SPEED RACER

film-zeit Film: SPEED RACER
Regie Larry Wachowski
Andy Wachowski
Kinostart 08.05.2008

Inhalt • SPEED RACER

Speed Racer ist der geborene Rennfahrer. Als mustergültiger Junior hält Speed treu zu dem Rennstall, den sein Vater Pops Racer als Familienunternehmen leitet. Als Speed ein sehr Angebot von Royalton Industries ausschlägt, bringt er nicht nur den Firmenchef gegen sich auf, sondern entdeckt dabei auch ein Geheimnis: Bei den wichtigsten Rennen wird der Sieg von einer Handvoll skrupelloser Industrieller vorab ausgehandelt. Falls Speed nicht zu Royalton wechselt, wird Royalton dafür sorgen, dass der Mach 5 die Ziellinie nie mehr erreicht. Speed kann sein Familienunternehmen nur retten, wenn er Royalton mit den eigenen Waffen schlägt...

Kritiken • SPEED RACER

08. Mai 2008 | Kritik • Die Tageszeitung

Laut Georg Sesslen bietet der Film eine geballte Ladung reaktionärer Ideologie, "gedacht für ein Amerika, das nichts gelernt hat und schon wieder ins nächste Rennen oder in den nächsten Krieg will. Die direkteste Verbindung des kleinbürgerlichen amerikanischen Familienromans mit den Globalisierungskriegen, die ewige Erneuerung des amerikanischen Kapitalismus durch Sieges- und Aufstiegswillen des Mittelstands, die Überwindung von Schmerz und Erinnerung im Dröhnen der Motoren, die sexuelle Sublimation. Max Weber für Dummies."

08. Mai 2008 | Kritik • critic.de

Der Film rast am Publikum vorbei, schreibt Frédéric Jaeger. "Der dabei bemühte Humor ist nicht nur wenig amüsant, sondern auch unwahrscheinlich bieder. Dazu kommt noch eine in Anbetracht ihrer Belanglosigkeit unnötig verworrene Story, die die Jüngsten überfordern und die Älteren verärgern dürfte. Eine konservative Schlagseite in Figuren und Narration eines amerikanischen Blockbusters zu entdecken, ist kaum eine Erwähnung wert. SPEED RACER tut sich auch eher durch seine selbstgefälligen Effekte hervor, die sich einer zusammenhängenden Sinnkonstruktion größtenteils widersetzen."

08. Mai 2008 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Peter Körte sagt es kurz und bündig: Volle Drehzahl und niedertourige Story! "Schade eigentlich, dass die Wachowskis nicht gemerkt haben, dass der digitale Overkill im Kino auch schon längst wieder überholt ist."

08. Mai 2008 | Kritik • Die Süddeutsche Zeitung

Für Tobias Kniebe steht fest: SPEED RACER beraubt das Actionkino seiner wichtigsten Tradition - der Körperlichkeit. "Das Problem ist dabei nicht die digitale Künstlichkeit, denn digital und künstlich ist heute alles. SPEED RACER aber bricht mit einer Tradition, die gerade die Filmemacher der Aktion, der Kinetik und der Geschwindigkeit immer geprägt und groß gemacht hat: das Versprechen, dass man die Kräfte, die auf der Leinwand entfesselt werden, auch am eigenen Körper spüren darf."

08. Mai 2008 | Kritik • Die Welt

Für Hanns-Georg Rodek ist SPEED RACER schlechter als jedes Videospiel. "SPEED RACER ist mehr denn je das Werk anonymer Techniker – jener Namen, die sich minutenlang über den dahinrollenden Abspann erstrecken, bei dessen Ende sich das Kino bereits geleert hat. [...] Alle Liebe und Sorgfalt wurde in die computergenerierten Bilder gesteckt, die – wie schon vor zehn Jahren bei der MATRIX – den neuesten Stand der Kunst repräsentieren. Alles, was mit humaner Interaktion zu tun hat, ist dagegen stereotyp und einfallslos: Die moderne Technik, so scheint es, toleriert den Menschen noch, obwohl er im Grunde überflüssig ist."

