| Regie | Michael Patrick King |
| Kinostart | 29.05.2008 |
Carrie Bradshaw, erfolgreiche Autorin und jedermanns liebste Mode-Ikone, ist zurück. Mit ihrem berühmten sardonischen Scharfsinn setzt sie bissiger als je zuvor ihre eigene Geschichte um Sex, Liebe und modebesessene Single-Frauen in New York fort.
Als lustvolles Sittengemälde bezeichnet Ulf Poschardt den Film. "King verknüpft dabei Essay und Komödie, Brecht und Capote. Der Mensch im 21. Jahrhundert wird ohne Unschuld erwachsen und muss seine Schuld verlieren, um glücklich zu werden. Dieser Verlust seiner Schuld geschieht ähnlich unterhaltsam und schonungslos wie der Verlust der Unschuld. Ähnlich ist es mit der Liebe: Sie ist der unwahrscheinlichste Fall, und der Weg dorthin kann sowohl Spaß bringen (wie bei Samantha) als auch ein Martyrium sein (wie bei Miranda)."
Was hat das mit Postfeminismus und Mode zu tun, fragt sich Brigitte Werneburg. "Im absurden 80er-Jahre-Look der Kleider aber steckt die postfeministische Lektion. Denn geheiratet wird nicht in Vivienne Westwoods grandiosem Hochzeitskleid, das die Designerin Carrie Bradshaw im Anschluss an ihren Vogue-Auftritt schenkt, als letzter Single über vierzig, der nun auch vergeben ist. Geheiratet wird im Secondhand-Kostümchen und in der City Hall - zu eigenen Bedingungen."
Eine Kostümorgie auf der grossen Leinwand ohne den Witz der Kultserie sah Susanne Ostwald. "So kann das oberflächliche Getändel noch nicht einmal immanent überzeugen. Und daraus ergibt sich das grösste Problem des Films: das seiner Zielgruppe. Alte "SATC"-Fans werden ob dieser abgeschmackten Pointen und des nörgeligen Tonfalls in Moll kaum zu begeistern sein, und jüngere Frauen dürfte es wenig interessieren, wie vier Forty-Somethings ihre Midlife-Crisis bewältigen. Am Ende verleugnet der Film dann noch seine eigene Prämisse. Denn wo Eitelkeit einst durch Überzeichnung karikiert wurde, wird sie nun als nicht erstrebenswert "entlarv", während mit unerträglichem Impetus "wahre Werte" propagiert werden."
Alexander Soyez erklärt, wie viel von den Stars wirklich in ihren Rollen steckt.
Vielleicht ist zu viel Zeit vergangen seit dem Ende der Serie und dem Film, meint Sandra Garbers. "Vielleicht hat sich in den vier Jahren das schöne neue Lebensgefühl wieder zu einem Problem zurückentwickelt. Irgendwann ist einfach alles über Einsamkeit gesagt. Alle Parties besucht. Jede Freiheit ausgekostet. Und dann ist das einzig wahre Abenteuer eben der Alltag. Und überhaupt, ist es nicht so, dass der Single irgendwann gar keinen Mann mehr braucht, sondern eher einen Psychiater? Nun sind die vier New Yorker Freundinnen also fast alle irgendwo angekommen. Nach all den Dramen bleibt vielleicht nur das Happyend."
Heike Karen Runge ist über die Männer-Welt im Film enttäuscht: "Mister Big ist als entschärfte Version des auf Models und Luxus fixierten Wallstreet-Snobs Patrick Bateman eine Retro-Figur, ein glamouröser Charakter der achtziger und neunziger Jahre, und die Entscheidung für ihn folgt der Werte-Logik der Neunziger. In Zeiten von Immobilienkrise und anderen Bedrohungslagen würde man sich dann doch eher für einen Edel-Handwerker entscheiden, der weiß, wo es gute Donuts gibt."
Carmen Böker erklärt, war der Film an seinem Stoff scheitert. "Ein Minikleid, wie es die Hauptperson so gern trägt, hat eben zu wenig Stoff für eine Abendrobe. Sprich: Bei gleich gebliebener Problemlage kann aus einem Dreißigminüter nur unter mühsamer Dehnung ein über zwei Stunden währender Film werden. ... Die inhaltliche Leere der Gespräche, die berechnende Vorteilsabschätzung und die kaum jemals gebrochene Ichbezogenheit jedoch lassen sich so leicht nicht überbrücken."
