BEN X

film-zeit Film: BEN X
Regie Nic Balthazar
Kinostart 08.05.2008

Inhalt • BEN X

Ben ist anders. Er lebt in seiner eigenen Welt, in der er in seinem liebsten Onlinespiel "Archlord" Heldentaten besteht. Er spielt es wann immer er kann und versucht, für die Widrigkeiten des wahren Lebens zu trainieren. Mit seiner Internetgefährtin Scarlite meistert er alle Herausforderungen und Gefahren, die ihn in der realen Welt überfordern. Der harte Alltag auf der Schule ist für den verschlossenen Jungen eine tägliche Höllenqual. Immer wieder wird er von seinen Mitschülern gemobbt und tyrannisiert. Ben fasst einen Plan: Er will mit allem Schluss machen. Game Over. Da tritt das Mädchen aus dem Onlinespiel in sein Leben ...

Kritiken • BEN X

10. Mai 2008 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Zu dick aufgetragen findet Bert Rebhandl den Film. "BEN X arbeitet mit allen filmischen Mitteln (innerer Monolog, Verzerrung der Realität, gleitende Übergänge ins Virtuelle) an einer verstärkten Subjektivierung des Geschehens, bleibt aber zugleich ein ganz normaler Film: Ben lässt sich nicht wegklicken, man kann auch ihm gegenüber die Identität nicht wechseln. Man bleibt entweder bis zum Ende dabei oder geht früher hinaus, wenn man sich von diesem Fall nicht betreffen lassen will. Er ist aber zu nahe an den Erfahrungen fast aller junger Menschen, um nicht betroffen zu machen."

10. Mai 2008 | Kritik • Der Stern

Dem Mitleiden des Zuschauers ist keine Grenze gesetzt, schreibt Ralf Sander. "BEN X ist ein Film über das Anderssein und die Unfähigkeit der Gesellschaft, damit umzugehen. Und trotz seines eindeutigen Plädoyers für Toleranz achtet Balthazar sorgfältig auf Zwischentöne und vermeidet einfache Lösungen. Unverständlich, dass ein einzelner Kritiker schrieb, der Regisseur habe bei der Verfilmung seines eigenen Jugendbuches "Nichts war alles, was er sagte" den "pädagogischen Holzhammer" rausgeholt. Außerdem: Wenn die Zukunft des Schulfernsehens so aufwühlend und unterhaltend zugleich wäre, dann ist dagegen nichts einzuwenden."

09. Mai 2008 | Kritik • Der Tagesspiegel

Der Film hat Christina Tilmann gepackt. "Keine Spur von Betroffenheitsdrama: BEN X hält das Thema Autismus in der Schwebe. Was Ben (verträumt, hellwach: Greg Timmermans) zum Opfer prädestiniert, könnte auch alltägliche Schüchternheit sein. Er taugt damit zur Identifikationsfigur für Jugendliche, denen die Unmöglichkeit, sich in der Schule zu behaupten, vertraut ist. Und der Dreh, den Ben schließlich findet, um sich aus seiner Notlage zu befreien, ist genial – ein Showdown, der noch einmal alle Gewissheiten verschiebt."

08. Mai 2008 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Phänomenal nennt Heike Kühn das Regie-Debüt. "Ironie und Wut, aber auch der Wunsch, die (Film-)Welt zu verändern und einen Ausweg aus der kranken Gesellschaft der Mobber und Stalker zu finden, befeuern sein listenreiches Debüt. Balthazar spielt mit gängigen Mustern von Gesellschaftskritik und medialer Selbstreflexion, wie man sie aus anderen Filmen über die Opfer einer wahnhaft faschistoiden "Normalität" kennt. Was beginnt wie das Drama eines zum Selbstmord Verurteilten, entwickelt sich zu einer cinephilen Rache, in der nicht zurückgeschlagen, sondern filmisch scharf geschossen wird: Die Video-Bilder von den Untaten seiner Folterer sind hinreißend schlagfertig."

08. Mai 2008 | Kritik • Berliner Morgenpost

Erstaunlich gelungen nennt Thomas Lindemann den Jugendfilm. "Genau das - die Reizüberflutung, der Lärm, der sich ins Hirn schraubt, die Hast und die Verwirrung, die entstehen, wenn alles zuviel ist - ist hier schlau filmisch dargestellt. Die Kamera wischt über die Szene, Töne, Autolärm und Atem werden überlaut, schrauben sich ins Ohr. Wenn dann die Rowdys angreifen, steht Ben innerlich halb in seinem Computerspiel - das sieht man dann auch, und das macht diesen Film radikal. Seine ganze Story - ein Junge wird verprügelt, ein Video davon geht von Handy zu Handy, das Opfer steht kurz vor dem Selbstmord - endet letztlich etwas dünn und pädagogisch überfrachtet. Doch die Ästhetik des Films vermischt Spiel und Kino so gekonnt, wie das wohl noch nie zu sehen war."

