| Regie | Martin McDonagh |
| Kinostart | 15.05.2008 |
Zwar ist der letzte Auftrag in London nicht ganz nach Plan verlaufen, doch gerade deswegen können Ray und Ken ein wenig Ruhe und Urlaub gut gebrauchen. Aber ausgerechnet in Brügge? Dort sitzen die beiden Auftragskiller und warten tagelang auf einen Anruf ihres Bosses Harry. Von Langeweile kann allerdings keine Rede sein. Die beiden legen sich mit Touristen und Drogendealern an, feiern mit einem zwergwüchsigen Schauspieler und holländischen Nutten, während Ray sich obendrein in die hinreißende Chloë verguckt. Schließlich ruft Harry dann doch noch an, und die eigentümlichen Ferien drohen eine tödliche Wendung zu nehmen ...
Laut Bert Rebhandl probt die Komödie die Ironie und schafft Abstand zum Zuschauer. Er hat dabei zugesehen, wie es die Filmemacher schaffen, "einen ganzen Film darauf aufzubauen, dass ein höchst unwahrscheinlicher Tod gleich zwei Menschen trifft - einmal als tragisches Unglück, einmal als lächerliche Wiederholung. BRÜGGE SEHEN... UND STERBEN? ist ein unterhaltsames, letztendlich aber schales Beispiel für ein Kino, das sich in den Leerlauf gestellt hat: Es jongliert mit einigem Geschick die Motive, gewinnt ihnen aber nur eine künstliche Spannung ab."
Eine Beziehungsgeschichte sah Daniela Sannwald. "Das Weihnachtsmotiv steht in krassem Gegensatz zu den rüden Dialogen, in denen über Frauen, Schwule, Kleinwüchsige, eigentlich über alle hergezogen wird, die nicht Killer aus Dublin sind. Bedenkt man, dass Diskriminierung aus Angst vor dem Unbekannten entsteht, ist die derbe Sprache hilfloser Ausdruck derjenigen, die sich in der Fremde der eigenen Identität versichern müssen. In der deutschen Synchronisation vermittelt sich die Ironie allerdings nicht."
Als übertrieben turbulent bezeichnet Barbara Schweizerhof den Film. "Barbarei und Zivilisation treffen sozusagen in filmischer Form aufeinander. Berufskiller mit Stadtplan und Reiseführer in der Hand, auf diesen Witz gründet McDonagh seinen Film. Diesem Kontrast von Rohheit und Bildung gewinnt er zunächst erstaunlich viele Facetten ab. ... Immer wieder variiert der Film solch willfährig absurde Konstruktionen und leiert sie damit aus. Der große Vorzug dieses Films, zwei so starke Charaktere zu haben, wird dadurch beschädigt, dass sie wie Marionetten durch eine übertrieben turbulente Handlung geführt werden."
Rüdiger Sturm stellt dem Hauptdarsteller Colin Farrell 10 Fragen.
Hier wird der Konflikt noch nach dem Ehrenkodex der alten Schule ausgetragen, schreibt Almut Steinlein. "Jedoch spielt McDonagh mit dem todernsten Genre des Gangsterfilms und belebt es neu, indem er stilsicher feinsinnigen Humor sowie romantische Elemente untermischt. Geradezu liebevoll-ironisch ist ihm die Figurenzeichnung gelungen, die kongenial von seinen Schauspielern umgesetzt wird. Üblicherweise strotzen Profikiller im zeitgenössischen Kino vor absoluter Coolness – Typ John Travolta aus PULP FICTION (1994). McDonagh hingegen hat allen drei Figuren Menschlichkeit verliehen."
Sichtlich Spaß hat die ganze Sache Thomas Volkmann gemacht. "Neben den immer wieder überraschenden Wendungen des Plots und den großartig gespielten Charakteren sind die gelungenen Dialoge mit ihrem kurzen und trockenen Humor als weiterer Pluspunkt dieses Films zu nennen. Auch versteht es McDonagh über die Dialoge immer wieder neue Hinweise auf die Geschichte und Entwicklung seiner Charaktere zu geben, so dass deren Verhalten – vor allem, wenn sie mal wieder gekränkt wurden - immer auch durch die eigene Vergangenheit nachvollziehbar bleibt. Was die Action betrifft, so bleibt diese auf das Nötigste reduziert, liegt der Schwerpunkt doch in der Tat mehr auf einer ironischen und schwarzen Komödie denn einer Hetzjagd durch das malerische Brügge."