Michael Kohler entdeckte mehr Kaufrausch als Schaulust. SEX AND THE CITY ist "immer noch für eine Überraschung gut. Allerdings hätte sich Michael Patrick King irgendwann entscheiden sollen, ob er einen klassischen Spielfilm, eine gestreckte Einzelfolge oder doch lieber eine auf das Wesentliche reduzierte Serienstaffel auf die Leinwand bringen will. Da auch die Moral der Geschichte reichlich konstruiert wirkt, ist letztlich nur auf die kleinen Sottisen und das Bekenntnis zum schamlosen Konsum Verlass."
Funktioniert die Serie als Film, fragt sich Rebecca Casati? "Sie funktioniert. Was daran liegt, dass die Autoren mit ihren Protagonistinnen fein austarierte, unmittelbar in der Gegenwart angesiedelte Projektionsflächen geschaffen haben. Die vier Hauptfiguren sind in ihren Gefühlen sehr präzise beschrieben, ihre Biografien bleiben dagegen immer sehr vage, um größere Identifikation zu gewährleisten. Sie sollen sogar so abstrakt sein, dass man in die Lücken seine eigene Biografie füllen kann. Und deshalb spielt es im Film auch keine große Rolle, wie im einzelnen die Frauen die letzten vier Jahre rumgekriegt haben."
Frederik Hanssen schreibt über Traumschuhe, Traumkleider, Traumtaschen. Der Film ist ihm zu brav geworden. "Genau diesen Frauentyp braucht Warner Bros, wenn der "SatC"-Film an der Kasse ein Erfolg werden soll. Wenn sich Hollywood eines Themas annimmt, muss ein Produkt herauskommen, das konsensfähig ist, das man von der Ost- bis an die Westküste zeigen kann, vor allem auch in den ländlichen Gebieten. Was für die Mädelsclique das erste Date, ist für die US-Filmindustrie nun einmal das Startwochenende. Funkt es nicht sofort, hat die Chose keine Chance."
Im Interview mit Katharina Miklis verrät der Regisseur Michael Patrick King nicht nur seine Lieblingsszenen, sondern auch inwieweit die Serie die Welt verändert hat und woher er eigentlich so genau weiß, was Frauen wollen.
Es geht nicht nur um Mode und Männer, sondern auch um die große Liebe - und die heißt in Wirklichkeit New York, stellt Daniel Haas fest. "Der 11. September hat für viele New Yorker dieses Gefühl noch verstärkt. Und er hat, so verrückt es klingt, das bewirkt, worauf die Heldinnen in "SaC" immer hoffen: auf eine Vertiefung der Beziehungen – und das Gefühl, am rechten Platz zu sein. "Wir, die wir da waren, wollten nirgendwo anders sein", sagt die Darstellerin, die als Carrie in der Serie selbst kein einziges Wort über die Katastrophe verliert. "Es hat uns zu besseren Menschen gemacht.""
Auch wenn das Ende weitestgehend vorhersehbar ist und der Logik ähnlich gelagerter Produktionen gehorcht, hebt sich der Film wohltuend von seinen zunehmend einfallslosen Genre-Kollegen ab, lobt Marcus Wessel. "Viele der Beobachtungen und wunderbar trockenen Kommentare könnten so auch von Woody Allen, einem anderen berühmten New Yorker, stammen. King dirigiert seinen Cast durch die Höhen und Tiefen des Großstadt-Dschungels, wobei er nicht davor zurückschreckt, romantische Vorstellungen erst genüsslich zu karikieren, um sie später doch noch zu bedienen. Am Beispiel der beiden, sehr unterschiedlichen Heiratsanträge zeigt sich dieses Strickmuster. Letztlich ist SEX AND THE CITY eben weit weniger progressiv, als man auf den ersten Blick meinen könnte."