07. Mai 2008 | Kritik • critic.de

Thorsten Funke nennt das Debüt erstaunlich stilsicher, wenn auch manche visuellen Elemente arg überstrapaziert werden. "Dass die gesamte Geschichte besonders zum Ende hin sehr pädagogisch gerät, lässt sich auf die Herkunft aus einem Jugendbuchstoff zurückführen. ... Die Katharsis erfolgt anders als erwartet, dafür in einer intelligenten, effektvollen Inszenierung, in der Schuld und Einsicht in eine Utopie eines anderen Miteinanders münden. Ben, aber auch seine Umgebung erhalten eine neue Chance. Es ist ein Neustart. Ein weiteres Leben, wie in einem Computerspiel."

05. Mai 2008 | Kritik • Der Spiegel

Im Kurz-Interview erklärt der Regisseur, warum ein Online-Spiel Therapie sein mag - und was man bei Online-Dreharbeiten mit zu neugierigen Schaulustigen macht.

05. Mai 2008 | Kritik • kino-zeit.de

Viele Themen hat Joachim Kurz ausgemacht. "Mancher Filmemacher mag an einer solchen Vielzahl von höchst problematischen Themen bereits gescheitert sein – Nic Balthazar aber gelingt das Kunststück, dies alles mit Leichtigkeit, dem gebotenen Ernst und äußerst spannend unter einen Hut zu bekommen. Ein überaus sehenswerter, streckenweise brillant gemachter und sehr gut von den jungen Darstellern umgesetzter Film, der vielen Jugendlichen und Erwachsenen die Augen öffnen dürfte für die Gefahren, von denen sie umgeben sind."

02. Mai 2008 | Kritik • kinofenster.de

Statt Selbstaufgabe propagiert Ben X Selbstbehauptung, stellt Kirsten Taylor fest. "Mobbing, Selbstmord, Ignoranz sowie Flucht in künstliche Welten und Entfremdung. Die zeitgenössische Problematik gewinnt zudem eine universelle Dimension durch symbolhafte Analogien zur christlichen Passionsgeschichte: ein Kreuz, das sich Ben schmiedet, eine "Erlöserszene" in der Schulkappelle. Dennoch wirkt der Film nicht überfrachtet, bleibt in seinem emotionalen Kern glaubhaft und nachvollziehbar: Ausgrenzung und Mobbing sind keine Einzelphänomene, sie können uns alle treffen. Dass Ben schließlich einen ungewöhnlichen Weg aus seinem persönlichen Teufelskreis findet, macht Mut."

01. Mai 2008 | Kritik • programmkino.de

Einfache Antworten bietet der Film nicht, schreibt Alexandra Kaschek. "Balthazar beleuchtet in seinem Film treffend die heutige Jugendkultur, die in einer Gesellschaft aufwächst, in der es kaum einen Ort gibt, der frei von den Alltagsmedien, wie Internet, Handy und Fernsehen existiert. So werden auch immer wieder Fernsehausschnitte eingefügt, die zeitlich nach den Ereignissen liegen und in denen die Beteiligten als Talking Heads versuchen, deren Ursachen und Gründe zu verstehen. Eindeutigkeiten, Simplifizierungen und auch der Wahrheitsanspruch der Medien werden immer wieder in Frage gestellt und fordern das Kritikvermögen des Zuschauers heraus."

01. Mai 2008 | Kritik • programmkino.de

Michael Meyns ist etwas enttäuscht: "Zwar sind all die Themen, die er in kaum 90 Minuten verpackt – von Mobbing, Selbstmorb unter Jugendlichen, Cybermobbing, dem so genannten "Happy Slapping", der emotionalen Verrohung durch Computerspiele – interessant und relevant. In dieser Anhäufung jedoch, führen sie zu einer gewissen Überfrachtung des Films. So dürfte BEN X bei allen Qualitäten in erster Linie als Ausgangspunkt für Diskussionen dienen, in denen die einzelnen Themen dann substanzieller vertieft werden können."

01. Mai 2008 | Kritik • programmkino.de

Thomas Engel lobt den filmischen Versuch, Virtuelles und Reales sinnvoll zu verbinden. "Die Veranschaulichung einer Mischung aus in unserer Zeit immer stärker werdendem Internet-Einfluß, daraus resultierenden Persönlichkeitsveränderungen, hilfloser Existenz, verzweifeltem Enddenken und Wiederaufrichtung. Ein aus heutiger Sicht durchaus bedenkenswerter Ansatz, sichtlich mit Bemühen dargestellt und gespielt – nicht ohne formale Originalität. Eine Mahnung und Warnung auch."

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