08. Mai 2008 | Kritik • Der Tagesspiegel

Naiv, kitschig, laut – und rauschhaft nennt Sebastian Handke den Film. "Die Regeln der Physik sind außer Kraft, Perspektiven dehnen, stauchen und krümmen sich, überall strahlt und blinkt es, Fahrspuren lösen sich im Pixelnebel auf. Die Kamera fliegt ohne Widerstand durch eine phantastische Szenerie, getaucht in ein knallprallbuntes Farbfeuerwerk: Ein maßloser Film ohne Körnung und Textur, ein explodierendes Kaleidoskop mit übersättigten Farben und überhöhten Kontrasten – es ist Kinetik pur. ... Spaßbremsen werden einwenden: die Handlung sei dünn, die Dialoge schlicht, die Charaktere flach. Aber ja doch, genau so muss das sein! Hier zählen Spaß und Rausch allein."

08. Mai 2008 | Kritik • telepolis.de

Vielleicht ist der Film kein cinematographisches Rätsel meint Peter V. Brinkemper, "sondern einfach nur ein seichter und zugleich rasanter Werbetrailer im komplizierten Geflecht heutiger Medienunterhaltung und Parallelvermarktung. Und das auf technisch und strategisch hohem Niveau. Es geht darum, die Computer Generierung von Bildern und Bewegungen in Form und Inhalt auf die Spitze zu treiben und das alte Produkt Film im Netzwerk der neusten digitalen Produktion und Distribution immer weiter zu einem Bilderbogen zu verflüchtigen und zu dynamisieren – und zwar in Richtung eines allgegenwärtigen interaktiven Kinderzimmer-Konsolenspiels."

07. Mai 2008 | Kritik • Berliner Zeitung

Bert Rebhandl bezeichnet den Film als digitales Knallbonbon - so bunt, als hätten die Filmemacher sich die Familie Feuerstein auf LSD angesehen, um Inspiration zu finden. Wieder einmal geht es "um die Verbindung zwischen der Welt der Computerspiele und der guten, alten (langsamen) Welt des Kinos. Ästhetisch und ideologisch steckt der Film tief in den 1950er-Jahren. Bei aller technischen Kompetenz ist das ein typisches Retro-Produkt, denn auch die Wachowskis wissen: So schön, und so sinnlos luxuriös, war die Industriegesellschaft nur damals, als noch niemand Rohstoffsorgen hatte."

07. Mai 2008 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte hat nicht lange nach verborgenen Inhalten gesucht. "Während IRON MAN alles daran setzt, die gezeichnete Vorlage möglichst spurlos in einen konventionellen Spielfilm zu verwandeln, stellen sich die Wachowsky-Brüder der Flächigkeit des Anime und begreifen sie als ästhetische Herausforderung. In einer neuartigen Montagetechnik legen sie mehrere Ebenen wie in einem Collagebild aufeinander, wobei sie auch Parallelhandlungen simultan abbilden können. Wie hatten die Schöpfer des deutschen Stummfilmklassikers DAS KABINETT DES DR. CALIGARI 1919 gefordert? "Das Filmbild muss Graphik werden." Das ist nun zweifellos gelungen. Auf die Handlung übertragen schien besondere Tiefe ebenfalls entbehrlich."

07. Mai 2008 | Kritik • Der Spiegel

Daniel Haas hat sich rasend gelangweilt. Der "Wille zur Überzeichnung, zur ironischen Stilisierung des Sujets, bremst SPEED RACER immer wieder aus: mit einer Überbetonung der bürgerlichen Werte Familie, Treue und Gehorsam, wie sie selbst in den im Film massiv zitierten frühen sechziger Jahren nie im Schwange war. Nach rund zwei Stunden kann man die Elogen auf die Familie und warum sie das Kernstück aller großen Kulturleistungen darstellt dann auch nicht mehr hören. ... Ein merkwürdiger Widerspruch: Was der Film auf Ausdrucksebene gestaltet, ebnet er inhaltlich sofort wieder ein. Man kreiert eine technologische Super-Utopie mit dem Ziel, Tradition gegen Innovation auszuspielen."

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