Silke Roesler hat mehr erwartet. "Nach über zwei Stunden Filmerlebnis hat sich der Status quo der Charaktere nicht entscheidend geändert. Eine Wandlung erwartet jedoch der Zuschauer, da sich die Protagonisten auch in der Serie kontinuierlich weiterentwickelt haben. Die Charaktere wurden immer komplexer, Lebensumstände, Beziehungen, Wohnorte und Berufe änderten sich, Werte wurden stets überprüft und zum Teil revidiert. Wohltuend ist lediglich, dass sich Samantha alter Tugenden und Laster zu erinnern scheint und als Femme Fatale nach New York zurückkehrt."
Das Wiedersehen hat Joachim Kurz Freude gemacht. "Obwohl seit dem Start der Serie zehn Jahre ins Land gegangen sind, funktioniert das Konzept von SEX AND THE CITY auch heute noch und selbst auf der großen Leinwand bestens und bietet prächtige, bisweilen sogar hintersinnige Unterhaltung ohne allzu großen Anspruch – das ideale Kontrastprogramm zu bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft also."
Vier Autoren erklären, warum sie die Protagonistinnen vermisst haben. Oder warum eben genau nicht.
Die Leinwandfassung dehnt die TV-Serie ins Monströse, kritisiert Diedrich Diedrichsen. "Zwei Plotpoints: Vivienne Westwood stiftet ein Originalmodell als Hochzeitskleid, weil Carrie in einem Vogue-Pictorial so hinreißend drin ausgesehen hat. Und Mr. Big stiftet endlich den begehbaren Schuhschrank. In dem findet nach zwei Stunden und 30 Minuten auch die Versöhnung statt, nachdem die erste Eheschließung nicht klappte. Hätte sie doch einen Schuh geheiratet! Menschen, die sich zu Objekten hingezogen fühlen und diese auch ehelichen, sind der letzte Schrei (Stichwort: Objektophilie). Aber zum letzten Schrei reicht es hier nicht. In mancher Hinsicht."
Für Klaus Brinkbäumer haben die Filmemacher eine richtige Entscheidung getroffen: "Sie erzählen im Film nicht einfach eine "Best of Sex"-Geschichte, sie machen auch nicht da weiter, wo sie aufgehört haben, es ist viel Zeit vergangen. Es geht nun darum, was wir tun können, nachdem wir die Liebe gefunden haben, auch darum, wie wir sie wieder zerstören. ... SEX AND THE CITY, der Film, ist lustig, aber nicht so lustig wie die Serie, ernster, trauriger auch, erwachsen. Das Drehbuch ist ein wenig zu gerade geschrieben, alles endet, wie man's erhofft oder erwartet, aber schön ist es doch. Die Fortsetzung ist vielleicht konventioneller geraten als das Original."
Daniel Haas nimmt den Film zum Anlass, um über die Midlife-Crisis zu schreiben. Die "Männer verkörpern die Midlife-Crisis schlechthin. Sie sind desorientiert, verwirrt, bedrückt. Geboren in den frühen und mittleren sechziger Jahren haben sie mit den sozialen Utopien der 68er nichts am Hut. Überhaupt sind ihnen Ideologien fremd, dafür sind sie zu vielen ökonomischen und politischen Unsicherheiten ausgesetzt gewesen. Ich sage nur: Ende des Kalten Krieges, Zusammenbruch der sozialen Sicherungssysteme."
Wegen zahlreicher Verwicklungen dauert das alles länger, als man denken sollte, viele sind für Europäer nur schwer nachvollziehbar, kritisiert Johanna Adorján. "Wahrscheinlich sollte man das Ganze nicht zu ernst nehmen, es ist Unterhaltung - als solche aber taugt der Film auch nicht viel. Die witzigste Szene soll eine sein, in der eine der Frauen erst lautstarke Verdauungsprobleme hat und sich dann in die Hose macht. Der Fairness halber sei erwähnt, dass darüber im Kinosaal laut gelacht wurde. Erleichtert vielleicht auch: Es wurde gelacht."
Wie Sebastian Leber weiß, kommen die Hauptdarstellerinnen zur Premiere nach Berlin.
Voller Aufregung spekuliert Carla S. Reissman über den Film.