| Regie | Doug Liman |
| Kinostart | 27.03.2008 |
David Rice dachte immer, er sei ein ganz gewöhnlicher Typ - bis er durch Zufall entdeckt: Er ist ein "Jumper". Sekundenschnell kann David nach Tokio teleporten, ins Kolosseum nach Rom oder zu den Pyramiden von Gizeh. Seiner Freundin schenkt er zwanzig Sonnenuntergänge in einer Nacht. Oder er besorgt sich ein paar Millionen aus dem nächsten Banktresor. Doch dann nimmt sein Leben eine dramatische Wendung. Verfolgt von einer Geheimorganisation, die Menschen wie ihn auslöschen will, verbündet sich David mit einem anderen "Jumper" und erkennt, dass er die Schlüsselfigur in einem jahrtausendealten Krieg ist ...
Einiges an der Geschichte klingt laut Daniel Haas wie eine Koksphantasie durchgedrehter Yuppies. "Auch Internet-User sind, wie gesagt, schnell überall, aber JUMPER ist keine Vorlesung über die metaphysischen Aspekte der Webkultur. Stattdessen gibt es handfeste Action, das heißt Dresche mal für die Jumper - neben Hayden Christensen tritt auch Jamie Bell (HALLAM FOE) als Springer auf -, mal für die Paladine. Am Ende dann eine Pointe, die viel Einsicht in den Konflikt der Generationen verrät."
Eine wachende Instanz hätte sich Philipp Bühler für den Film gewünscht. Der Regisseur ist "der klassische Indie-Hüpfer, der in Hollywoods Fängen alle früheren Fähigkeiten nach und nach verliert. Für die Action-Sequenzen hätte ihn ein Produzent wie Jerry Bruckheimer, der diese Art von Nonsense-Kino erfunden hat, gefeuert. Sein Hauptdarsteller hat die Aura eines Münzfernsprechers; die obligatorisch angefügte Liebesgeschichte glaubt kein Mensch. Und die Mythologie? In seiner ganzen Struktur wirkt der Film wie die bombastische Ankündigung einer Trilogie, die es nie geben wird. Was man hat, immerhin, sind mehr mondäne Schauplätze als in allen James-Bond-Filmen zusammen."
Für Sebastian Handke ist der JUMPER zu kurz gesprungen. "Hayden Christensen und Rachel Bilson sind ein verblüffend unsympathisches Liebespaar in einer wirren Handlung ohne Herz und Verstand. Samuel L. Jackson als weißhaariger Paladin tut, was er tun muss (wer sonst könnte mit einem Sprüh-Deo fuchteln, als sei es die coolste Sache der Welt?). Wirklich sehenswert ist nur Jamie Bell als der erfahrene, aber undurchsichtige Jumper Griffin. Zu wenig."
Daniel Kothenschulte erinnert sich an den frühesten Filmtrick, den Stopp-Trick. "Es ist die Primitivität dieses simpelsten aller Spezialeffekte, die diesem Film seinen besonderen Charme verleiht. Der Avantgarde-Filmer René Clair erzählte in Filmen wie PARIS SCHLÄFT von der märchenhaften Lust, sich über die Grenzen von Zeit und Ort schlafwandlerisch hin weg zu setzen. Darin steckte eine ungezügelte Anarchie, die man auch in diesem sinnlosen, aber eben dadurch auch hemmungslosen Film wiederfinden kann. Es gibt keinen Grund, sich aus dem Kino weg zu wünschen. Die 88 Minuten vergehen sowieso im Zeitraffer."
Regisseur Liman fehlt genau wie seinem hemmungslos idealisierten Held jegliche Bereitschaft, seine Entscheidungen zu reflektieren, kritisiert Sascha Westphal. "In Davids Sorglosigkeit, mit der er - nun von Hayden Christensen verkörpert - auch acht Jahre später noch von einem Ort zum anderen springt und Banken zu Selbstbedienungsläden erklärt, spiegelt sich Limans bedenkenloser Umgang mit seiner Story und seinen Figuren wider. So wie er ohne Rücksicht auf dramaturgische und erzählerische Konventionen einfach von einem großen Set zum nächsten schneidet, bleiben seine Charaktere nichts als Staffage in diesem filmischen Hochglanz-Comic."
Rochus Wolff ist ziemlich enttäuscht: Eigentlich bereitet der Film nur sein eigenes Sequel vor. "Bei all den Sprüngen bleibt der Film eine weitgehend strukturlose Masse; Regisseur Doug Liman – eigentlich nach DIE BOURNE IDENTITÄT (2002) und MR. & MRS. SMITH (2005) mit ausreichend Erfahrung versehen – kann dem Film keinen Spannungsbogen geben und kommt letztlich gegen das Drehbuch nicht an, das voller Schlampereien steckt und am eigenen Stoff wenig interessiert zu sein scheint: Weder David noch Griffin halten sich je auch nur einen Moment damit auf, sich über die Gründe oder gar die moralischen Implikationen ihrer besonderen Begabung klar zu werden."