich, was sie getan haben, um "diesen" Typen zu verdienen. Als Hancock das Leben des PR-Fachmanns Ray Embrey rettet, beginnt er zu verstehen, dass er doch einen wunden Punkt haben könnte. Indem er sich damit auseinandersetzt, nimmt Hancock seine bislang größte Herausforderung in Angriff. Eine Herausforderung, der er wahrscheinlich nicht gewachsen ist, denn Rays Frau Mary hält Hancock für einen hoffnungslosen Fall.
Andreas Borcholte deutet die Eröffnungssequenz auf verschiedene Weise. "Am schönsten ist die Allegorie auf die von sich selbst und der eigenen Macht besoffenen Supermacht USA, die sich zum Retter der Welt aufschwingt und bei den vermeintlichen Hilfseinsätzen alles nur noch schlimmer macht (siehe Afghanistan, Irak). ... Die Zeit der moralisch integeren, also eindimensionalen Helden ist lange vorbei, selbst gröbste Klötze wie Superman und Captain America verfügen seit Jahren über zahlreiche seelische Verwundungen und Untiefen, die mutige Autoren ihnen in die Sprechblasen geschrieben haben."
Mariam Schaghaghi unterhält sich mit Schauspielerin Charlize Theron über Superhelden, Leidenschaften und das Star-Dasein.
Thomas Klein spricht mit Regisseur Peter Berg über Teamarbeit.
Will Smith muss es gereizt haben, mal einen Unsympathen zu spielen, meint Daniel Kothenschulte. "Der üble Beigeschmack des heroischen Verzichts bestätigt zugleich eine fragwürdige Hollywood-Konvention: Gemischtrassige Paare scheut die US-Filmindustrie wie der Teufel das Weihwasser, insbesondere, wenn der männliche Teil schwarzer Hautfarbe ist. Das war nicht immer so. Wenn gegenwärtig allenthalben an das Jahr 1968 erinnert wird, dann hier an eine sehr erfolgreiche liberale Liebeskomödie mit Sidney Poitier: RATE MAL, WER ZUM ESSEN KOMMT rangierte damals in der Publikumsgunst gleich hinter DIE REIFEPRÜFUNG. Schade, Theron und Smith hätten ein hübsches Paar abgegeben."
Peter Uehling fragt sich, ob HANCOCK das Blockbuster-Kino retten kann. "HANCOCK geht von einer wirklich guten Idee aus. Wer sich schon immer gefragt hat, ob die Kosten der Verbrechensbekämpfung und ihrer Kollateralschäden im Hollywood-Film den eigentlichen kriminellen Schaden nicht weit übersteigen (und was das alles eigentlich soll), der sieht seine Zweifel hier endlich einmal zum Thema gemacht. ... Das alles ist ziemlich witzig, und es ist schade, dass diese doch recht originelle Gesellschaftssatire nach einer Stunde schon vorbei ist, um einer öden Fantasy-Geschichte zu weichen."
Klar, dass in einem US-Mainstreamfilm der Gute gewinnt, verrät Dirk Knipphals. "Ob ein Superheldenfilm interessant wird oder nicht, kann man am besten an den Flugszenen sehen. Bei "Hancock" haben sie kaum etwas von Gleiten, von Schwerelosigkeit und von Wunscherfüllung. Stattdessen rumpeln sie ganz schön, und das liegt nicht nur daran, dass Hancock die zulässige Promillegrenze weit überschritten hat."
Ulrich Lössl unterhält sich mit der Hauptdarstellerin Charlize Theron über lästige Schmeißfliegen, ihr Temperament und sexy Sidekicks.
Peter Beddies erzählt der Hauptdarsteller einiges über sein Superhelden-Dasein.
Ziemlich vergnüglich hat Holger Kreitling den Film verlassen. "Im Grunde erzählt HANCOCK die Geschichte einer bürgerlichen Wiedergeburt. Der Held muss erst einer werden, indem er lernt, Normalsterbliche zu loben ("Gute Arbeit, Officer") und Kinder nicht mehr zu erschrecken. Erst dann kann er sein Geheimnis und seine Identität ergründen. Wie immer in Will-Smith-Filmen geht es darum, den guten Kern freizulegen ohne auf positive Aggression und willensstarken Tatendrang zu verzichten."
Dass Peter Berg mehr wollte, als das Format und die Geschichte eigentlich hergeben, ist für Marcus Wessel vielleicht die größte Crux und erklärt, wieso das Ergebnis nicht zu überzeugen vermag. "Zudem konnte er sich augenscheinlich nicht entscheiden, ob er eine unverfängliche Superheldensause mit Schenkelklopfer-Garantie oder doch lieber ein mystisches Fantasy-Drama erzählen wollte. Der denkbar einfachste Kompromiß - von beidem etwas - ist ein fauler und macht niemanden wirklich glücklich. Weder Hancock und schon gar nicht den Zuschauer."
Eine angenehm unangestrengte, selbstironische Anti-Heldengeschichte sah Horst Peter Koll. "Da die Macher daraus offenbar noch keine tragfähige Handlung zu stricken wussten und sich wohl scheuten, eine präzisere Position zur dargestellten US-amerikanischen Großstadtrealität zu beziehen, suchen sie nach der ersten Hälfte jedoch ihr Heil in einer moderat tragischen Liebes- und Actiongeschichte, in der die archaischen Begriffe von Gut und Böse, Leben und Sterben, von patriotischer Pflicht und seelenheilendem Familiensinn als plakative Eckpfeiler aufgebaut werden."
Ärgerlich an HANCOCK findet Thorsten Funke, "dass er wirklich sehr gut hätte werden können, dass statt des billigen und schmutzigen Vergnügens, das er bietet, eine große, bissige Satire hätte entstehen können. Ansätze dafür sind einige vorhanden, etwa in der Behandlung des Themas Public Relations und der Manipulation von Medien und Öffentlichkeit. Oder in der Zeichnung eines Helden, der ungefragt überall eingreift und dabei das Kunststück fertig bringt, sowohl die Gangster als auch die Geretteten gegen sich aufzubringen. Das kommt einem, bezogen auf so manchen Kriegsschauplatz in der jüngeren Geschichte, ja durchaus bekannt vor."
Sophie Albers berichtet von der Premiere in Berlin. "Glücklicherweise ist die 150-Millionen-Dollar-Produktion bei all dem weltpolitischen Getöse trotzdem perfekte Kinounterhaltung geworden: ein Superheldenmärchen mit grandiosen Spezialeffekten und ungewohnt ehrlichem Humor."
Andreas Conrad berichtet von der Pressekonferenz und der Premiere in Berlin.